Mama, das ist doch normal, dass wir beten, oder?


Glaubensfrage: Berlin steht für Vielfalt und Toleranz – beim Thema Religion scheint das nur bedingt zu stimmen. © Picture-Alliance
Berlin gilt als die toleranteste Stadt Deutschlands. Aber wie tolerant ist man gegenüber Leuten, die ihren christlichen Glauben dort ausleben möchten? Die leidvollen Erfahrungen einer katholischen Mutter. Ein Protokoll.

Frankfurter Allgemeine

Ich bin nicht strenggläubig in dem Sinne, dass ich Wort für Wort glaube, was der Pfarrer sonntags predigt. Es ist wichtig, kritisch zu sein. Aber ich komme aus Bayern, wo ich katholisch erzogen wurde, und seit ich selbst Kinder habe, ist mein Bezug zum Glauben wieder stärker geworden. In stressigen Zeiten schicke ich manchmal ein „Danke“ los, weil ich das Gefühl habe, da hat jemand seine schützende Hand über mich gehalten. In der Weihnachtszeit finde ich es schön, sich damit zu befassen, wo das alles herkommt. Das ist ja mehr als: Alles glitzert und ist schön.

Ich habe festgestellt, dass der Glaube Menschen Halt und Orientierung gibt. Und ich mag die Traditionen, die damit verbunden sind. Am Barbaratag zum Beispiel, am 4. Dezember, werden Kirschzweige geschnitten, durch die Wärme in der Wohnung gehen die Blüten bis Weihnachten auf. Für die Kinder ist das doch faszinierend. Ich muss keine Glaubensdiskussionen führen: Ist da eine Kraft in uns, die aktiviert wird, oder gibt es wirklich eine höhere Macht? Eigentlich ist das egal. Glauben macht ein gutes Gefühl.

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