Wie politisch darf die Kirche sein?

Julia Klöckner hat politisierende Prälaten kritisiert. Ulf Poschardt hat es auch getan. „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“, twitterte Poschardt.

Von Oliver Maksan | katholisch.de

. Klöckner meinte am Mittwoch gegenüber der „Bild“: „Es kommt vor, dass aus manchen Kirchenkreisen mehr zum Thema Windenergie und Grüne Gentechnik zu hören ist, als über verfolgte Christen, über die Glaubensbotschaft oder gegen aktive Sterbehilfe.“

Tatsächlich äußern sich die Kirchen bis in ihre Spitzen in diesen Tagen bemerkenswert tagespolitisch. Es erstaunt, worauf eine aufmerksame Lektüre des Evangeliums angeblich alles Antwort gibt – und worauf nicht. Da hat Julia Klöckner völlig recht. Natürlich, die Bischöfe müssen sich zur Politik äußern. Die katholische Soziallehre und das christliche Sittengesetz sind dabei Maßstab. Doch kann es schon im Hinblick auf die iusta autonomia der Laien vor allem um Prinzipien gehen. Eindeutig ist die Lehre in vielen Fragen zudem nicht. Selbst katholische Wirtschafts- und Sozialverbände finden oft nicht zueinander, wenn es konkret wird. Und das ist nicht schlimm.

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Bodensee: Der Mikroplastik schwimmt mit

Klein, aber nicht fein: Kleinst-Plastikteilchen kommen heute in vielen Duschmitteln oder Zahnpasten zur Anwendung und landen schliesslich im Wasser. (CRISTINA PEDRAZZINI/SCIENCE PHOT (SCIENCE PHOTO LIBRARY SPL))
Dass Meere mit Plastik vermüllt sind, weiss man. Aber auch bei uns gibt es immer mehr Mikroplastik im Wasser. ­Welche ­Auswirkungen diese Kleinstteile auf den menschlichen Organismus haben, ist kaum erforscht. Der Thurgau sieht keine Gefahr.

Von Christof Lampart | TAGBLATT

Plastik ist überall. Es gibt wohl kaum ­einen Haushalt auf dieser Welt, der ohne den Kunststoff auskommt. Auch im Thurgau nicht. Dementsprechend gross ist die Menge an Plastik, die regelmässig nicht rezykliert, sondern einfach sinnlos weggeworfen wird. So weit, so schlecht. Doch was passiert, wenn sogenannter Mikroplastik in den Natur- und Nahrungskreislauf gelangt?

Kunststoff kann Krankheiten auslösen

Unbestritten ist, dass Kunststoffe im Wasser nichts zu suchen haben, denn die Mikroplastik-Partikel können Gifte, Chemikalien oder Krankheitserreger enthalten, welche sich, wenn sie sich der Mensch durch Essen und Trinken einverleibt, in den menschlichen Zellen und somit auch in den Organen ablagern und somit schädliche Langzeitwirkungen für Individuen haben könnten. Allerdings ist die konkrete medizinische Forschung in diesem Bereich noch nicht sehr weit. Aufhorchen liess jedoch eine im Herbst 2017 veröffentlichte internationale Studie der Rechercheplattform Orbmedia. Diese ergab, dass 83 Prozent der getesteten Leitungswasserproben von unterschiedlichen Ländern von Mikroplastikpartikeln verseucht waren. Dabei führte Orbmedia in folgenden sieben Weltregionen die Untersuchungen durch: in den USA, Ecuador, Europa, dem Libanon, Uganda, Indien und Indonesien. Die Proben aus den USA waren mit 94 Prozent am meisten verunreinigt. Auf Platz zwei und drei landeten die Tests aus dem Libanon und aus Indien. Die Proben aus Europa waren am wenigsten «verseucht»; trotzdem waren auch hier 74 Prozent aller Proben mit Plastikpartikeln verunreinigt. Die durchschnittliche Anzahl an Kunststofffasern, die in jeder 500-Milliliter-Probe gefunden wurde, reichte von 4,8 in den USA bis 1,9 in Europa.

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Arbeit als Religion: Warum hören wir nicht einfach auf zu arbeiten?

Warum nur? Auch am Übergang zwischen Lutherjahr und Marxjahr bleibt Arbeit die Religion der Massen. Dabei wäre das gar nicht mehr…Foto: Thomas Eisenhuth/dpa
Zwischen Lutherjahr und Marxjahr fragt sich unser Autor: Warum beten wir die Arbeit eigentlich immer noch an, obwohl wir nicht müssten? Ein Essay.

Von Hannes Soltau | DER TAGESSPIEGEL

Wer in seine berufliche Zukunft schauen möchte, kann dies auf der Homepage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) machen. Das Orakel nennt sich „Job-Futuromat“. In einer Maske lässt sich die eigene Profession auswählen und schon spuckt ein Algorithmus das eigene Schicksal in Form einer Prozentzahl aus. Je höher diese ist, desto wahrscheinlicher werden Roboter in Kürze das Berufsbild dominieren. Demnach sind Landwirte bereits zu 50 Prozent ersetzbar, Industriekaufmänner zu 56 Prozent, Bäcker zu 70 Prozent und Elektrotechniker gar zu 78 Prozent. Insgesamt kann laut IAB schon heute ein knappes Drittel aller Berufe entweder zur Hälfte oder komplett von Maschinen übernommen werden.

Diese Tendenz zur Umwälzung der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz wird sich kaum umkehren. Es ist ein Dilemma, das an den Stoff griechischer Tragödien erinnert: Weil der Mensch immer innovativer wird, hat er sich selbst als Erwerbstätiger überflüssig gemacht. Diese Erkenntnis der Überflüssigkeit macht vielen Angst. Doch das müsste sie nicht, denn diese Entwicklung könnte nicht weniger als das sein: einer der größten Fortschritte der Menschheitsgeschichte.

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Deutschland finanziert 80.000 Jobs in Nahost

Die Bundesregierung hat einem Zeitungsbericht zufolge im zu Ende gehenden Jahr in den Ländern um Syrien rund 20.000 Jobmöglichkeiten für Flüchtlinge geschaffen. Insgesamt finanziere Deutschland damit rund 80.000 Arbeitsmöglichkeiten in der Krisenregion, meldete die „Welt am Sonntag“. Flüchtlinge sollten so die Chance haben, sich ihren Lebensunterhalt wieder selbst zu verdienen.

evangelisch.de

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte der Zeitung, den Menschen solle „Würde und ein Stück selbstbestimmtes Leben“ gegeben werden. „Niemand lebt gern auf Dauer von Almosen.“ Viele Familien würden den Jahreswechsel nun schon zum siebten Mal fern ihrer Heimat verbringen. „Flüchtlinge haben sich ihr Schicksal nicht ausgesucht“, betonte Müller.

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US-Kürzungen: UN-Entwicklungsprogramm-Chef warnt vor Folgen

Der Chef des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), Achim Steiner, hat vor weiteren Geldkürzungen der USA gewarnt. Wenn die USA sich finanziell noch stärker zurückzögen, hätte das weitreichende Konsequenzen für die Arbeit des UNDP und die Handlungsfähigkeit des UN-Systems insgesamt, sagte Steiner dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Genf.

evangelisch.de

„Das UNDP müsste in vielen Ländern seine Präsenz beenden, Projekte stoppen, Büros schließen und Mitarbeiter entlassen“, betonte Steiner, der ranghöchste Deutsche bei den UN. Ein Schrumpfen der UNDP-Aktivitäten würde sich auch auf die übrigen Einrichtungen der Vereinten Nationen wie etwa das Flüchtlingshilfswerk UNHCR auswirken, weil das UNDP die Arbeit der UN-Institutionen in den meisten Ländern logistisch unterstützt. „Das ist sehr bitter für die Menschen, denen wir helfen.“

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Die Abschaffung der Geschlechter

© Kat Menschik
Die Geschlechterverhältnisse sind erschüttert, der Dualismus wankt. Das ist eine Chance, die üblichen Zuschreibungen durcheinander zu bringen. Und am Ende ist die ganze Männlichkeit nur ein ironischer Spleen.

Von Harald Staun | Frankfurter Allgemeine

Die vergangenen Monate haben das Verhältnis der Geschlechter zueinander so heftig durcheinander gebracht, wie man das fast nicht mehr für möglich gehalten hätte – und dass der Schock so groß ist, der seit diesem Jahr mit dem Schlagwort #Metoo benannt wird, das liegt nicht nur daran, dass die Liste der sexuellen Übergriffe noch immer täglich weitergeschrieben wird; es liegt auch daran, dass in den Diskussionen, in jenen über die unbezweifelbaren Verbrechen genauso wie über die zweifelhaften Unverschämtheiten, ein real existierendes Männerbild sichtbar wurde, welches auch viele Männer kaum fassen konnten.

Es ging, wenn in diesem Jahrhundert über Emanzipation und Feminismus diskutiert wurde, doch längst schon um viel mehr: um gleiche Löhne und um Genderrollen, um Teilzeit-Lösungen und um Kitaplätze, und um die Frage, ob es reicht, sich darauf zu verständigen, dass Nein auch Nein heißt – oder ob nur ein Ja auch Ja bedeutet. Doch plötzlich redete man wieder über Männer, die sich benehmen, als seien sie aus einer Folge „Mad Men“ entsprungen, über Männer, die auch im Jahr 2017 noch ihren Chauvinismus für biologisch legitimiert und die Anrede „Dame“ für eine Höflichkeit halten.

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Erzapostel Heiner Koch: „Berlin braucht mehr Religion“

Interview mit Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, in seinen Diensträumen am Hausvogteiplatz Foto: Anikka Bauer
Erzbischof Heiner Koch erlebt Berlin nicht als religionsfeindlich. Und er hat Pläne mit dem neuen theologischen Institut.

Von Regina Köhler, Brigitte Schmiemann | Berliner Morgenspost

Erzbischof Koch, seit zwei Jahren in Berlin, spricht sich für den Nachzug der Familien von Flüchtlingen aus. Alles andere wäre unmenschlich, eine Integration der Flüchtlinge ohne ihre Familien sei nicht möglich, sagt er im Interview mit der Berliner Morgenpost. Und spricht über die Religiosität in Berlin, über den Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale und das Vorhaben, an der Humboldt Universität ein katholisches theologisches Institut zu gründen.

Herr Erzbischof, müssen wir uns für das kommende Jahr Sorgen vor neuen Kriegs- und Krisengebieten machen? Müssen wir fürchten, dass die Zeiten unsicherer werden, auch weil Deutschland noch keine Regierung hat?

Heiner Koch: Ich möchte dieses Szenario für Deutschland entdramatisieren. Dass wir noch keine neue Regierung haben, ist ärgerlich, aber keine Katastrophe. Das ist eine in der demokratischen Ordnung vorgesehene Möglichkeit. Mit Blick auf die Welt mache ich mir mehr Sorgen: Wenn ich an Nordkorea denke, kann ich nur hoffen, dass es genügend Bedächtige in der zweiten Reihe gibt, die eine Eskalation verhindern. Noch größere Sorge macht mir die Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten. Und ich sehe große Gefahrenherde in Afrika. Wie wird es in den aktuellen Kriegs- und Krisengebieten weitergehen, wenn sich angesichts der innerafrikanischen Flüchtlingsströme die Lage weiter zuspitzt?

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Schon über 1.100 Kirchen in Moskau, aber Bauboom hält an

Metropolit Hilarion: „Bauen Kirchen nicht, um eindrucksvolle statistische Zahlen zu erzielen, sondern weil die Leute das wollen“.

kath.net

Die Russisch-orthodoxe Kirche hat in den letzten 30 Jahren mehr als 30.000 Gotteshäuser renoviert oder neu errichtet. Dies teilte der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), in der TV-Sendung „Kirche und Welt“ mit. Insgesamt gebe es derzeit 40.000 russisch-orthodoxe Kirchen in 60 Staaten, fügte der Metropolit hinzu. Wenn die Bautätigkeit so weitergehe, werde sich die Zahl der russisch-orthodoxen Gotteshäuser in 25 bis 30 Jahren verdoppeln und damit wieder den Stand von 1914 erreichen.

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Plötzlich geht es den Iranern um das Ende des „Mullah“-Regimes

Quelle: Reuters
„Nieder mit dem Diktator“, rufen die Demonstranten: Völlig unerwartet sind im Iran Proteste gegen die Wirtschaftskrise in Ablehnung des Regimes umgeschlagen. Die von der Unterschicht gehasste Führungselite bestätigt die ersten Toten.

Von Alfred Hackensberger | DIE WELT

Der Mittlere Osten kommt nicht zur Ruhe. Seit dem Arabischen Frühling entstehen immer neue Konflikte. Nach Syrien, dem Irak, Jemen, Bahrein und Katar trifft es nun den Iran. Völlig unerwartet sind dort Proteste gegen das religiöse Regime ausgebrochen.

„Nieder mit dem Diktator“ und „Tod dem Präsidenten“, rufen seit vier Tagen Demonstranten in zahlreichen Städten der islamischen Republik. Die Regierung sprach von „ausländischen Initiatoren“ und „Konterrevolutionären.“ Die Bürger wurden vor „illegalen Zusammenkünften“ gewarnt. Aber die Menschen scheinen sich nicht abschrecken zu lassen. Die Proteste weiten sich von Tag zu Tag aus.

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Wie kriminell sind Zuwanderer? Interner BKA-Bericht zeigt genaue Statistik

Im ersten Halbjahr 2017 verzeichnete das BKA weniger Straftaten von Zuwanderern als in der vorhergehenden Jahrehälfte. dpa
Im Großen und Ganzen lieferte der Bericht des Bundeskriminalamts (BKA) zur „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung, Betrachtungszeitraum 01.01.2017 – 20.06.2017“ eine gute Nachricht. Im Vergleich zum Halbjahr davor sind insgesamt weniger Zuwanderer straffällig geworden.

FOCUS ONLINE

Der „Bild am Sonntag“ liegt nun eine ausführlichere Version des Berichts vor, die eigentlich nur für den Dienstgebrauch des BKA bestimmt war und in der die Zahlen genauer aufgeschlüsselt werden.

Als Zuwanderer zählen für die Statistik des BKA Asylbewerber, Asylberechtigte, Geduldete, Kontingentflüchtlinge und Abgelehnte Asylbewerber. Anerkannte Flüchtlinge, die in Deutschland schon Asyl nach dem Grundgesetz oder Flüchtlingsschutz gemäß der Genfer Konventionen erhalten, werden in dem BKA-Bericht nicht berücksichtigt.

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Predigen über das Smartphone: Vatikan gibt App heraus – Clerus App

Bild: Clerus-App. play.google.com/store

Der Vatikan hat eine Smartphone-App herausgegeben die für ein besseres Verständnis der Predigten in der Kirche sorgen soll.

Merkur.de

Mit einer „Clerus-App“ will der Vatikan für bessere Predigten sorgen. Die Anwendung stellt jeweils ab Donnerstag eine Auslegung für das Evangelium des folgenden Sonntags auf dem Smartphone bereit. Entwickelt wurde die Predigthilfe von der Kleruskongregation gemeinsam mit dem päpstlichen Mediensekretariat. Zielgruppe seien „all jene, die das Wort Gottes der Sonntagsliturgie vertiefen und meditieren wollen“, teilte die Kongregation mit.

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Happy New Year, Bonne Anneé, Feliz año nuevo, Buon capodannoi, Gott nytt år, Gelukkig nieuwjaar, Feliz ano novo, Hyvää uuttavuotta, An nou fericit, Akemashite Omedetou, Kul ‘aam u antum, Sretna nova godina, С Новым годом, Szczesliwego Nowego

Wenn Weltbilder aufeinanderprallen

Bild: Pixabay/CC0
Wer den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft beschreiben möchte, benutzt gern das Wort „polarisiert“. Soll heißen: Im öffentlichen Diskurs stehen sich bei vielen Themen gegensätzliche Meinungen und Weltbilder mehr oder weniger unversöhnlich gegenüber.

Von Elke Halefeldt | TELEPOLIS

Die Dinge werden dadurch verkompliziert, dass Weltbilder ja keine Häuser aus „harten Fakten“ darstellen, sondern auch auf Axiomen, Schätzungen, Prognosen, Interpretationen aufbauen. Viel Raum für Gefühle, Ideologie und „einfache Antworten auf schwierige Fragen“, quasi das Spezialgebiet der viel gescholtenen Populisten. Allerdings: Auch intelligente und gebildete Menschen, darunter linke, sind in Zeiten, in denen die Medien uns mit unüberschaubar vielen Informationen überhäufen, nicht gegen „gefühlsgeleitete Realitätsverweigerung“ gefeit.

Anfang November hat sich der Welt-Korrespondenten Alan Posener mit einem Meinungsbeitrag zu Wort gemeldet: „Migration hat Deutschland weltoffener und moderner gemacht.“ Eine migrations-skeptische Gesellschaft wäre „ein chauvinistisches, intolerantes, verbittertes, altes, misstrauisches, innovationsfeindliches und isoliertes Deutschland: das Abbild der Verhältnisse auf AfD-Parteitagen.“

Zu diesem Schluss kommt Posener, obwohl er diverse von Migration verursachte „Rückschläge“ und „Opfer“ durchaus sieht und benennt. Henryk M. Broder bescheinigte seinem optimistischen Kollegen daraufhin „idealistische Akrobatik“. Einwanderung könne auch schief laufen.

Wir nehmen aber mal an, der Amadeu Antonio Stiftung (AAS) gefiele Poseners Denkansatz gut. Was ihr nicht gefällt, hat die Stiftung kürzlich in der Studie „Toxische Narrative“ zusammengetragen. Narrative sind laut AAS „Erzählungen“, „mit denen wir die Welt ordnen, erklären und die beschreiben, aus welchem Blickwinkel wir die Gesellschaft betrachten“.

Konkret geht es um Narrative von zehn Social-Media-Akteuren des „verschwörungstheoretischen, rechtsextremen und rechtspopulistischen Spektrums“ (u. a. AfD, Compact-Magazin, NPD), die in diesem Fall als toxisch, eben: Gift für die Gesellschaft, eingestuft werden.

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Im Fall Gröning spiegelt sich eine ganze Generation

Quelle: N24/Christin Brauer
Warum fällt es manchen so schwer, das Urteil gegen den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning zu akzeptieren? Weil sie daran festhalten wollen, dass die Großeltern frei seien von Schuld und Verantwortung.

Von Peter Huth | DIE WELT

Im Juli 2015 wurde der ehemalige SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Gröning war damals 94 Jahre alt, zwei Jahre lang hat sein Anwalt versucht, den Haftantritt zu verhindern. Nun entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Mann, der in der Vernichtungsfabrik Auschwitz-Birkenau vor allem in der Buchhaltung tätig war, die Strafe verbüßen muss.

Vor allem in den digitalen öffentlichen Räumen, bei Facebook und Twitter, gibt es an der Entscheidung drastische Kritik und tiefe Empörung. Häufig wird das Urteil an sich infrage gestellt: Durfte man jemanden, der angeblich doch nur ein kleines Rädchen im Getriebe der Mordmaschine war, verantwortlich machen? Die Antwort ist: Ja.

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Mehr Urteile wegen Hass und Hetze gegen Abgeordnete

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Die Zahl der verurteilten Volksverhetzer in Berlin ist laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ 2016 weiter gestiegen.

evangelisch.de

Demnach wurden 68 Personen nach Paragraf 130 des Strafgesetzbuches verurteilt, während es 2015 noch 41 waren. 2014 habe es lediglich 12 Verurteilungen gegeben. Die Täter seien vor allem wegen Hass und Hetze gegen Abgeordnete verurteilt worden, da der Bundestag die ihm gemeldeten Fälle an die Berliner Staatsanwaltschaft weitergebe.

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Ex-Frau eines Dschihadisten: Einmal „IS“ und zurück

Ohne Schleier und ohne Angst: Tania lebt heute in den USA. (Foto: privat / oh)
Tania Joya Georgelas war mit einem Dschihadisten aus den USA verheiratet. Nach zehn Jahren hat sie sich vom radikalen Islam abgewandt und ihren Mann verlassen, der in Syrien für die Terrororganisation „Islamischer Staat“ kämpft.

Reportage von Beate Wild | Süddeutsche Zeitung

Wann ihr Leben zum Albtraum wurde, kann Tania Joya Georgelas heute nicht mehr genau sagen: War es, als sich ihr damaliger Ehemann eine zweite Frau nahm? Als er ins Gefängnis musste? Oder erst, als sein Plan Gestalt annahm, sich und die Familie der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien zu verschreiben?

Zumindest an den Abschied im Sommer 2013 erinnert sich die 34-Jährige gut: Georgelas ist im sechsten Monat schwanger und abgemagert auf 44 Kilo. Sie habe nur weg gewollt, erinnert sie sich heute, raus aus Syrien. Ihr Ehemann John bringt sie und die drei gemeinsamen Kinder zur türkischen Grenze, vorbei an den Kugeln von Scharfschützen, die plötzlich auf sie schießen. Er liefert sie bei einem bezahlten Schleuser ab, der bereits auf der anderen Seite der Grenze wartet. „Dann drehte er sich einfach um und ging zurück nach Syrien, ohne ein Wort des Abschieds“, erinnert sich Georgelas.

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Totenschädel aus dem All kommt 2018 erneut vorbei

Illustration: j. a. peñas/sinc Unter bestimmten Lichtverhältnissen gleicht 2015 TB145 einem menschlichen Schädel.
Eigentümlich geformter „Halloween“-Asteroid war 2015 in geringem Abstand an der Erde vorüber geflogen

derStandard.at

Der „Halloween“-Asteroid, der im Jahr 2015 knapp an unserem Planeten vorüber geflogen ist, wird der Erde im kommenden Jahr erneut einen Besuch abstatten. Der Brocken mit der Bezeichnung 2015 TB145 war am 10. Oktober 2015, und damit nur 20 Tage vor seiner nahen Passage mit Instrumenten der Universität von Hawaii entdeckt worden.

Totenschädel aus dem All

Für Aufsehen sorgte der vermutliche ehemalige Kometenkern damals nicht nur, weil er sich bis auf 480.000 Kilometer an die Erde angenähert hatte (also etwa die eineinhalbfache Distanz zum Mond), er verfügte für den 31. Oktober auch über das passende „Kostüm“: Der Besucher aus dem All sah auf den Radaraufnahmen einem menschlichen Schädel ziemlich ähnlich.

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Dürre in Kapstadt: Bürger fürchten „Stunde Null“

Kapstadt – (c) imago (Bo Van Wyk)
Der Metropole geht das Wasser aus. Bürgermeisterin Patricia de Lille appelliert an die Einwohner, ihre „Beziehung zu Wasser grundsätzlich zu ändern“.

Die Presse.com

Kapstadt geht wegen der schlimmsten Dürre seit Jahrhunderten das Wasser aus. Wenn es nicht bald regnet, droht Ende April die „Stunde Null“, in der die Stadt in Südafrika die Leitungen abstellen muss. Dann müssten sich die rund 4,5 Millionen Einwohner ihr Wasser unter Aufsicht von Militär und Polizei an 200 Verteilungspunkten abholen.

Täglich würde es dann in einer der entwickeltesten Städte Afrikas nur noch 25 Liter Wasser pro Person geben – das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Minimum zur Aufrechterhaltung von Gesundheit und Hygiene. „Wir versuchen alles, um die „Stunde Null“ zu verhindern … doch dafür müssen wir unsere Beziehung zu Wasser grundsätzlich ändern“, warnt Kapstadts Bürgermeisterin Patricia de Lille.

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„Sea-Watch“ kündigt weitere Rettungseinsätze an

Themenbild. dpa
Die Flüchtlingshelfer von „Sea-Watch“ haben eine gemischte Bilanz ihrer Seenotrettungseinsätze im Mittelmeer gezogen. „Sea-Watch“ sei inzwischen an der Rettung von rund 35.000 Menschen auf See beteiligt gewesen, teilte der Berliner Verein am Samstag mit.

evangelisch.de

Die Einsätze seien jedoch schwieriger geworden, weil sich die EU bei der Rettung von Flüchtlingen „weiter aus der Verantwortung“ ziehe und sie der libyschen Küstenwache überlasse, die immer wieder in Rettungseinsätze eingreife.

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Gesetz gegen Atheisten: Ägypten erklärt Nichtgläubige zur Gefahr fürs Land

Bild: Amed Sherwan/FB, bearb.:bb
Knapp 900 Nichtgläubige soll es in Ägypten geben. Die Regierung betrachtet sie als Gefahr für die ganze Gesellschaft. Mit einer Kampagne heizt Staatschef Sisi nun die Stimmung vor der Präsidentenwahl 2018 an.

Von Alexandra Köhler | SpON

Amr Hamroush hat Großes vor: Der Chef des Ausschusses für Religion im ägyptischen Parlament will künftig alle Landsleute bestrafen, die nicht an Gott glauben. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zur „Kriminalisierung des Atheismus“ arbeite er derzeit aus, hat Hamroush verkündet.

Atheismus muss unter Strafe gestellt werden, weil Atheisten keinen Glauben haben und weil sie die abrahamitischen Religionen beleidigen“, sagt Hamroush. Mit seiner Vorlage reagiere er auf die angebliche Ausbreitung des Atheismus in der ägyptischen Gesellschaft. „Wenn jemand die Religion verlässt, an die er geglaubt hat, bedeutet das eine Verachtung aller Religionen“, argumentiert der Politiker.

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