Arabische Debatte über Religion und Säkularismus: Keine Kollision mit religiösen Werten


Der jordanische Publizist Mousa Barhouma kritisiert die immer wiederkehrende Gleichsetzung des Säkularismus mit Apostasie und Ketzerei in den arabischen Diskursen. Dabei steht der Säkularismus gar nicht im Widerspruch zum Glauben und strebt auch nicht danach, dessen Platz einzunehmen.

Von Mousa Barhouma | Qantara.de

Die Veröffentlichung einer das Wesen der Göttlichkeit beleidigenden Karikatur durch einen jordanischen Publizisten hat kürzlich den Streit um Religion und Säkularismus in der arabischen Welt wieder aufleben lassen. Die sozialen Netzwerke explodierten förmlich vor Wut und Erbitterung, Laizisten wurden als Apostaten und Ketzer verunglimpft.

Es kommt leider oft vor, dass der Säkularismus in diesen emotional geführten Debatten insgesamt mit Apostasie gleichsetzt werden. Eine Überzeugung, die zumeist von Personen vertreten wird, die sich dem islamistischen Gedankengut verpflichtet sehen.

Diese Fraktion konstruiert fortwährend und geradezu mechanisch Verbindungen zwischen Säkularismus und Ketzerei – und folgt damit einer Meinung, die sich bei vielen festgesetzt hat. Dabei steht, wie wir im Folgenden zu verdeutlichen suchen, der Säkularismus gar nicht im Widerspruch zum Glauben und strebt nicht danach, dessen Platz einzunehmen.

Notwendige weltanschauliche Neutralität des Staates

Diese „Verteidigung“ des Säkularismus wird, wie wir befürchten, nicht frei sein von einer gewissen belehrenden Tendenz und einer Re-Definition dessen, was zu definieren ist. Doch die Zusammenhänge, die diese Notwendigkeit hervorgebracht haben, erfordern dies, bei aller Vorsicht, die wir versuchen werden walten zu lassen.

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