In der Ukraine wird auch die Religion zur Kampfzone


Die Orthodoxie ist ein Aspekt des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, auch wenn sie nicht immer so nahe an der Front ist wie hier im Dorf Andrejewka im Jahr 2014 (Bild: Manu Brabo / AP)
Kiew geht gegen den russischen Einfluss im Land vor und nimmt dabei auch die orthodoxe Kirche ins Visier. Und doch machen die verfeindeten Landeskirchen nun erstmals einen Schritt aufeinander zu.

Von Ivo Mijnssen | Neue Zürcher Zeitung

Wenn Russland seinen Machtanspruch in Osteuropa untermauern will, ist die Religion ein zentrales Argument. Die Orthodoxie prägt die slawische Kultur seit einem Jahrtausend und erlebt im postsowjetischen Raum seit 1991 wieder einen enormen Aufschwung: Für den Kreml ist die Kirche zu einem immer mächtigeren politischen Verbündeten geworden, der die imperial-abstrakte Idee der «Russischen Welt» mit Inhalt füllt. Doch die Politisierung der Religion führt auch zu Widerstand – gerade in der Ukraine, wo die orthodoxe Kirche immer wieder in den Konflikt um die Krim und die Ostukraine hineingezogen wird.

Kirche aus einem «Aggressoren-Staat»

In ihrem Bemühen, sich von allem Russischen loszusagen, nimmt die ukrainische Regierung seit einigen Monaten auch jene orthodoxe Kirche ins Visier, die dem Moskauer Patriarchat untersteht: Dieser gehören laut Schätzungen etwa 15 Prozent der Ukrainer an.

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