Bronzezeit-Objekte aus „Himmelsmetall“

Diese im ägyptischen Gerzeh gefundene Eisenperle ist mindestens 5.300 Jahre alt. Sie stammt damit aus einer Zeit lange bevor in Ägypten die Eisenzeit begann. © University of Manchester
Rätselhafte Artefakte: Wie konnten Menschen schon Jahrtausende vor Erfindung der Eisenverarbeitung Dolche, Perlen und andere Objekte aus diesem Metall fertigen? Eine Antwort könnte nun eine Analyse dieser Fundstücke liefern. Sie enthüllt, dass ihr Eisen nicht aus irdischem Erz stammt, sondern aus dem Weltall – aus Meteoriten. Das widerlegt Spekulationen über eine Erzverarbeitung schon in der Bronzezeit und belegt, dass der berühmte Meteoritendolch von Tutanchamun keine Ausnahme war.

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In den meisten europäischen und nahöstlichen Kulturen bahnte sich um 1200 v.u.Z eine entscheidende Technologiewende an: Die Menschen lernten, wie man aus Eisenerz Eisen gewinnt und verarbeitet. Das gegenüber der Bronze härtere und stabilere Eisen ermöglichte es ihnen, bessere Werkzeuge und Waffen zu produzieren und ermöglichte damit wichtige technische Fortschritte.

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Deutsch-Israelische Gesellschaft kritisiert Absage von Qumran-Schau

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat gegen das Verhalten der Bundesregierung im Fall der abgesagten Ausstellung von Qumran-Schriftrollen in Frankfurt am Main protestiert. Mit der Verweigerung einer Garantie der Rückgabe an die israelische Antikenbehörde habe die Bundesregierung die Ausstellung der wertvollen Schriften im „Bibelhaus Erlebnis-Museum“ verhindert, kritisierte die Deutsch-Israelische Gesellschaft am Montag in Berlin. Damit schade die Bundesregierung vor allem den deutsch-israelischen Beziehungen.

evangelisch.de

Im Jahr 2005 sei bereits ein Teil der längsten Schriftrolle von Qumran, der Tempelrolle, im Martin-Gropius-Bau in Berlin ausgestellt worden, sagte die Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Claudia Korenke. „Offensichtlich betrachten einzelne Akteure der deutschen Politik mittlerweile jedoch die Interessen der Palästinenser als so wichtig, dass die Staatsräson, die uns gegenüber Israel verpflichtet, in Vergessenheit gerät.“ Hingegen hätten die Regierungen der Niederlande und Österreichs in den vergangenen Jahren keine Probleme hinsichtlich einer Immunitätszusage gesehen.

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Muslime in Afrika – Spielball der Saudis

Reiche Saudis investieren Millionen in den Bau von Moscheen in Afrika. Ihnen wird vorgeworfen, durch radikale Prediger die Region zu destabilisieren. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Missionierung Afrikas.

Von Gwendolin Hilse | Qantara.de

„Wir spüren ihren Hass ganz deutlich. Sie wollen unsere traditionellen Moralvorstellungen zerstören“, sagt der Marabout Mouhamed Ndiaye. Das geistliche Oberhaupt einer islamischen Sufi-Bruderschaft in Senegals Hauptstadt Dakar ist verärgert. Er sieht in dem vermehrten Einfluss Saudi-Arabiens eine Gefahr für seine freie Religionsausübung. „Ihre Prediger reden unserer Jugend ein, dass wir Marabout keine Bedeutung haben und fordern sie auf, zu rebellieren.“

Die Saudis haben mit ihrem Geld die islamische Infrastruktur in Afrika gezeichnet wie kaum ein anderer: Sie bauen Moscheen, Koranschulen und Krankenhäuser in den ärmsten Regionen des Kontinents, entsenden Prediger und vergeben Stipendien für theologische Studien in den Golfstaaten. Mit ihren Geldern exportieren religiöse Organisationen und Privatleute aus Saudi-Arabien auch den Wahhabismus mit seiner salafistischen Ideologie auf den afrikanischen Kontinent.

Almosen und Radikalisierung

Seit Jahrhunderten bestehen enge wirtschaftliche und religiöse Verbindungen zwischen arabischen und afrikanischen Staaten. Mit dem steigenden Einkommen aus Erdöl- und Gasexporten stieg auch das Engagement arabischer Staaten, insbesondere Saudi-Arabiens, im Sahel. Regierung und private Sponsoren unterstützen Gemeinden in Ländern wie Mali, Senegal oder Nigeria finanziell. Sie verstehen dies als ihre religiöse Pflicht, denn eine der fünf Säulen des Islams ist die Unterstützung von Bedürftigen.

Die Almosen sind jedoch an Bedingungen geknüpft: So werden etwa senegalesische Imame in Saudi-Arabien ausgebildet, um in ihrer Heimat den besonders konservativen Islam zu predigen. „Viele dieser jungen Männer kommen so radikalisiert zurück, dass ihre eigenen Eltern sie nicht wiedererkennen“, klagt Ndiaye.

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Einsteins Äquivalenzprinzip bestätigt

Der Satellit MICROSCOPE hat das Äquivalenzprinzip mit zwei Testmassen überprüft – bisher ohne Hinweise auf eine Diskrepanz. © CNES/Virtual-IT, 2017
Einstein behält Recht: Ein Satelliten-Experiment bestätigt, dass Gravitation auf Objekte unterschiedlicher Masse gleich wirkt. Dieses Äquivalenzprinzip bildet die Basis für Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie und gilt damit als ein Grundpfeiler der klassischen Physik. Seine Gültigkeit belegt nun der MICROSCOPE-Satelliten erstmals bis auf zehn Milliardstel genau – und damit so genau und weitreichend wie nie zuvor.

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Galileo Galilei vermutete es schon vor rund 400 Jahren, Isaac Newton formulierte es erstmals aus und Albert Einstein machte es zu einem Grundpfeiler seiner Allgemeinen Relativitätstheorie: das Äquivalenzprinzip. Nach diesem wirkt die Gravitation auf alle Objekte gleich – unabhängig von ihrer Masse oder Zusammensetzung. Gäbe es den Luftwiderstand nicht, würde demnach eine Bleikugel genauso schnell zu Boden fallen wie eine Feder. Man spricht daher auch von der „Universalität des freien Falls“.

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Wenn Überwachung Spaß macht

In Berlin Ende protestiert ein Mann gegen die verstärkte Videoüberwachung am Bahnhof Südkreuz. (Foto: imago/Bildgehege)
Fitnessarmband, Facebook-Livestream. Die spielerische Überwachungskultur unserer Zeit verdeckt deren eigentlichen Zweck: die totale Ausleuchtung von Personen.

Von Adrian Lobe | Süddeutsche Zeitung

Der öffentliche Raum wird immer besser überwacht. Nach Angaben von Marktforschern (IHS Markit) werden in China bis zum Jahr 2020 mehr als 600 Millionen Überwachungskameras installiert sein. Peking ist faktisch totalüberwacht. In Städten wie Shenzhen, Chongqing und Fuzhou wurden Gesichtserkennungssysteme installiert, die Verkehrssünder, die bei Rot über die Straße laufen oder zu schnell fahren, identifizieren und auf einem riesigen Bildschirm öffentlich an den Pranger stellen. In Studentenwohnheimen müssen sich Studenten mit ihrem Gesicht ausweisen. Und in Klassenzimmern werden „Face-Reader“ getestet, welche die Emotionen analysieren und feststellen, ob die Pennäler gelangweilt sind.

Das Interessante an dem Phänomen ist, dass Big Brother nicht jede Haustür überwacht, sondern ein dezentrales Netz von Little Brothers jeden Straßenzug kontrolliert. Denn auch wir tragen mit Smartphones und Fitness-Trackern Überwachungstechnologien mit uns herum, die jeden Schritt und Herzschlag registrieren. Insofern weben wir das Überwachungsnetz fleißig mit. Doch woran liegt es, dass wir Geräte, die einst als Gefahr für unsere Privatsphäre galten, freiwillig am Arm und in der Hosentasche tragen?

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Eskalation: Jemens Huthis sprengen Haus von Expräsident

foto: reuters / khaled abdullah In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ist die Stimmung noch gespannter als bisher.
Huthis melden Geländegewinne im Kampf gegen Ex-Verbündeten Saleh – Luftangriffe durch saudisch geführte Allianz

derStandard.at

Bei schweren Kämpfen im Jemen haben die schiitischen Huthi-Rebellen nach eigenen Angaben Geländegewinne gegen ihre früheren Verbündeten erzielt. Ein Huthi-Sprecher erklärte am Montag, seine Truppen hätten im Süden der Hauptstadt Sanaa Positionen von Anhängern des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh eingenommen, mit dem die schiitischen Huthis bisher verbündet waren.

Am Vormittag wurde dann berichtet, die Huthis hätten zudem das Haus Salehs in die Luft gesprengt. Wo sich der Expräsident aufhält, war nicht bekannt. Auch das Haus eines mit Saleh verbündeten Sammeschefs in Hajjah, nahe Sanaa, wurde in die Luft gejagt.

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Unionspolitiker besorgt über steigende Zahlen bei Kirchenasyl

Das Kirchenasyl ist umstritten: Für die einen eine Handlung aus Nächstenliebe, für de anderen eine Aushebelung rechtsstaatlicher Verfahren. Die neue Statistik das Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zeigt, dass immer mehr Menschen bei Kirchengemeinden Schutz suchen.

evangelisch.de

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge waren von Januar bis September insgesamt 1.126 Fälle von Kirchenasyl gemeldet. Das geht laut den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag) aus Statistiken der Behörde hervor. Von Mai bis Dezember vergangenen Jahres waren es demnach 630 Fälle. Seit Mai 2016 registriert das Bundesamt selbst Meldungen über Fälle, in denen Asylsuchende den Schutz der christlichen Kirchen vor dem Zugriff des Staates suchen. Einige Behörden gehen außerdem von einer hohen Dunkelziffer aus.

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«Männer haben weniger Wahlfreiheit als Frauen»

Simona Scarpaleggia (Illustration: Christoph Fischer)

Simona Scarpaleggia, Chefin von Ikea Schweiz, hat einen bis zu zweimonatigen Vaterschaftsurlaub eingeführt. Warum engagiert sie sich schon seit langem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Welche Hoffnungen setzt sie in die Digitalisierung? Und warum ist Führung für sie wie ein Abenteuer?

Von Natalie Gratwohl | Neue Zürcher Zeitung

Simona Scarpaleggia hat sich ihren Traum erfüllt. Schon seit sie denken kann, wollte sie Karriere machen und eine grosse Familie haben. Die 57-jährige Chefin von Ikea Schweiz ist seit 32 Jahren mit ihrem Mann verheiratet und ist Mutter von drei erwachsenen Kindern. «Die Familie ist mein Lebensmotor», sagt Scarpaleggia im Gespräch. Als die Kinder klein waren, hatte sie eine Haushälterin engagiert, um nach den langen Arbeitstagen möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen zu können. «Ich war zwar oft müde», erinnert sich die gebürtige Römerin, «aber ich war immer motiviert, weil ich mich den beiden wichtigsten Dingen widmen konnte.» Für anderes blieb damals kaum Zeit. Heute haben Hobbys aber wieder Platz in ihrem Leben. Sie kocht jeden Abend («Es entspannt mich»), reist viel und interessiert sich für Kunst.

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Impfung: Auf die Methode kommt es an

Meist bekommen wir bei einer Impfung eine Spritze in den Armmuskel oder den Po – aber das könnte weniger effektiv sein als andere Impftechniken. © Don Stevenson/ thinkstock
Haut statt Muskel: Die bei Impfungen gängige Spritze in den Arm oder Po ist weniger effektiv als gedacht. Denn ausgerechnet im Muskelgewebe sind entscheidende Zellen des Immunsystems eher dünn gesät, wie Forscher herausgefunden haben. Deutlich effektiver könnte die Immunisierung dagegen ausfallen, wenn der Impfstoff unter die Haut gespritzt oder inhaliert wird. Schon niedrigere Impfstoff-Dosen könnten dann die gleiche Wirkung bringen.

scinexx

Ob Masern, Kinderlähmung oder Influenza – gegen viele gefährliche Infektionskrankheiten kann eine Impfung schützen. Dabei werden uns abgetötete Erreger oder Fragmente von ihnen verabreicht. Unser Immunsystem erkennt diese Antigene als fremd und löst eine Abwehrreaktion aus, bei der Antikörper gegen den Erreger gebildet werden. Gleichzeitig „merkt“ sich die Abwehr die Merkmale des Erregers – und ist so gegen eine echte Infektion gewappnet.

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Grüne: Kopftuch-Erlaubnis für muslimische Lehrerinnen gehört zur Integration

Themenbild
Die Berliner Grünen wollen das Verbot von Kopftüchern an Schulen aufweichen, als Teil ihres Integrationskonzepts – damit droht ein Kollisionskurs mit Koalitionspartner SPD. Ansonsten ist man mit dem ersten Jahr als Juniorpartner der Regierung rundum zufrieden.

News4Teachers

Die Berliner Grünen stellen das Neutralitätsgesetz infrage. «Ich möchte, dass es Lehrerinnen mit Kopftuch an Berliner Schulen gibt», sagte die ehemalige Landeschefin Bettina Jarasch auf einem Parteitag in Berlin. Ein entsprechender Antrag sah dies als eine der Hürden für eine gelungene Integration. Er wurde von den Delegierten einstimmig angenommen. «Was wir brauchen, sind Regelungen, die religiöse Manipulation wirksam ahnden, anstatt einen Kulturkampf um das Kopftuch zu führen», sagte Jarasch.

Das Berliner Neutralitätsgesetz schreibt vor, dass Lehrer im Dienst keine religiös geprägten Kleidungsstücke tragen dürfen. Bildung müsse neutral sein, das lasse sich jedoch nicht an Kleidung festmachen, argumentierten dagegen die Grünen. Junge Muslimas der zweiten und dritten Generation erlebten das Gesetz als Berufsverbot. Mehrere Bewerberinnen, die abgelehnt worden waren, hatten Entschädigungen eingeklagt. Schon im Frühjahr hatte es deshalb Diskussionen im Senat gegeben – die SPD steht fest hinter der Vorschrift.

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Der BND und der Vatikan: Spionage unter Freunden

Headquarter des Konzerns.

Bislang weiß man, dass der Vatikan durch die Geheimdienste des Ostblocks und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ausspioniert wurde. Ein Buch beschäftigt sich nun damit, wie der noch junge Bundesnachrichtendienst die Päpste ins Visier nahm.

Von Thomas Jansen | katholisch.de

Im Januar 1949 empfing Papst Pius XII. einen geheimnisvollen Gast aus Deutschland im Vatikan: Reinhard Gehlen. Protokollarisch gab es keinen Grund für diese Audienz: Die Bundesrepublik gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht und Gehlen war ein Nobody – zumindest offiziell. Nur wenige Eingeweihte wussten damals, dass der frühere Generalmajor der Wehrmacht von der  amerikanischen Besatzungsmacht in Deutschland einen geheimen Spezialauftrag erhalten hatte: Er sollte einen neuen Nachrichtendienst aufbauen. Ende 1946 hatten die Amerikaner Gehlen zum Chef der „Organisation Gehlen“ gemacht, dem Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Um Spionage soll es auch in der Privataudienz mit Pius XII. gegangen sein. Ein Mitarbeiter Gehlens, der ihn damals begleitete, berichtete später, sein Chef habe die grundsätzliche Zustimmung des Papstes zur Aufnahme von Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Organisation Gehlen einholen wollen. Wie diese konkret aussehen sollte, und warum der Papst persönlich mit der Angelegenheit befasst wurde, bleibt offen. Möglicherweise hatten Gehlens freundschaftliche Bande zum engen Vertrauten von Pius XII., dem deutschen Jesuiten Robert Leiber, den Weg in den Apostolischen Palast geebnet.

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Haupstadt Jerusalem? Jordanien warnt Trump

Die israelische Flagge weht in Jerusalem, im Hintergrund die goldene Kuppe der al-Aqsa Moschee. Foto: afp
Jordanien warnt die Regierung der USA davor, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Die Administration um Donald Trump zeigt sich in dieser Frage uneins – mal wieder.

Frankfurter Rundschau

Jordanien hat US-Präsident Donald Trump vor einer Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels gewarnt. Ein solcher Schritt hätte „gefährliche Konsequenzen“, sagte der jordanische Außenminister Ayman Safadi am Sonntag. „Diese Entscheidung würde den Ärger der arabisch-muslimischen Welt auslösen, die Spannungen anheizen und die Friedensbemühungen gefährden“, schrieb Safadi auf Twitter.

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Gegenwart verstehen mit Hannah Arendt

Hannah Arendt (picture alliance / dpa)
Für Hannah Arendt sei Politik ein Akt des gemeinsamen Handelns gewesen, sagt Philosophin Eva von Redecker. Überwiege eine technokratische Politik, begünstige dies eine Krise der Demokratie – als Beispiel nennt Redecker Emmanuel Macron.

Eva von Redecker im Gespräch mit Stephanie Rohde | Deutschlandfunk Kultur

Hannah Arendt sei ein scharf beobachtender Mensch gewesen, sagt Eva von Redecker im Gespräch. Ihre eigenen Erfahrungen als Jüdin, ihre Flucht in die USA hätten Arendts Denken tief beeinflusst. Abgelehnt habe die Denkerin stets eine bestimmte Art des akademischen Philosophierens, das erst einmal Theorien aufwendig widerlege, bevor es eigene gedankliche Innovationen entwickeln könne.

Freihändiges Denken

Dafür habe Arendt in ihrer spezifischen historischen Situation auch schlicht keine Zeit gehabt, meint Redecker. Eine feministische Haltung habe Arendt nie eingenommen, weil sie Unterdrückung aufgrund ihres Geschlechts schlicht nicht erlebt oder zumindest nicht wahrgenommen habe. Auch sei Arendt zwischen den feministischen Wellen politisch sozialisiert gewesen. Arendts Philosophie sei klar unkonventionell zu nennen, so Redecker. Kants ästhetische Theorie habe sie auf moralische und politische Fragen übertragen, „freihändiger“ lasse sich kaum arbeiten.

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Es ist höchste Zeit für einen Euro-Islam

Themenbild.
Ein Einwanderungsland darf Forderungen stellen: Ohne den Geist der Aufklärung geht es nicht.

Von Matthias Iken | Hamburger Abendblatt

Der Islam polarisiert – am liebsten streiten Radikale über ihn. Auf der einen Seite malen „Patrioten“, die kaum ein christliches Weihnachtslied unfallfrei singen können, gegen eine Islamisierung des Abendlands Halbmond und Teufel an die Wand: Sie erwarten minütlich die Einführung der Scharia und machen für alles Böse in der Welt Muslime verantwortlich.

Auf der anderen Seite diskreditieren politisch überkorrekte Islamverteidiger jede berechtigte Kritik am Islam als Islamophobie (dabei kritisieren wir das Christentum seit der Aufklärung mit Wonne). Empört prügeln sie alle Debatten mit der Rassismuskeule nieder. Und die Mehrheit? Sie duckt sich weg und schweigt. Bloß nichts Falsches sagen! Bloß nicht missverstanden werden! Bloß nicht Beifall von der falschen Seite bekommen! So lauten die Maximen in einer offenen Gesellschaft, die gerne Scheuklappen trägt.

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Wissenschaft ist nie ganz frei

Finanzieller Druck ist Alltag in der Forschung, populistische Politiker verstärken ihn

Von Peter Illetschko | derStandard.at

Es war nur eine Fußnote im politischen Alltag der USA: Donald Trump ließ sich entschuldigen, er lud die amerikanischen Nobelpreisträger nicht ins Weiße Haus, ehe sie zur Gala nach Stockholm reisten. Zeitmangel war die offizielle Begründung für den Traditionsbruch, herzerfrischend die Reaktion des deutsch-amerikanischen Laureaten Joachim Frank, der meinte, er wäre ohnehin nicht gekommen.

Die Episode und vor allem die spärliche Resonanz darauf zeigen, wie normal das schlechte Verhältnis zwischen US-Präsident und Wissenschaftern bereits geworden ist. Hier ein politischer Machthaber, der schon oft bewiesen hat, wie wenig er von wissenschaftlichen Fakten hält, dort Wissenschafter, die auf seine Ignoranz nur mehr mit Zynismus reagieren können – und damit Einblick in eine tiefgreifende Verbitterung über die vielen kleinen und größeren Untergriffe der Regierung Trump gegen die Wissenschaften gewähren: Ob es nun Steuerpläne sind, die, sofern sie umgesetzt werden, Uni-Studenten massiv belasten würden, oder Kürzungspläne für die nationalen Förderfonds, um mehr Geld für Militär und Sicherheit zu lukrieren.

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Ex-SPD-Landtagsabgeordneter wechselt ins türkische Außenministerium

Mustafa Erkan, 2013, Bild: wikimedia.org/AG Gymnasium Melle, CC-BY-SA 3.0

15 Jahre lang engagierte sich Mustafa Erkan für die SPD in Niedersachsen, jetzt will er für den türkischen Außenminister Cavusoglu arbeiten. Eine Abstimmung über eine erneute Kandidatur für den Landtag hatte er im April verloren.

SpON

Der ehemalige niedersächsische Landtagsabgeordnete Mustafa Erkan (SPD) wechselt ins türkische Außenministerium. „In Zukunft werde ich als Berater dem türkischen Außenminister, Herrn Mevlüt Cavusoglu, zur Seite stehen“, kündigte Erkan, 32, auf Facebook an.

Nach mehr als 15 Jahren aktiver Politik für die SPD in seiner Heimatstadt Neustadt am Rübenberge und zuletzt im Landtag freue er sich auf seine bevorstehende Tätigkeit. Die SPD in Niedersachsen wollte den Wechsel nicht kommentieren, berichtete die „Neue Presse“.

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„Heimat“ setzt sich zur Wehr: gegen Nazis

Am 19. Juni 1941 beschlagnahmte ein Gestapo-Kommando das Olper Pallottiner-Kloster; vor dem Gebäude fanden sich immer mehr Frauen, Männer und Kinder zum Protest gegen die braune Räuberbande ein. (Repro: Stadtarchiv Olpe)
Im Juni 1941 lehrten die Bewohner der Kreisstadt Olpe einem Gestapo-Kommando das Fürchten – Das Modell empfiehlt sich auch heute angesichts brauner Umtriebe

Von Peter Bürger | TELEPOLIS

Beim inflationären und zumeist inhaltslosen Gerede über sogenannte regionale „Identität“ wird gerne unterschlagen, dass kollektive „Identitäten“ immer etwas mit Konstruktionen, Bildmächtigkeit und Deutungshoheit zu tun haben. Alles entscheidet sich an der Frage, von welchen Geschichtserfahrungen, „Traditionen“, „Vor-Bildern“ und Visionen denn die Rede sein soll, wenn das magische Zauberwort „Heimat“ ins Spiel kommt.

Die Sache sei – auch aus aktuellem Anlass – anschaulich gemacht mit Ausführungen über Südwestfalen. Während in Altena der Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU) eine Attacke erleidet, die von der Staatsanwaltschaft als „Tatverdacht des versuchten Mordes“ behandelt wird, und der Täter die menschenfreundliche und intelligente Flüchtlingspolitik Hollsteins angeprangert hat, wird in der weiteren Nachbarschaft die Kreisstadt Olpe samt Umland von braunen Umtrieben heimgesucht.

Noch im Jahr 1933 hatte der „schwarze Kreis Olpe“ eines der schlechtesten (sprich: vorbildlichsten) Stimmergebnisse für die NSDAP in ganz Deutschland aufzuweisen. Heute versucht die kleine Nazi-Kaderpartei „Der III. Weg“ ausgerechnet dort, einen von bundesweit rund 20 Stützpunkten im Zuge eines „kontinuierlichen Strukturaufbaus“ dauerhaft zu verankern. Schon 2016 wollten diese Anhänger der reinen Lehre des National-Sozialismus im Kreisgebiet mit einer Postkartenaktion gezielt solche Leute einschüchtern, die ihrem „nationalrevolutionären“ Heimatwahn entgegenarbeiten.

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Israel schlägt in Syrien zu – und kommt Russland gefährlich nahe

Israelische Soldaten beobachten auf den Golanhöhen das geschehen jenseits der Grenze in Syrien Quelle: REUTERS
Der israelische Angriff auf eine syrische Kaserne, die der Iran nutzen will, könnte der Auftakt einer neuen Konfrontation zwischen Jerusalem und Teheran sein. Er lässt zudem die Spannungen mit Moskau wachsen.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Syriens Bürgerkrieg neigt sich langsam seinem Ende zu, doch längst hat ein neuer Kampf begonnen – zwischen Russland und dem Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite. Es geht darum, wer die Zukunft dieses geopolitischen Drehkreuzes in Nahost beherrscht, und welche strategischen Vorteile die Parteien aus der Nachkriegssituation ziehen können.

Russland und der Iran haben Präsident Baschar al-Assad massiv unterstützt und wollen nun eine Rendite dafür. Russland baut seinen einzigen Mittelmeerhafen in Tartus aus und hat Wirtschafts- und Militärabkommen mit Damaskus unterzeichnet.

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Warum über „Werbung“ für Abtreibung so gestritten wird

Vor dem Amtsgericht in Gießen fordern Demonstrantinnen die Abschaffung des Abtreibungsparagafen 218 und des Paragrafen 219a. (Foto: Boris Roessler/dpa)
SPD, Grüne und Linke wollen sie legalisieren, Kritiker warnen vor Verharmlosung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Ulrike Heidenreich, Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

Wie aufgeladen das Thema ist, zeigen drei Vorfälle aus den vergangenen Tagen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft prüft eine Anzeige wegen des Vorwurfs der Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft – ausgerechnet gegen den Limburger Bischof Georg Bätzing. Weil sich auf der Internetseite des katholischen Bezirks Hochtaunus zur Schwangerenberatung der Hinweis findet, hier werde ein Beratungsschein ausgestellt, „der für den Schwangerschaftsabbruch notwendig ist“.

Die Anzeige kommt von der christlichen Deutschen Zentrumspartei. Diese steckt auch hinter einer Aktion in München: Vor einer Klinik verteilte sie Flyer, die auf den ersten Blick wie Pizza-Werbung aussahen. Die Fotos zeigten aber zerstückelte Föten, mit dem Zusatz: „Gemetzgert nach der Absaugmethode“. Wiederum nahe Frankfurt, ideologisch aber ganz am anderen Ende des Spektrums, beschmierten militante Feministinnen am vorvergangenen Wochenende ein Haus, in dem ein Verein ultrakonservativer Abtreibungsgegner seinen Sitz hat, mit Parolen wie „My body my choice“. Über das strafrechtliche Verbot der „Werbung“ für Abtreibungen wird nun auch im Bundestag diskutiert. Eine Analyse.

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In the shadow of Auschwitz, Jewish life once flowed with spirits

Ritual objects from the Great Synagogue of Oswiecim in Poland, on display at the Auschwitz Jewish Center, October 2017. The Great Synagogue was destroyed by the Nazis in 1939, and these artifacts were uncovered during excavations in 2004 (Matt Lebovic/The Times of Israel)
Before the Nazis erased centuries of Jewish life in Oswiecim, Poland, the town was called a ‚city of Israel,‘ with thriving Yiddish culture and one of Poland’s first factories

By Matt Lebovic | The Times of Israel

Although its name later became synonymous with the Holocaust, the Polish town Oswiecim — or Auschwitz, in German — once brimmed with Jewish culture. The rise and fall of the community’s buildings left behind evocative relics, a few dozen photographs, and many tales of the town’s special place in Polish-Jewish history.

Jews first settled in Oswiecim, west of Krakow, about 400 years ago. By the eve of the Holocaust, they comprised half the town’s population of 10,000 people. The community put up more than 20 synagogues, famous schools, and one of Poland’s first factories. Oswiecim was known as “not a bad place” to live for Jews; indeed, the Yiddish name for the town was Oshpitzin, which comes from the Aramaic word for guests.

Today, only the so-called Auschwitz Synagogue remains of that vanished Jewish landscape. Built in 1913, the modest shul located off town square has changed hands many times. As the synagogue closest to Auschwitz-Birkenau, where the Nazis murdered more than one million Jews during World War II, visitors usually come on the same day as a tour of the former extermination center.

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