Der BND und der Vatikan: Spionage unter Freunden


Headquarter des Konzerns.

Bislang weiß man, dass der Vatikan durch die Geheimdienste des Ostblocks und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ausspioniert wurde. Ein Buch beschäftigt sich nun damit, wie der noch junge Bundesnachrichtendienst die Päpste ins Visier nahm.

Von Thomas Jansen | katholisch.de

Im Januar 1949 empfing Papst Pius XII. einen geheimnisvollen Gast aus Deutschland im Vatikan: Reinhard Gehlen. Protokollarisch gab es keinen Grund für diese Audienz: Die Bundesrepublik gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht und Gehlen war ein Nobody – zumindest offiziell. Nur wenige Eingeweihte wussten damals, dass der frühere Generalmajor der Wehrmacht von der  amerikanischen Besatzungsmacht in Deutschland einen geheimen Spezialauftrag erhalten hatte: Er sollte einen neuen Nachrichtendienst aufbauen. Ende 1946 hatten die Amerikaner Gehlen zum Chef der „Organisation Gehlen“ gemacht, dem Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Um Spionage soll es auch in der Privataudienz mit Pius XII. gegangen sein. Ein Mitarbeiter Gehlens, der ihn damals begleitete, berichtete später, sein Chef habe die grundsätzliche Zustimmung des Papstes zur Aufnahme von Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Organisation Gehlen einholen wollen. Wie diese konkret aussehen sollte, und warum der Papst persönlich mit der Angelegenheit befasst wurde, bleibt offen. Möglicherweise hatten Gehlens freundschaftliche Bande zum engen Vertrauten von Pius XII., dem deutschen Jesuiten Robert Leiber, den Weg in den Apostolischen Palast geebnet.

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