Bundesteilhabegesetz Behinderung von Gesetzes wegen


Behindertenparkplätze reichen nicht: Wir brauchen insgesamt mehr Angebote, die Menschen dort unterstützen, wo sie leben, lernen und arbeiten – sowohl für behinderte als auch für ältere Menschen. Foto: Waldmüller (imago stock&people)
Das Bundesteilhabegesetz sollte behinderten Menschen selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Das Gegenteil ist geschehen. Das geht uns alle an. Ein Gastbeitrag von Corinna Rüffer, behindertenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.

Von Corinna Rüffer | Frankfurter Rundschau

Max ist drei Jahre alt und kann sich nur schwer verständigen, weil er fast nichts hört. Ihm wurden Implantate eingesetzt, mit denen er perspektivisch hören lernen soll. Ob das klappt und wie lange es dauert, weiß niemand. Damit sich Max mit seiner Familie verständigen kann, soll er deshalb eine laut- und gebärdensprachliche Förderung bekommen – so empfehlen es die Ärzte. Doch das Sozialamt Halle will den Gebärdensprachkurs, den seine Mutter beantragt hat, nicht finanzieren. Der Fall wird nun vor Gericht verhandelt, das kann Monate dauern. Zeit, in der Max sich nicht optimal entwickeln kann. Dabei geht es nicht um viel Geld: Der Kurs würde monatlich etwa 330 Euro mehr kosten, als das Sozialamt zu zahlen bereit wäre (Bericht des MDR-Nachrichtenmagazins „exakt“ am 1. November 2017).

So wie Max und seinen Eltern geht es vielen behinderten Menschen und ihren Familien: Ihnen werden die nötige Unterstützung oder passende Rahmenbedingungen für ein gutes Leben verwehrt oder sie müssen in zermürbenden Kämpfen dafür streiten. Aber nicht nur behinderte Menschen erleben das: Wer älter wird und die Treppen zur eigenen Wohnung nicht mehr schafft, findet kaum bezahlbaren barrierefreien Wohnraum.

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