Das Geschlechter-Paradox

Bild: RDF
Der westlichen akademischen Belle Étage ist seit Jahrzehnten unhinterfragtes Dogma, dass Geschlechterrollen anerzogen, mindestens aber durch Einflüsse der sozialen Umwelt geprägt werden.

Von Harald Grundner | Richard-Dawkins-Foundation

Amerikanische Frauen haben eine um 15 Prozent niedrigere Chance als Männer, die Position eines Managers zu erreichen. In Schweden ist ihre Chance 48 Prozent kleiner, in Norwegen 52 Prozent und in Dänemark 63 Prozent. Anteilig gibt es in Burma, Oman und Marokko mehr Studentinnen der Naturwissenschaften als in Skandinavien. [1]

Wie kann das sein? Die skandinavischen Länder plus Finnland sind die egalitärsten der Welt. Schweden hat eine selbsterklärt feministische Regierung und fördert seit Jahrzehnten die Gleichstellung von Frauen. [2] Selbst die schwedische Kirche möchte gender-neutral über Gott sprechen. [3]

Warum also haben Frauen ausgerechnet dort schlechtere Chancen, in höhergestellte Positionen zu gelangen?

Der westlichen akademischen Belle Étage ist seit Jahrzehnten unhinterfragtes Dogma, dass Geschlechterrollen anerzogen, mindestens aber durch Einflüsse der sozialen Umwelt geprägt werden. „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ Dieser Satz Simone de Beauvoirs ist fast siebzig Jahre alt; inzwischen dürfte höchstens das zweifache „man“ der Übersetzung Anstoß erregen; wer den Inhalt anzweifelt, wird des „Biologismus“ geziehen.

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Kirchen in NRW unterstützen Philosophie-Unterricht

Bild: Wikimedia Commons/Metropolitan School (CC-BY-SA 3.0)
Die Grünen wollen an den Grundschulen in NRW neben dem Religionsunterricht das Fach „Philosophieren mit Kindern“ einführen. Die Kirchen unterstützen das grundsätzlich. Doch es gibt Bedingungen.

katholisch.de

Die beiden großen Kirchen in Nordrhein-Westfalen unterstützen im Grundsatz den Vorstoß der Grünen, an den Grundschulen neben dem Religionsunterricht das Fach „Philosophieren mit Kindern“ einzuführen. Es erscheine „sinnvoll“, ein Ersatzfach für Kinder einzurichten, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, erklärten die Vertreter des Katholischen und des Evangelischen Büros am Mittwoch übereinstimmend bei einer Anhörung im Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags. Die Auseinandersetzung mit Sinn- und Wertefragen müsse „auch und gerade in der Grundschule“ gefördert werden.

Die Vertreter der beiden Kirchen verwiesen darauf, dass NRW in Bezug auf Religionen „bunter“ geworden sei. Dies spiegle sich nicht zuletzt in der Zunahme muslimischer und konfessionsloser Schulkinder wider. Zugleich widersprachen die Kirchenvertreter aber Darstellungen, dass sich inzwischen landesweit 30.000 Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet hätten.

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Trocken im Südwesten und feucht im Nordosten

Überflutung an der Mulde am 4. Juni 2013. Der Klimawandel könnte die Hochwassersaison in Deutschland zunehmend in den Winter verschieben. © UFZ / André Künzelmann
Heiße und trockene Sommer, milde und nasse Winter: Solche Wetterextreme in Folge des Klimawandels könnten in Deutschland künftig zunehmen, wie eine aktuelle Prognose nun erneut bestätigt. Demnach wird es regional zwar deutliche Unterschiede geben – und der Südwesten etwa bedeutend stärker unter sommerlichen Dürren leiden als der Nordosten. Trotzdem werde die gesamte Bundesrepublik in Bedrängnis geraten, wenn die Klimapolitik nicht aktiv entgegensteuere, warnen die Forscher.

scinexx

Der Klimawandel hat auch Deutschland längst erreicht: Die Auswirkungen der Erderwärmung werden bei uns besonders in den Skigebieten bemerkt, die zunehmend mit Schneemangel zu kämpfen haben. Auch mit Wetterextremen wie Dürren im Sommer und Starkregen und Überschwemmungen im Winter bekommen wir es schon jetzt zunehmend zu tun. Forscher gehen davon aus, dass sich diese Extreme in Zukunft weiter verstärken.

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Homo-Ehe in Stuttgart: Die Evangelische Kirche bebt

An der Basis der evangelischen Kirche rumort es. Und die Entfremdung in der Gesellschaft von der Institution Kirche schreitet nach dem Verbot der Homo-Ehe noch stärker voran, meint Redakteur Martin Haar.

Von Martin Haar | Stuttgarter Zeitung.de

Im Rückblick werden viele Protestanten den 29. November 2017 als historisches Datum betrachten: An diesem Tag hat die Synode der württembergischen Landeskirche die Öffnung für eine öffentliche Segnung von homosexuellen Paaren verhindert. Der rechte Flügel des Kirchenparlaments, der Gesprächskreis Lebendige Gemeinde, hat durch sein Abstimmungsverhalten die Homo-Ehe blockiert. 33 Synodalen ging ein wohlaustarierter und kluger Kompromissvorschlag des Oberkirchenrates zu weit. Die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Öffnung wurde nicht erreicht. Die Blockade brachte der Lebendigen Gemeinde einen Sieg. Doch allmählich wird immer deutlicher: Es war wohl ein Sieg mit großen Verlusten.

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Schalke spielt Doppelpass mit der Kirche

Der Buchtitel: An Gott kommt keiner vorbei… Nicht mal Stan Libuda. Foto: MH
Der FC Schalke 04 setzt sich in einem neuen Buch mit dem Thema Glauben auseinander. Vom „Fußballgott“ bis in die Kapelle der Arena.

Von Manfred Hendriock | WAZ

Es gibt dieses unvergessene Zitat von Rudi Assauer, das vom ebenso unvergessenen 19. Mai 2001 stammt. Damals, als Schalke gerade die Meisterschale so brutal aus den Händen gerissen wurde, sagte Assauer mit tränenerstickter Stimme: „Ich glaube nicht mehr an den Fußballgott.” Pause. „Weil er nicht gerecht ist”. Punkt.

„Fußballgott”, „heiliger Rasen”, „die Hand Gottes” oder gar: „Schalke ist eine Religion”. Es gibt viele Redewendungen, die aus der Kirche abgeleitet in den Sprachgebrauch des Fußballs übernommen wurden. Sozusagen ein verbaler Doppelpass, den die Kirche aber gerne mitspielt.

Was Verein und Kirche eint

„Schalke als Religion zu bezeichnen, ist für mich noch keine Blasphemie”, sagt jedenfalls Franz-Josef Overbeck, Bischof des Ruhrbistums Essen, und erklärt: „Wer Schalke als seine Religion bezeichnet, bringt zum Ausdruck: Wir gehören zusammen. Als Ruhrbischof bin ich immer froh, wenn es etwas gibt, wodurch Menschen sich zusammengehörig fühlen – wenn etwas Kitt für die Gesellschaft ist.” Overbeck äußert sich so in einem Buch, das jetzt erschienen ist und mit dem der FC Schalke 04 das Thema Fußball und Kirche mit viel Hintergrund beleuchtet. Der Titel: „An Gott kommt keiner vorbei… Nicht mal Stan Libuda!”

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Erdogan will Grenze zwischen Griechenland und Türkei neu verhandeln

Die türkisch-griechischen Beziehungen haben sich seit der Amtszeit von Präsident Tsipras verbessert. – Turkish President Tayyip Erdogan visits Greece Greek Prime Minister Alexis Tsipras welcomes Turkish President Tayyip Erdogan at the Maximos Mansion in Athens, Greece December 7, 2017. REUTERS/Alkis Konstantinidis
Der türkische Präsident stellt vor seinem Staatsbesuch in Griechenland den Vertrag von Lausanne in Frage. Man müsse „Brücken bauen, nicht Mauern“, reagiert Athen verärgert.

Die Presse.com

Überschattet von historischen Differenzen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag einen Staatsbesuch in Griechenland begonnen. Vor seiner Abreise stellte Erdogan den Vertrag von Lausanne von 1923 in Frage, der den Grenzverlauf zwischen den beiden Nachbarn regelt.

In einem am Mittwoch gesendeten Interview sprach sich Erdogan dafür aus, den Vertrag von Lausanne neu zu verhandeln. Der Luftraum und die Seegrenze könnten „verbessert“ werden, sagte Erdogan dem griechischen Sender Skai TV. In dem Abkommen waren Griechenland 1923 praktisch alle Ägäis-Inseln vor der türkischen Küste zugeschlagen worden. Seitdem gibt es Streit um den genauen Verlauf der Grenze.

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Himmelsgötter für Skeptiker

Foto: pixabay.com / tombud
Hat der Glaube an Außerirdische einen religiösen Antrieb?

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

In Star Trek V: Am Rande des Universums trifft Kapitän James T. Kirk eine Gottheit, die ihn zu ihrem Planeten lockt, um mit der Enterprise davonzufliegen. „Wozu braucht Gott ein Raumschiff?” fragt der skeptische Kommandant. Ich sprach mit Kirk persönlich – das heißt mit William Shatner – über den Film, als ich ihn kürzlich bei einer Konferenz traf. Der ursprüngliche Handlungsverlauf des Filmes, bei dem er Regie führte, ließ die Besatzung „auf der Suche nach Gott” sein. In der Befürchtung, einige religiöse Anhänger würden Anstoß daran nehmen, dass der Allmächtige von einem Raumschiff entdeckt werden könnte, bestanden die Studiobosse darauf, dass die Gottheit ein bösartiger Außerirdischer sein müsse, der sich für seinen persönlichen Vorteil als Gott ausgibt.

Wie könnte ein Raumschiff – oder jegliche Technologie zur Erkennung natürlicher Kräfte und Objekte – einen übernatürlichen Gott entdecken, der definitionsgemäß außerhalb der Reichweite solcher Sensoren wäre? Jede nachweisbare Existenz müsste ein natürliches Wesen sein, wie entwickelt auch immer; und wie ich in dieser Kolumne argumentiert habe („Shermers letztes Gesetz“, Januar 2002): „jede hinreichend entwickelte außerirdische Intelligenz (ETI) ist von Gott nicht zu unterscheiden.“ Somit konnte Shatners Handlungsthema des Suchens nach Gott nur zu einer ETI führen, die genug entwickelt ist, um gottgleich zu erscheinen.

Vielleicht liegt hier der Antrieb nach der Suche. In seinem Buch Plurality of Worlds („Vielfalt der Welten“, Cambridge University Press) von 1982 vermutete der Wissenschaftshistoriker Steven J. Dick, dass Isaac Newtons mechanisches Universum, als es die mittelalterliche geistige Weltsicht ersetzte, eine unbelebte Leere übrigließ, die mit der modernen Suche nach ETI ausgefüllt wurde. In seinem 1995 erschienenen Buch Are We Alone? („Sind wir alleine?“, Basic Books), fragte sich der Physiker Paul Davies: „Mich interessiert eher, inwieweit die moderne Suche nach Außerirdischen im Grunde Teil einer uralten religiösen Suche ist.“ Der Historiker George Basalla machte 2006 in seinem Werk Civilized Life in the Universe  („Zivilisiertes Leben im Universum“, Oxford University Press) eine ähnliche Beobachtung: „Die Vorstellung von der Überlegenheit himmlischer Wesen ist weder neu noch wissenschaftlich. Es ist ein weitverbreiteter und alter Glaube im religiösen Denken.”

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„Little Foot“: 3,67 Millionen Jahre altes Skelett zusammengebaut

Little Foot – APA/AFP/MUJAHID SAFODIEN
Forscher haben in Südafrika ein nahezu vollständiges Skelett eines Vormenschen präsentiert. Das Finden und Freilegen aller Teile dauerte von 1997 bis 2012.

Die Presse.com

Forscher haben in Südafrika ein fast vier Millionen Jahre altes, nahezu vollständiges Skelett eines Vormenschen präsentiert. Das „Little Foot“ getaufte Skelett war in mühsamer Kleinarbeit zusammengesetzt worden. Es sei das vollständigste Skelett eines menschlichen Vorfahren, das älter ist als 1,5 Millionen Jahre, sagte Professor Ron Clarke von der Universität Witwatersrand in Johannesburg.

Clarke hatte die ersten Fußknochen des rund 3,67 Millionen Jahre alten Skeletts bereits vor 20 Jahren bei einer Ausgrabung in den für Fossile bekannte Sterkfontein-Höhlen nordwestlich von Johannesburg entdeckt.

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Hessen: Ditib reagiert erbost auf Lorz-Forderung

Die islamische Religionsgemeinschaft Ditib in Hessen reagiert verärgert auf die Forderung von Kultusminister Alexander Lorz (CDU), sie möge ihre Unabhängigkeit von der Türkei nachweisen.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Die islamische Religionsgemeinschaft Ditib Hessen hat verärgert auf den neuen Kurs der Landesregierung beim Islamunterricht reagiert. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte am Dienstag gefordert, Ditib Hessen müsse seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit vom türkischen Staat nachweisen, um Partner für den Religionsunterricht in Hessen bleiben zu können.

Der Vorsitzende von Ditib Hessen, Salih Özkan, sagte der FR am Mittwoch, die Forderung bedeute „eine Ungleichbehandlung der Ditib und der Muslime in unserem Land“. Lorz hatte drei Gutachten in Auftrag gegeben. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass eine „Weisungskette“ von der staatlichen Religionsbehörde Diyanet über die deutsche Ditib-Zentrale in Köln bis zum hessischen Verband bestehe. Es gebe allerdings keinerlei Beanstandungen am hessischen Islamunterricht oder Nachweise, dass es eine konkrete Einflussnahme aus Ankara oder Köln gegeben habe.

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Gentherapie hilft Blutern

Bei Menschen mit Hämophilie funktioniert die Blutgerinnung nicht richtig. © Eraxion/ thinkstock
Hoffnung für Bluter: Forscher haben Hämophilie-Patienten erstmals erfolgreich mithilfe einer Gentherapie behandelt. Dank der experimentellen Behandlung haben die an einer speziellen Form der Erbkrankheit leidenden Probanden keine spontanen Blutungen mehr und müssen sich die ihnen fehlenden Gerinnungsfaktoren nicht mehr spritzen. Experten werten die Ergebnisse als großen Erfolg. Ob die Methode auch langfristig wirksam und sicher ist, muss sich jedoch erst noch zeigen.

scinexx

Wer von der Bluter-Krankheit Hämophilie betroffen ist, dessen Körper produziert wichtige Gerinnungsfaktoren nicht. Diese Proteine sorgen normalerweise dafür, dass bei Verletzungen entstehende Blutungen schnell gestoppt werden: Sie lassen das Blut verklumpen. Fehlen diese Proteine aber, funktioniert die Blutgerinnung nicht. Als Folge können spontane Blutungen an Gelenken und inneren Organen schwere Schäden auslösen – und schon kleinere äußere Verletzungen im Extremfall zum Verbluten führen.

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Hamas-Anführer ruft zu neuer Intifada auf

Harsche Reaktion auf Trumps Entscheidung:Hamas-Anführer Ismail Hanija ruft zu einer dritten Intifada auf. (Foto: REUTERS)
Mit seiner Forderung nach einem neuen Aufstand der Palästinenser reagiert Ismail Hanija auf die Entscheidung von US-Präsident Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Süddeutsche Zeitung

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, könnte zu einer neuen Eskalation der Gewalt in der Region führen: Die radikalislamische Hamas hat als Reaktion darauf nun zu einem neuen Aufstand der Palästinenser gegen Israel aufgerufen.

Die neue Intifada solle ins Herz des „zionistischen Feindes“ getragen werden, sagte Hamas-Anführer Ismail Hanija in einer Rede im Gazastreifen. Das Palästinensergebiet steht unter Kontrolle der Hamas. Hanija rief alle Palästinensergruppierungen dazu auf, ihre Differenzen beiseite zu legen und zu einer gemeinsamen Strategie zu finden, wie unter anderen die Jerusalem Post meldet.

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Kreationismus: Allah statt Darwin

Fossilien als angebliche Beweise: Titelseite der Wurfsendung. (Foto: oh)
In ihren Briefkästen finden Einwohner von Fürstenfeldbruck eine Broschüre von Adnan Oktar. Der türkische Publizist leugnet von einem islamischen Standpunkt aus die Evolutionslehre

Von Peter Bierl | Süddeutsche Zeitung

Aufsehen hat vor Kurzem eine Postwurfsendung an Fürstenfeldbrucker Haushalte erregt. Im Briefkasten fanden Einwohner eine bunte Broschüre, in der die Evolutionstheorie als Irrlehre abgetan wurde. Das Heft stammt allerdings nicht von christlichen Fundamentalisten, sondern aus muslimischen Kreisen. „Das steckte bei mir und meinen Nachbarn im Postkasten“, erzählte ein Leser, der das Pamphlet der Redaktion zugeschickt hat. Der Mann wohnt im Norden der Stadt.

Die Broschüre enthält eine islamische Variante des sogenannten Kreationismus. Dessen Anhänger, überwiegend christliche Fundamentalisten, leugnen die Evolution von Pflanzen, Tieren sowie des Menschen und behaupten, alle Lebewesen seien von Gott so geschaffen worden, wie man sie heute antrifft. Ähnlich argumentiert der türkische Publizist Adnan Oktar. Er ist auch der Urheber der in Bruck verteilten Broschüre. Demnach gilt Allah als wahrer Schöpfer aller Lebewesen. Oktars Ziel ist es, mit dem Kampf gegen den Darwinismus „den Atheismus zu beseitigen und die Moral des Quran zu verbreiten“.

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Plädoyers im NSU-Prozess : „Im Namen Allahs“

Vor seinem Plädoyer beim NSU-Prozess in München erschien Ismail Yozgat, der Vater des ermordeten Jungen Halit, am 27. November zu einer Sitzung des NSU-Ausschusses des hessischen Landtages ©DPA
Nach fast 400 Verhandlungstagen halten im NSU-Prozess die Eltern von Halit Yozgat, des neunten NSU-Mordopfers, ihr Plädoyer. Es ist eine einzige Anklage.

Frankfurter Allgemeine

Dass dies besondere Minuten werden würden im Münchner NSU-Prozess, das ist sofort zu spüren. Mucksmäuschenstill ist es im Gerichtssaal, als Ayse Yozgat ans Mikrofon tritt, sich die Brille zurechtrückt. „Im Namen Allahs“, beginnt sie – und kommt sofort zur Sache. Sie spricht die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe, die gegenüber auf der Anklagebank sitzt, direkt an – auf Türkisch, ein Dolmetscher übersetzt. „Können Sie einschlafen, wenn Sie Ihren Kopf auf das Kissen legen?“, fragt sie. „Ich kann auch nach elf Jahren nicht einschlafen. Denn ich vermisse meinen Sohn so sehr.“

Ihr Sohn ist Halit Yozgat, erschossen am 6. April 2006 in seinem Internetcafé in Kassel. Der junge Mann war das neunte Mordopfer des „Nationalsozialischen Untergrunds“. Er wurde nur 21 Jahre alt. Mehr als elf Jahre später ist nun die große Stunde seiner Eltern gekommen. Auf der Zielgeraden des NSU-Prozesses dürfen sie ihre Plädoyers halten.

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Piloten verhindern mehr als 200 Abschiebungen

Bild: DIE WELT-Getty Images
In diesem Jahr konnten zahlreiche abgelehnte Asylbewerber wegen der Weigerung der Fluggesellschaft oder des Kapitäns nicht abgeschoben werden. Hunderte weitere Abschiebungen scheiterten aufgrund von „Widerstandshandlungen“.

Von Marcel Leubecher | DIE WELT

In die meisten Herkunftsländer abgelehnter Asylbewerber darf Deutschland nicht per Charterflug abschieben. Die Ausreisepflichtigen werden daher meist in ganz normale Linienmaschinen gesetzt. Dabei kommt es aber schon seit geraumer Zeit zu Problemen. In diesem Jahr scheiterten bis Ende September 222 Abschiebungen an der „Weigerung der Fluggesellschaft/Flugzeugführer“; darunter die meisten an der Lufthansa (63) und ihrer Tochter Eurowings (22). Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor.

Doch warum laufen so viele der teuren und aufwendigen Abschiebungsvorbereitungen durch die Weigerungen der Fluggesellschaften ins Leere?

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Ein Quadratkilometer Weltgeschichte

Die Altstadt Jerusalems mit dem Tempelberg, fotografiert durch eine Tür mit einer Aussparung in Form des Davidsterns. (Foto: AP; Bearbeitung SZ)
  • Jerusalem ist allen drei monotheistischen Weltreligionen heilig – und seit drei Jahrtausenden umkämpft.
  • Seit dem UN-Teilungsplan von 1947 gilt Israel als Territorium unter besonderer Verwaltung, dessen Status erst nach Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden soll.
  • In den vergangenen Jahren hat Israel Fakten geschaffen und zum Beispiel auf palästinensischem Gebiet östlich der Stadt neue Siedlungen gebaut.

Von Alexandra Föderl-Schmid | Süddeutsche Zeitung

Mit der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, kommt ein alter Traum wohl der meisten Israelis der Realität ein Stück näher. „Wir haben Jerusalem, die geteilte Hauptstadt Israels, vereint. Wir sind an unsere heiligen Plätze zurückgekehrt, um uns niemals wieder von ihnen zu trennen“, hatte schon Moshe Dajan, der legendäre Verteidigungsminister, am 7. Juni 1967 gesagt. Unter seiner Führung hatten Israels Truppen im Sechstagekrieg den Ostteil der Stadt erobert und später von Jordanien annektiert – mit der festen Absicht, dort zu bleiben.

Diese Annexion wird bis heute international nicht anerkannt. Mit ihrer Erklärung zu Jerusalem verlassen die USA indes den Konsens der Staatengemeinschaft. Denn seit dem UN-Teilungsplan, der Palästina 1947 in einen Staat für Juden und für Araber aufteilen sollte, gilt Jerusalem, wie es Staatsrechtler nennen, als Corpus Separatum, also als ein vom Umland abgetrenntes Territorium unter besonderer Verwaltung. Der endgültige Status sollte erst in Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden.

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Forscher entdecken den ältesten Quasar im All

Hell. Schluckt ein Schwarzes Loch Sternenreste, entsteht Energie und damit Licht – ein Quasar entsteht. Grafik: R. Dienel/Carnegie…Grafik: Robin Dienel, courtesy of the Carnegie Institution for Science
Entstanden kurz nach dem Urknall, gibt Quasar „J1120+0641“ Forschern jetzt Einblick in die Urzeit des Universums.

Von Roland Knauer | DER TAGESSPIEGEL

13 Milliarden Jahre brauchte das Licht, bis es die Messgeräte auf der Erde erreichte. Gestartet war es aus dem Inneren einer Galaxie zu einem Zeitpunkt, als der Weltraum gerade einmal 690 Millionen Jahre jung war, also kurz nach dem Urknall. Eduardo Bañados vom Carnegie-Institut im kalifornischen Pasadena und seine Kollegen – darunter auch Fabian Walter und Hans-Walter Rix vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg – haben dieses Licht jetzt analysiert. In der Zeitschrift „Nature“ berichten sie von einem spektakulären Schnappschuss aus der Jugend des Weltraums.

Eines der strahlendsten Objekte im All

Der Kern dieser fernen Galaxie konzentriert auf engstem Raum die Masse von 800 Millionen Sternen von der Größe der Sonne, um die unsere Erde kreist. Die Anziehungskraft dieser geballten Masse ist so groß, dass aus ihr nicht einmal Licht nach außen dringen kann.

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Die USA anerkennen Jerusalem als Hauptstadt Israels

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
Präsident Trump bricht mit einem Tabu in der amerikanischen Politik und anerkennt Jerusalem als offizielle Hauptstadt von Israel.

Neue Zürcher Zeitung

Donald Trump hat in einer Rede im Weißen Haus erklärt, dass die USA Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen. Die amerikanische Botschaft werde von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt.

Seit der Staatengründung Israels 1948 hatten die USA diesen Schritt vermieden, um den Nahostfriedensprozess nicht zu torpedieren. Jerusalem ist eine laut Völkerrecht geteilte Stadt. Israel hatte nach dem Sechstagekrieg 1967 allerdings Ost-Jerusalem annektiert. Sowohl Israel als auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt.

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Nach Posse um vermeintliche Islamisierung: Berliner Spielplatz unter Polizeischutz eröffnet

Der Spielplatz „Ali Baba und die 40 Räuber“ in Berlin wurde nach dem Umbau jetzt eröffnet © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/DPA
Die Debatte um den Islam in Deutschland wird oft reflexhaft geführt. Welche abstrusen Züge das annehmen kann, zeigt das Beispiel eines Kinderspielplatzes in Berlin. Der wurde jetzt unter besonderen Umständen eröffnet.

Von Stefan Kruse | stern.de/dpa

Der Untergang des Abendlandes – so meinen einige – nimmt im Sand gleich hinter dem Berliner S-Bahnhof Neukölln seinen Lauf. In einer Seitenstraße mit schmucklosen Mietskasernen ist ein hölzerner Kuppelbau mit gelbem Halbmond an der Spitze entstanden, der sich gleich zu einem Aufreger in der Hauptstadt entwickelt hat. Der Stein des Anstoßes: ein neuer Kinderspielplatz.

Kinder sollen dort in die Märchenwelt von Ali Baba und den 40 Räubern eintauchen können. Doch Verschwörungstheoretiker und vermeintliche Hüter des Abendlandes sehen in dem Projekt einen Beleg für den angeblichen Vormarsch des Islam in Deutschland. „Jetzt werden schon Spielplätze zu religiösen Einrichtungen“, schrieb die Berliner AfD-Fraktion auf Twitter – schon vor Wochen, als erste Bilder der Baustelle auftauchten. Hasserfüllte Kommentare machten in der Folge die Runde. So viele und so heftige, dass die Eröffnung des Spielplatzes am Mittwoch sicherheitshalber unter Polizeischutz stand.

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Erzapostel Bagnasco: Säkularismus ist wie „eine giftige Wolke“

Angelo Bagnasco, Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 2.5

Auch Christen müssten wachsam bleiben, „weil wir an Gott glauben, aber ohne ihn leben“, so der Genueser Erzbischof und CCEE-Präsident

kath.net

Auch in Italien verbreitet sich ein Säkularismus wie in anderen europäischen Ländern. Dieser Ansicht ist der frühere Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco. Bei der Vorstellung eines Interviewbuches mit ihm am Montagabend in Genua, sagte er: „Aus religiöser Sicht ergeht es Italien nicht anders als anderen europäischen Ländern.“

Zwar gebe es aufgrund der Geschichte in Italien gewisse Unterschiede. Doch auch in Italien sei es leicht, „so zu leben, als ob es Gott nicht gebe“. Für den Genueser Erzbischof und Präsidenten des Rates der Bischofskonferenzen Europas (CCEE) ist der Säkularismus wie „eine giftige Wolke, die auch wir in Italien einatmen“.

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Earth Will Likely Be Much Warmer in 2100 Than We Anticipated

Death Valley National Park. Image: Shutterstock
But there’s some good news, too. Countries are starting to move away from fossil fuels.

By Stephen Leahy | MOTHERBOARD

Global temperature rise by 2100 could be 15 percent higher than the highest projections from the United Nations’ Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), according to a new analysis of the most realistic climate models to date. This means cuts in greenhouse gases like carbon dioxide (CO2) will have to be even greater than expected to meet the Paris climate target of keeping global warming to less than 2℃.

The world is a long way from making sufficient emission reductions to meet the Paris climate targets to begin with—nevermind cutting out another 15 percent. But there’s some good news, too. Both rich and poor countries have begun to move away from coal and oil, the two biggest CO2 sources, according to many energy analysts.

“Coal and oil are too dirty, too expensive and too risky to invest in,” said Tom Sanzillo, Director of Finance at the Institute for Energy Economics and Financial Analysis, in an interview.

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