Himmelsgötter für Skeptiker


Foto: pixabay.com / tombud
Hat der Glaube an Außerirdische einen religiösen Antrieb?

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

In Star Trek V: Am Rande des Universums trifft Kapitän James T. Kirk eine Gottheit, die ihn zu ihrem Planeten lockt, um mit der Enterprise davonzufliegen. „Wozu braucht Gott ein Raumschiff?” fragt der skeptische Kommandant. Ich sprach mit Kirk persönlich – das heißt mit William Shatner – über den Film, als ich ihn kürzlich bei einer Konferenz traf. Der ursprüngliche Handlungsverlauf des Filmes, bei dem er Regie führte, ließ die Besatzung „auf der Suche nach Gott” sein. In der Befürchtung, einige religiöse Anhänger würden Anstoß daran nehmen, dass der Allmächtige von einem Raumschiff entdeckt werden könnte, bestanden die Studiobosse darauf, dass die Gottheit ein bösartiger Außerirdischer sein müsse, der sich für seinen persönlichen Vorteil als Gott ausgibt.

Wie könnte ein Raumschiff – oder jegliche Technologie zur Erkennung natürlicher Kräfte und Objekte – einen übernatürlichen Gott entdecken, der definitionsgemäß außerhalb der Reichweite solcher Sensoren wäre? Jede nachweisbare Existenz müsste ein natürliches Wesen sein, wie entwickelt auch immer; und wie ich in dieser Kolumne argumentiert habe („Shermers letztes Gesetz“, Januar 2002): „jede hinreichend entwickelte außerirdische Intelligenz (ETI) ist von Gott nicht zu unterscheiden.“ Somit konnte Shatners Handlungsthema des Suchens nach Gott nur zu einer ETI führen, die genug entwickelt ist, um gottgleich zu erscheinen.

Vielleicht liegt hier der Antrieb nach der Suche. In seinem Buch Plurality of Worlds („Vielfalt der Welten“, Cambridge University Press) von 1982 vermutete der Wissenschaftshistoriker Steven J. Dick, dass Isaac Newtons mechanisches Universum, als es die mittelalterliche geistige Weltsicht ersetzte, eine unbelebte Leere übrigließ, die mit der modernen Suche nach ETI ausgefüllt wurde. In seinem 1995 erschienenen Buch Are We Alone? („Sind wir alleine?“, Basic Books), fragte sich der Physiker Paul Davies: „Mich interessiert eher, inwieweit die moderne Suche nach Außerirdischen im Grunde Teil einer uralten religiösen Suche ist.“ Der Historiker George Basalla machte 2006 in seinem Werk Civilized Life in the Universe  („Zivilisiertes Leben im Universum“, Oxford University Press) eine ähnliche Beobachtung: „Die Vorstellung von der Überlegenheit himmlischer Wesen ist weder neu noch wissenschaftlich. Es ist ein weitverbreiteter und alter Glaube im religiösen Denken.”

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