Bischöfe in der Nazizeit: Gegner oder Mitläufer? – Märchenstunde


Erzbischof Michael von Faulhaber als Bayerischer Feldpropst

„Was die alten Parlamente und Parteien in 60 Jahren nicht fertig brachten, hat ihr staatsmännischer Weitblick in sechs Monaten weltgeschichtlich verwirklicht. […] Uns kommt es aufrichtig aus der Seele: Gott erhalte unserem Volk unseren Reichskanzler.“ – Kardinal Michael von Faulhaber, Glückwunschtelegramm an Hitler, 20. Juli 1933

„In unserer heiligen katholischen Kirche haben wir das Führerprinzip bereits von dem Stifter unserer Kirche Jesus Christus erhalten.“ – Der kath. Bischof von Osnabrück, Herrmann Wilhelm Berning, Katholikentag in Bremen, September 1933

„Der Episkopat aller Diözesen Deutschlands hat, wie die öffentlichen Kundgebungen erweisen, soweit es nach der Neugestaltung der politischen Verhältnisse durch Eurer Exzellenz Erklärungen ermöglicht wurde, sogleich die aufrichtige und freudige Bereitwilligkeit ausgesprochen, nach bestem Können zusammenzuarbeiten mit der jetzt waltenden Regierung, die die Gewährleistung von christlicher Volkserziehung, die Abwehr von Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, den Opfersinn für das Gemeinwohl und den Schutz der Rechte der Kirche als Leitsterne ihres Wirkens aufgestellt hat.“ – Kardinal Bertram an Adolf Hitler, 24. Juli 1933

Zu den Verbrechen der Nazis hat die katholische Kirche mehrheitlich geschwiegen, so die landläufige Meinung. Aber stimmt das wirklich? Ein neues Buch nimmt das Verhalten der Bischöfe genauer unter die Lupe.

Von Tobias Glenz | katholisch.de

Frage: Frau Zumholz, zum Verhalten der katholischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus kommt vielen Menschen als erstes das Wort „Schweigen“ in den Sinn. Trifft es das?

Zumholz: Das trifft nur sehr bedingt zu. Wenn man sich die Zeit von 1933 bis 1945 genau anschaut, sieht man, dass die deutschen Bischöfe klare Predigten gegen das NS-Regime, gegen Menschenrechtsverletzungen und zum Schluss auch gegen Krieg und Völkermord gehalten haben. Clemens August von Galen etwa hat schon 1934 deutlich Stellung genommen und öffentlich gewarnt: Wenn das Regime seine Weltanschauung in die Realität umsetzt, ist das der Untergang unserer Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm in der öffentlichen Diskussion eine moralisierende Fraktion das Wort. Die hat in erster Linie das vermeintliche Schweigen der Kirche zu Judenvernichtung und Krieg thematisiert. Es wurde ein einseitiges Bild gezeichnet, das sich in den Köpfen der Menschen verfestigt hat und bis heute nachwirkt.

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„Wir wollen Gott dem Herrn für seine liebevolle Führung dankbar sein, welche die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt hat, dass sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten deutschen Volke durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit drohte, erkannt haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen.“ – Der kath. Bischof Clemens August Graf von Galen am Tag seiner Bischofsweihe (28. 10. 1933), nachdem er als erster Bischof vor Reichsminister Hermann Göring den Treueeid auf die neue Regierung abgelegt hatte.

5 Comments

  1. Wenn die kath. und die evangel. Kirche gegen das Nazi-Regime gewesen sind, warum hat dann die NSDAP mit Billigung beider Konfessionen 1933 von den Kirchenkanzeln aus Werbezettel verteilen dürfen? Und warum haben beider Konfessionen „Obermuftis“ die Priester und Mönche, die sich dem Widerstand angeschlossen hatten, dermaßen feige und jämmerlich in Stich gelassen?… Mich graust es heute noch, wenn ich durch die Münchner Innenstadt gehe – wie hat man nach so einem Subjekt wie Kardinal Faulhaber nur eine Straße benennen können!

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    1. Faulhaber hat sogar das Bundesverdienstkreuz.

      Faulhaber schreibt in seinem Obersalzbergprotokoll:
      „Herr Reichskanzler, ich bin erschüttert, dass Sie von einem „Kampf“ der Kirche gegen den Nat[ional]soz[ialismus] und von einer „unversöhnlichen“ Haltung der Kirche sprechen. Die deutschen Bischöfe haben auf Ihre erste Reichstagsrede hin, in der Sie vom Konkordatsfrieden mit der Kirche sprachen, ihre früheren Bedenken zurückgenommen und in einer gemeinsamen feierlichen Erklärung (Datum war mir nicht gegenwärtig) sich zur friedlichen Mitarbeit mit dem Neuen Reich bereit erklärt, und immer wieder haben die deutschen Bischöfe ihren Klerus ermahnt, in den Predigten alle politischen Seitensprünge zu unterlassen und auch in Privatgesprächen die Zunge zu beherrschen“ …
      „Für uns gibt es in dieser Frage nicht taktische, sondern dogmatisch sittliche Erwägungen: Sie sind als das Oberhaupt des Deutschen Reiches für uns gottgesetzte Autorität, rechtmässige Obrigkeit, der wir im Gewissen Ehrfurcht und Gehorsam schulden. Herr Reichskanzler haben so klar gesagt, Mißachtung der staatlichen Autorität erschüttere die Achtung vor jeder Autorität. Ich glaube, daß der Autoritätsgedanke in keiner Religionsgesellschaft so stark betont wird wie in der katholischen Kirche. Wenn freilich Ihre Behörden oder Gesetze gegen Dogma oder gegen das Sittengesetz, also gegen unser Gewissen verstossen, müssen wir das als die verantwortlichen Verkünder des Sittengesetzes aussprechen dürfen.“ …
      „Meine Antwort: Von kirchlicher Seite, Herr Reichskanzler, wird dem Staat nicht verwehrt, im Rahmen des Sittengesetzes in gerechter Notwehr diese Schädlinge von der Volksgemeinschaft fernzuhalten. In diesem Obersatz sind wir einig. Wir gehen aber auseinander in der Frage, wie sich der Staat gegen das Verderbnis der Rasse wehren kann. Schon vor der Machtübernahme habe ich mit Professor Hermann Muckermann [siehe Anmerkung darunter; H.H] vom Kaiser-Wilhelm-Institut stundenlang gesprochen. Muckermann war der eigentliche Herold, der in seinen Wandervorträgen und in seinen Büchern „Mutter und Kind” weiteste Volkskreise auf die erbbiologischen Pflichten gegenüber der Rasse aufmerksam machte. Ich habe Muckermann erklärt: Ihre Ziele sind, sozial gesehen, überaus schön und hoch, aber statt der körperlichen Verstümmelung müssen andere Abwehrmittel versucht werden, und es gibt noch ein solches Mittel: die erbkranken Menschen internieren. “ …
      „So wird sich auch in anderen Fragen, in denen die Kirche ihren dogmatisch sittlichen Standpunkt nicht verlassen kann, trotzdem ein modus vivendi finden, ohne dass man von einem Kampf der Kirche gegen den Staat sprechen muß.“ …
      „Ich dankte dem Führer durch eine Verneigung.“

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  2. Der Artikel auf „Katholisches“ ist ja mal so richtig widerlich. Was für eine verquere Interpretation der Fakten.

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Kommentare sind geschlossen.