Fall Oury Jalloh: Generalstaatsanwalt übernimmt die Aufklärung


Gedenken. Ein Kreuz für Oury Jalloh in Dessau.Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild
Der Tod von Oury Jalloh wirft neue Fragen auf. Haben Polizeibeamte ihn angezündet, um von zwei anderen Todesfällen abzulenken? Jetzt übernimmt die Generalstaatsanwaltschaft.

Von Frank Jansen | DER TAGESSPIEGEL

Der ungeklärte Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh vor fast 13 Jahren in einer Dessauer Polizeizelle wird die Justiz weiter beschäftigen. Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) hat die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg am Donnerstag angewiesen, das Ermittlungsverfahren zum Fall an sich zu ziehen. Zuvor hatten neue Medienberichte die Ministerin in Bedrängnis gebracht, die Links-Fraktion hatte den Rücktritt von Keding gefordert. Durch die Politik der Nichtinformation und Falschinformation sei ein erheblicher Vertrauensverlust in die Justiz entstanden, kritisierte die Linke.
Der Fall des 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannten Oury Jalloh wird damit politisch brisant. Die Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt fordert neben dem Rücktritt von Keding die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Er soll die Umstände des bis heute mysteriösen Feuertodes klären lassen. Die Abgeordneten seien falsch informiert worden, sagte am Donnerstag der Fraktionsvorsitzende Thomas Lippmann. Er hielt Keding vor, dem Rechtsausschuss des Landtages sei verschwiegen worden, dass die Staatsanwaltschaft Dessau es für möglich hält, Jalloh sei in der Zelle von einem oder mehreren Polizisten ermordet worden. Ein entsprechender Vermerk des Leitenden Oberstaatsanwalts Folker Bittmann vom April 2017 war im November durch einen Bericht des WDR-Magazins „Monitor“ bekannt geworden.

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