Krankenkasse will nicht mehr mit Kritikern über Homöopathie diskutieren


Völlig überraschend und kurzfristig hat eine der größten deutschen Krankenkassen ein bereits vor Wochen mit dem Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) vereinbartes Treffen über die Zukunft der Homöopathie-Erstattung durch die Krankenkassen abgesagt.

Pressemitteilung Informationsnetzwerk Homöopathie

Dr. Christian Lübbers, der den Dialog initiierte, sagt dazu: „Geplant war ein dreistündiges Gespräch mit der hohen Verwaltungsebene. Ein konstruktiver Meinungsaustausch sollte Pro und Contra der freiwilligen Homöopathie-Erstattung durch die Krankenkassen aufzeigen. Ein gemeinsames Abschlussstatement sollte den ethischen und moralischen Konsens fixieren und die Basis für weitere Schritte festhalten.“

Das INH bedauert, dass mit der Absage ein erster Schritt hin zu einer offenen Diskussion über Patientenerwartungen und Patientennutzen vertan ist. Die Resonanz der in den sozialen Medien u.a. auf Twitter unter dem Hashtag #KrankenkasseOhneHomöopathie angestoßenen Umfragen zeigt deutlich, dass der Wunsch nach Kostenübernahme für Homöopathie durchaus nicht so umfassend verbreitet ist, wie dies von Interessenvertretern der Homöopathie artikuliert wird. Im Gegenteil zeigte sich sogar, dass viele Patienten gern zu einer Krankenkasse ohne Homöopathie-Erstattung wechseln würden. Ein Überdenken der gegenwärtigen Situation erscheint daher gerechtfertigt insbesondere im Hinblick darauf, dass Homöopathie-Patienten entgegen den Erwartungen höhere Kosten verursachen.

Unverantwortlicher Umgang mit Versichertengeldern      

Krankenkassen in Deutschland übernehmen in zunehmendem Umfang die Kosten für Homöopathie und Homöopathika (z.B. Globuli) und werben oftmals auf ihren Webseiten und Veröffentlichungen aktiv für deren Anwendung. Dabei unterstellen sie – gegen die Beleglage – einen therapeutischen Nutzen. Das Informationsnetzwerk Homöopathie hat dies in vielfältiger Weise kritisiert, da hierin ein unverantwortlicher Umgang mit dem Geld der Versicherten zu sehen ist. Einerseits werden Therapien bezahlt, für die bislang kein therapeutischer Nutzen nachgewiesen werden konnte, andererseits steigen die Beiträge der Pflichtversicherten weiter und durchaus sinnvolle Maßnahmen müssen selbst bezahlt werden.

Dr. Natalie Grams, die Leiterin des INH, erklärt: „Die Erstattung von Homöopathie durch gesetzliche Krankenkassen verschafft dieser Scheintherapie öffentliche Glaubwürdigkeit und soziale Reputation! Dagegen trete ich – gerade als ehemalige Homöopathin – entschieden ein. Wir wollen eine Krankenkasse ohne Homöopathie, weil sonst Gelder des Solidarsystems für nachweislich Unwirksames ausgegeben werden. Auch wenn der Betrag nicht die Welt ist – auch dieses Geld wäre anderswo sinnvoller angelegt.“

Der geplante Termin wurde nun von der Krankenkasse abgesagt, ohne dass hierfür nachvollziehbare Gründe genannt worden wären. Dr. Norbert Aust, der Initiator des INH, fasst zusammen: „Wir bedauern die Absage außerordentlich, denn die von vielen Seiten zum Teil sehr emotional geführte Diskussion um die Homöopathie hätte davon profitieren können, wenn einzelne Parteien sich zu einem konstruktiven Gespräch hätten finden können. Insofern möchten wir die Hoffnung ausdrücken, dass es vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt nach kasseninterner Klärung der Positionen doch noch zu einem Gespräch kommen könnte. Wir stehen hierfür jederzeit zur Verfügung, werden sonst aber auch andere Wege finden, um unserer Position Nachdruck zu verleihen.“

Informationsnetzwerk Homöopathie, 06.12.2017

Dr. med. Natalie Grams