Kurdischer Oppositionschef darf vor Gericht nicht erscheinen


Seit mehr als einem Jahr sitzt er in Untersuchungshaft: Selahattin Demirtas auf diesem Bild ein paar Monate vor seiner Festnahme Quelle: AFP/Getty Images
Dem Co-Vorsitzenden der Kurdenpartei HDP, Selahattin Demirtas, wird in Ankara der Prozess gemacht. Ihm drohen insgesamt 142 Jahre Haft. Zu den gegen seine Person erhobenen Vorwürfen kann er nicht persönlich Stellung nehmen.

Von İrfan Aktan | DIE WELT

Nahe der türkischen Hauptstadt Ankara entfaltet sich ein jetzt schon historischer Prozess. In einem abgelegenen Landkreis namens Sincan steht eine Haftanstalt, auf deren Gelände ein Gerichtssaal eingerichtet wurde. Hunderte von Menschen drängen sich vor den Gefängnistoren, um in den Gerichtsaal eingelassen zu werden. Es ist ein für Ankara typisch kalter Morgen, und die Menschen kommen aus allen Regionen der Türkei. Eine Frau sagt zu einem Polizeibeamten, der sie am Eintreten hindern will: „Ist ja gut. Ich will nur kurz das Gesicht unseres Vorsitzenden sehen, dann geh ich auch wieder!“

Doch selbst wenn sie mit diesem Argument Einlass gewährt bekommt, wird sie das Gesicht des seit 399 Tagen in Untersuchungshaft sitzenden Co-Vorsitzenden der türkischen Kurdenpartei, Selahattin Demirtas, nicht zu sehen bekommen. Denn er selbst wurde „aus Sicherheitsgründen“ nicht von der Polizei in den Gerichtsaal gebracht, in dem gegen ihn verhandelt wird.

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