Was muslimische Märtyrer von christlichen unterscheidet


Bild: Screenshot DIE WELT
Künstler zeigen in Berlin Bilder von islamistischen Massenmördern und nennen sie „Märtyrer“. Die französische Botschaft protestiert. Christentum und der Islam verstehen unter Märtyrern nicht dasselbe.

Von Matthias Heine | DIE WELT

Wie fremd unserer säkularisierten Welt vieles aus der fast 2000-jährigen Tradition des Christentums ist, zeigt beispielhaft der Begriff Märtyrer, über den in diesen Tagen gestritten wird. Das Wort, das einmal einen fast magischen Klang hatte, weil man Menschen, die für ihren Glauben lebendig geröstet oder gehäutet wurden, als Schutzheilige gegen die Nöte des Daseins anrufen konnte, ist zum Vehikel schaler Witze geworden, die mit dem Klang spielen, weil sie die Bedeutung nicht mehr verstehen: „Was haben Jesus und ein Opel Kadett gemein? Beide sind Mehrtürer.“

Dass der Begriff trotzdem immer noch starke Affekte auslösen kann, wenn er in einem provokativen Zusammenhang gebraucht wird, erweist sich gerade in Berlin. Ein dänisches Künstlerkollektiv zeigte in Kreuzberg beim durchaus renommierten Festival Nordwind eine Ausstellung mit dem Titel „Martyr Museum“. In der Schau, die vom 8. Dezember an auch in Hamburg zu sehen sein wird, hängen unterschiedslos Bilder von Menschen wie Martin Luther King oder Maximilian Kolbe neben Fotos von islamistischen Attentätern, darunter denjenigen, die vor zwei Jahren das Gemetzel unter Konzertbesuchern im Pariser Bataclan veranstalteten.

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