Abdel-Hakim Ourghi – Für einen neuen Islam


Muss der Islam reformiert werden? In den Moscheen wird nach Ourghi eine Pädagogik der Unterwerfung gepredigt. ©AFP
Abdel-Hakim Ourghi hat Ideen, wie eine Liberalisierung gelingen könnte: Mit seinen 40 Reformthesen will er den Islam aus seinen eigenen verschütteten Traditionen heraus erneuern.

Von Thomas Thiel | Frankfurter Allgemeine

Die Aufklärung des Islams ist kein Privileg des Westens. Bald nach Mohammeds Tod wurde rationale Glaubenskritik auch aus islamischen Kulturen selbst formuliert. Historisch konnten sich diese Versuche, Glauben und Vernunft zu versöhnen, aber nicht durchsetzen. Die islamische Philosophie kam im achtzehnten Jahrhundert zum Erliegen oder wandte sich der Mystik zu. Während in Europa die Aufklärung einsetzte, wurde die islamische Welt, von vereinzelten Reformversuchen abgesehen, von einer Rückwärtsbewegung ergriffen, die durch die koloniale Erfahrung noch einmal verstärkt wurde. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts keimte schließlich die Saat des politischen Islams auf in ihrer explosiven Mischung aus globalem Machtanspruch und Unterlegenheitsgefühl.

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