„Alle US-Präsidenten sind gescheitert“


Donald Trumps monumentale Unterschrift, die Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt. Der Präsident hält Proklamationen offenbar für eine persönliche Trophäe. Foto: afp
Der Historiker Tom Segev über die Erfolgsstory Israels, die Lage im Nahen Osten und die Provokation Donald Trumps.

Von Michael Hesse | Frankfurter Rundschau

Herr Segev, Sie haben gerade ein Buch über den Staatsgründer Israels, Ben Gurion, fertiggestellt. Nun verkündet US-Präsident Donald Trump, die Botschaft seines Landes von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen. Fürchten Sie im Jubiläumsjahr Israels eine große Krise?
Ach, Israel lebt seit 70 Jahren von einer Krise zur nächsten. Und trotzdem wird das Land immer stärker. Man kann Israel als eine der dramatischsten Erfolgsstorys des 20. Jahrhunderts beschreiben. Wenn man Statistiken vergleicht, etwa von den Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation oder der Unesco, dann liegt Israel bei 150 Ländern unter den besten 15 Staaten. Man kann sagen, dass es den meisten Israelis besser geht als den meisten anderen Menschen auf der Welt. Die jüdisch-israelische Gesellschaft ist ein demokratisch geführter Staat, die meisten Menschen der Welt leben nicht in Demokratien. Ben Gurion wäre schon zufrieden mit vielen Dingen. Er hat uns jedoch eine Reihe von Problemen hinterlassen, die ungelöst geblieben sind, hauptsächlich der Konflikt mit den Arabern und den Palästinensern. Mit zwei arabischen Staaten hat Israel einen Frieden geschlossen, was auch ich nicht für möglich gehalten hatte. Aber mit den Palästinensern ist es heute so, dass die meisten Israelis und Palästinenser nicht mehr daran glauben, dass dieser Konflikt noch zu lösen ist. Und ein Hauptgrund dafür ist die Situation in Jerusalem.

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