Philosoph Martens: „Unsere mediale Wirklichkeit verführt zum Bullshit“


foto: privat Der deutsche Philosoph Ekkehard Martens zählt neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch Philosophieren mit Kindern zu den Kulturtechniken, die die Schule vermitteln sollte.

Philosoph Ekkehard Martens über politisches Blabla, das Gerede vom postfaktischen Zeitalter, permanentes Meinungsgeplapper, Sokrates als guten Lehrer für heute und Philosophieren mit Kindern als Kulturtechnik

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Vom antiken Philosophen Sokrates (469 – 399 v. Chr.) wissen wir: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“, von US-Philosoph Harry G. Frankfurt, dass wir von „Bullshit“ umzingelt sind. Er legte schon 1985 mit „On Bullshit“ eine Art Manifest der Dummheitsforschung vor. Und Sie sagen jetzt, genau zwischen diesem sokratischen Nichtwissen und dem weitverbreiteten Bullshit liegt „eine aktuelle bildungspolitische Herausforderung“ – welcher Art ist die denn?

Martens: Ich beobachte in der Schule, aber auch an der Uni immer häufiger den schulterzuckenden Satz: „Ach, das muss jeder selbst wissen.“ Ich sehe darin eine grundskeptische Haltung, die ich für sehr gefährlich halte: „Ist doch letztlich alles egal, wir wissen doch sowieso nichts Sicheres.“ Da kann jeder gleich drauflosreden. Daraus folgt so eine geheime Ideologie: „Wir wissen und können alles. Sollen die anderen doch anderer Meinung sein, macht nichts, mal sehen, wer sich durchsetzt.“ Natürlich wird jedem gleich ein gewisser amerikanischer Präsident einfallen, aber das war auch vor Donald Trump schon weitverbreitet – und das muss man erkennen und etwas dagegen tun.

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