Wie wir die Sufis missverstehen


Die Gebete und Gebote des Islam gelten auch für Anhänger des Sufismus. Hier halten kaschmirische Muslime ihre Andacht vor dem Schrein eines Sufi-Gelehrten in Srinagar. (Bild AP / Dar Yasin)
Im Westen gilt der Sufismus vielen als das «gute» Gesicht des sonst mehrheitlich negativ wahrgenommenen Islam. Diese vereinfachte Sicht ist irreführend und in mancher Hinsicht sogar gefährlich.

Von Marian Brehmer | Neue Zürcher Zeitung

Wieder einmal sind Muslime den Mördern des sogenannten Islamischen Staats zum Opfer gefallen, über dreihundert an der Zahl. Der Terroranschlag im Sinai Ende November zeigte erneut, wie unzutreffend die Vorstellung ist, dass die Terroranschläge des IS vor allem den Westen träfen. Auch wurde einmal mehr das erschreckende Ungleichgewicht in der westlichen Berichterstattung offenbart: Werden in London in der U-Bahn dreissig Menschen verletzt, so füllt das tagelang die Titelseiten, doch Hunderte Tote in einem muslimischen Land sind vielen hiesigen Medien wenig mehr als eine Randnotiz wert.

Der Angriff ereignete sich in einer Moschee, die von Jaririya-Sufis frequentiert wird. Der Jaririya-Orden, der seinen Ursprung in den 1940er Jahren hat, ist eine der wichtigsten Sufi-Gemeinschaften auf der Sinai-Halbinsel. Auch wenn sich bis jetzt niemand offiziell zu dem Massaker bekannt hat, passt das Vorgehen zu den IS-Kämpfern: Sufis sind für sie «Ungläubige» und fallen damit in die gleiche Kategorie wie Christen oder Schiiten.

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