Das Vaterunser umdichten? Schon die Goten wussten es besser


Bild. DIE WELT/N24/Kevin Knauer
Der Papst kritisiert den deutschen Text des Vaterunsers. Warum es falsch wäre, das christliche Ur-Gebet so umzudichten, dass Gott keine aktive Rolle bei der Versuchung spielt – ein Blick auf 1700 Jahre Übersetzungstradition.

Von Matthias Heine | DIE WELT

Die Pointe dürfte vielen entgangen sein: Ein Mann, von dem nichts in der Bibel steht, der kein Deutsch spricht und der einer christlichen Konfession vorsteht, die bis 1980 keine kirchlich approbierte Übersetzung der Bibel in unsere Muttersprache hatte, entfacht im italienischen Fernsehen eine Diskussion über die deutsche Übersetzung des Vaterunsers.

Papst Franziskus sagte in einem Interview mit dem italienischen Sender TV2000, der Vers „Und führe uns nicht in Versuchung“, wie es etwa in der deutschen und auch in der italienischen Version des Vaterunsers heißt, sei „keine gute Übersetzung“. Besser sei: „Lass mich nicht in Versuchung geraten.“ Denn: „Ich bin es, der fällt, aber es ist nicht er, der mich in Versuchung geraten lässt.“ Ein Vater mache so etwas nicht. „Wer dich in Versuchung führt, ist Satan.“

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