Juden als Projektionsfläche


Demonstration in Berlin-Neukölln am Sonntag. Foto: dpa
„Für Antisemitismus, egal in welchem Gewand, darf es keine Duldung geben“ – Demonstrationen in Berlin lösen erneut eine Debatte um muslimischen Antisemitismus in Deutschland aus.

Von Melanie Reinsch | Frankfurter Rundschau

Verbrannte Flaggen mit Davidsternen, vermummte Demonstranten, die „Tod den Juden“ skandieren und Fahnen der islamistischen Terrororganisation Hamas schwenken – in Berlin bricht sich nach der Entscheidung des US-Präsidenten Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, Judenhass Bahn. Auch in anderen Städten Europas mehren sich antisemitische Vorfälle: Im schwedischen Göteborg warfen Jugendliche einen Brandsatz auf eine Synagoge, in Stockholm und Malmö verbrannten Demonstranten Israelflaggen und grölten antisemitische Parolen, in Amsterdam wurden die Scheiben eines koscheren Restaurants eingeschlagen.

„Israel und Juden bieten, wie in unterschiedlichen Teilen der Mehrheitsgesellschaft, auch für viele Muslime eine Projektionsfläche“, sagt Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt. Antisemitismus liefere eine Weltanschauung. „Und diese Weltanschauung erklärt ihnen beispielsweise, warum sie als Minderheit in Deutschland Integrationsprobleme haben oder warum es arabischen Ländern in der aktuellen Krisenzeit schlecht geht“, so Mendel. Dies sei vergleichbar mit Verschwörungstheorien: Nicht die amerikanische Politik sei schuld, sondern die Juden. „Die Religion wird nur als Vorwand benutzt und einzelne Passagen aus dem Koran antisemitisch ausgelegt“, sagt Mendel. Viele Jugendliche würden zudem ungefilterte arabische Nachrichten mit antisemitischen Vorurteilen konsumieren.

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