Näher, mein Bot, zu Dir


Bild: Ex-machina. Screenshot: bb
Der Silicon-Valley-Star Anthony Levandowski hat eine Kirche zur Anbetung von Künstlicher Intelligenz gegründet. Ist das wirklich nur absurd?

Von Gregor Dotzauer | DER TAGESSPIEGEL

Unter anderen Umständen hätte die Welt von der neuen Religion wohl erst erfahren, wenn die traditionellen Kirchen gegen sie Sturm gelaufen wären. Weil ihr Begründer Anthony Levandowski aber gerade die undurchsichtigste Figur im Silicon Valley abgibt, wohnt jeder Nachricht, die der Person des 37-Jährigen ein wenig mehr Kontur verleiht, ein besonderer Kitzel inne. Unter dem Titel „God is a Bot, and Anthony Levandowski is His Messenger“ tat der Journalist Mark Harris auf „Backchannel“, dem digitalen Kanal des Technologie-Magazins „Wired“, unlängst kund, dass Levandowski, der in eine Milliardenklage der Google-Tochter Waymo gegen das Transportunternehmen Uber verstrickt ist, im September 2015 eine Kirche namens Way of the Future angemeldet hatte.

War der Ingenieur mit seiner Absicht, „die Erkenntnis einer Gottheit zu entwickeln und voranzutreiben, die auf Künstlicher Intelligenz beruht“, ein Wahnsinniger, ein Hasardeur, ein Blasphemiker oder alles zugleich? Der allgemeinen Erregung kam zugute, dass mit Elon Musk, dem Chef des E-Mobility-Unternehmens Tesla, ein anderer Silicon-Valley-Star vor Mitarbeitern seiner Neurotechnologiefirma Neuralink als vollmundiger Gegenspieler aufgetreten war, indem er die Auslöschung der Menschheit prophezeite, wenn das Aufkommen von Künstlicher Intelligenz (KI) nicht schleunigst von der internationalen Politik reguliert werde.

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