Bayern: Das braune Winterhilfswerk


Die Spenden werden in der Szene, aber auch durch Flugblätter in Briefkästen und über Infostände gesammelt. (Foto: Alessandra Schellnegger)
  • In Bayern verteilen Neonazis Spenden an Bedürftige. Hinter der Aktion steht die Neonazi-Partei „Der III. Weg“.
  • Die Kampagne wird damit begründet, dass sich karitative Organisationen nur um Flüchtlinge kümmern würden und nicht um deutsche Bedürftige.
  • Flüchtlinge, Alkoholiker oder Drogenabhängige sind von den Spenden ausgenommen.

Von Johann Osel | Süddeutsche Zeitung

Die Männer haben ihren grünen Kleinbus randvoll geladen, mit Müllsäcken und Pappkisten. Darin: Jeans, dicke Pullover, Anoraks, Stiefel, Decken, Mützen, Stofftiere für Kinder. Gleich werden sie die Sachen unter Brücken zu Obdachlosen bringen oder vor sozialen Treffs an Bedürftige verteilen. Diese Szenen aus Nürnberg zeigt ein Image-Film im vergangenen Winter, eine Frauenstimme kommentiert das: Kinder- oder Altersarmut und Obdachlosigkeit seien keineswegs Randerscheinungen, heißt es da – nicht unkorrekt.

Die sehr eigene Interpretation aber folgt sogleich: eine „antideutsche Politik gekaufter Politbonzen“ sei schuld, „angeblich karitative Organisationen überschlagen sich damit, ihre Zeit und Energie in Projekte für Asylanten zu stecken“. Daher: „Deutsche Winterhilfe für unsere Volksangehörigen.“ Die Aktivisten wollten „ihre sozialistische Ausrichtung mit der Tat bekräftigen“. Eine nationalsozialistische Ausrichtung – am Bus prangt die römische Ziffer drei, es ist das Logo der Neonazi-Partei „Der III. Weg“.

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