Die Bibel: Das zersägte Testament


Luther-Bibel aus Nürnberg (um 1700) (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Wie wichtig ist das Alte Testament? Weniger wichtig als das Neue, befand vor vier Jahren der evangelische Theologe Notger Slenczka. Die Debatte hält bis heute an. Gestritten wird über den biblischen Kanon – und über das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum.

Von Carsten Dippel | Deutschlandfunk

„Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“(Jesaja 43, Vers 1)

Es ist ein beliebter Taufspruch, die bekannte Stelle aus Jesaja 43. Eigentlich jedoch umfasst der Vers aus dem Alten Testament einen entscheidenden Punkt mehr. Denn der Spruch, der unter Christen als segensreich gilt, hat einen ganz konkreten Adressaten, der vorangestellt ist. So beginnt der Vers mit den Worten:

„So spricht Gott zu Jacob, so spricht Gott zu Israel: Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ (Jesaja 43,1)

Es ist die unmittelbare Anrede Gottes an sein Volk Israel. Wenn Christen diesen Vers zur Taufe ihrer Kinder auswählen, dann jedoch nicht, weil sie sich in den Bund Gottes mit Israel gestellt sähen. Sie stellen ihn vielmehr in einen neuen Sinnzusammenhang.

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