Mapuche: Indigenes Volk unter Terrorverdacht


Schon mit den Spaniern stritten die Mapuche um ihr Land, heute tun sie es mit der chilenischen Regierung. (Bild: Rodrigo Abd / AP)
Die Mapuche-Indianer haben sich im Kampf um ihr angestammtes Land radikalisiert – Chile reagiert darauf mit zunehmender Härte.

Von Tjerk Brühwiller | Neue Zürcher Zeitung

Celestino Córdova giesst seinen Mate auf und gibt etwas Honig hinzu. Er sitzt auf seinem Bett in einem Spitalzimmer. Eine stoische Ruhe umgibt den Machi, wie die Mapuche-Indianer ihre Medizinmänner nennen. Dann reicht er den Tee weiter und nimmt das Gespräch wieder auf. Alles habe vor 500 Jahren begonnen, als die Spanier gekommen seien, sagt er. «Die Mapuche wurden unterdrückt, beraubt und in Fesseln gelegt. Bis heute hat sich wenig verändert.» Das hier sei ein Symbol für die letzten 500 Jahre, sagt Córdova und lässt seinen Blick nach unten schweifen. An seinem Fussgelenk ist eine Fussfessel angebracht, die ihn an sein Bett kettet.

Bewacht wie ein Terrorist

Wir sind im Hospital Intercultural von Nueva Imperial in der südchilenischen Region Araucanía. Aus gesundheitlichen Gründen hat man Celestino Córdova hierhinverlegt. Zuvor war er im Gefängnis von Temuco eingesperrt. Vor der Tür halten vier schwerbewaffnete Polizisten Wache, zwei weitere stehen vor dem Zugang zum Spitaltrakt. Der Mapuche wird bewacht wie ein Terrorist.

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