Kein taugliches Modell für Europa


Unruhige Zeiten. Die Muslime in Indien unterhöhlen die Säkularität des Landes. Bild: Keystone
Die Sonderstellung der islamischen Minderheit in Indien als warnendes Beispiel. Wenn zugewanderte Muslime in ihren Parallelgesellschaften nach Scharia-Recht leben, kann man das Projekt Integration vergessen.

Von Bassam Tibi | Basler Zeitung

Das indische Modell eines Pluralismus der Religionen in einem säkularen Staat ist gefährdet. Indien ist die grösste Demokratie ausserhalb des Westens; dort ist auch die islamische Minderheit mit 217 Millionen Menschen die grösste dieser Art in der Welt. Seit einigen Monaten gibt es in Indien Unruhe- und Gewalttaten zwischen Hindus und Muslimen.

Dies weckt Ängste in Bezug auf frühere Zeiten, die bis 1947 zurückgehen, als Grossindien geteilt wurde in einen islamisch-konservativen Staat, Pakistan, und ein säkulares Kern-Indien. Pakistani und andere Muslime nennen das säkulare Indien ein Hindu-Indien, weil dort 60 Prozent der Wohnbevölkerung aus Hindus besteht. Das ist eine Verfemung, weil Indien per Verfassung ein säkularer Nationalstaat ist.

Ich habe diese Probleme in den vergangenen zwanzig Jahren durch mehrere Indien-Aufenthalte studieren können. Indien habe ich positiv erfahren als Hort des Friedens zwischen allen Religionen. Alle Weltreligionen sind dort repräsentiert. Können Europäer von Indien lernen? Bietet die islamische Minderheit in Indien ein Modell für Europa?

weiterlesen