Ganz großes Kino

Kino Babylon. Foto: Jörg Zägel / CC BY-SA 3.0
Das Rahmenprogramm zur Verleihung des Karls-Preises an Ken Jebsen im „Babylon“-Kino war das bizarrste linke Event seit langem.

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Was für eine Inszenierung! Wochenlang hielt die Veranstaltung vom vergangenen Donnerstag (nicht nur) die Partei Die Linke im Atem. Dort sollte dem Journalisten Ken Jebsen, Betreiber des Info-Kanals Ken FM, der „Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ verliehen werden. Berlins Kultur-Senator Klaus Lederer (Die Linke) hatte durch die Blume zu verstehen gegeben, dass die öffentliche Förderung des „Babylons“ überdacht werden müsse, wenn Betreiber Timothy Grossman diese Veranstaltung in seinem Hause zulasse.

Grossman trat daraufhin von dem Nutzungsvertrag mit der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ), die den Preis vergibt, zurück. Die NRhZ erstritt die Durchführung vor Gericht, nach den Linken griffen auch die bürgerlichen Medien das Thema auf, zwei Gegen-Demonstrationen wurden angekündigt, derweil tauchten auf der Liste der Beteiligten immer mehr Namen obskurer Personen auf.

Die Linke diskutierte die Veranstaltung im Bundesvorstand und sprach sich mehrheitlich gegen eine Teilnahme aus. Davon wollten sich einige dennoch nicht abhalten lassen.

Derweil hatte der Jubilar keine Lust mehr auf den Event – und organisierte seinerseits eine Demo zum Thema „Pressefreiheit“, direkt „vor der Location“. Der er dann aber auch fernblieb. Dafür kamen die Veranstalterinnen und u.a. Linken-Politiker Wolfgang Gehrcke, der mit den Medien hart ins Gericht ging, weil diese sich kritisch zu der Veranstaltung im „Babylon“ geäußert hatten. So viel zum Thema „Pressefreiheit“.

Die geplante Preisverleihung fand dann ohne den Preisträger statt, dafür nutzte der – ungeladene – Kino-Betreiber die Bühne, um diesen und einen weiteren Teilnehmer, den Künstler Gilad Atzmon, als „Rassisten“ zu bezeichnen. Gilad Atzmon ist ist bekannt für seine krude Thesen in Bezug auf das Judentum, dem er in Bezug auf den Holocaust vorwirft, Geschichtsfälschung zu betreiben. Grossman hatte ihm Hausverbot erteilt, Atzmon konnte dennoch unbehelligt konzertieren.

Der Preisträger erklärte sich bei RT deutsch. Auf demselben Kanal sprach Fikentscher von Drohungen gegen Jebsen. Es hieß, vor dem Kino seien Flyer mit dessen Wohnort, Telefonnummer, etc. verteilt worden. Das wäre – wenn es denn stimmt – eine neue Qualität in dieser Auseinandersetzung.

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„Es gibt eine verdeckte Obdachlosigkeit von Älteren in München“

Die Ethnologin Irene Götz hat sich in einer Studie intensiv mit den Ursachen und Erscheinungsformen der Altersarmut von Münchner Rentnerinnen befasst. (Foto: Robert Haas)
Rentnerinnen, die ihre Wohnung nicht heizen können oder im Klappbett bei ihren Verwandten schlafen: Sie tauchen in keiner Statistik zur Altersarmut auf. Die Ethnologin Irene Götz hat mit 50 Frauen gesprochen, die sich die Stadt kaum noch leisten können.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche Zeitung

Es gibt Not im reichen München, die niemand sieht. Rentnerinnen etwa, die in kalten Wohnungen hausen, weil sie es sich nur leisten können, einen einzigen Raum zu heizen. Oder auch den Fall einer früheren leitenden Altenpflegerin, die mittlerweile im Ruhestand lebt. Sie ist gehbehindert und sucht eine Wohnung mit Aufzug, aber sie findet keine, die sie bezahlen kann. Ihre Rente reicht nicht. Also übernachtet sie seit zwei Jahren bei ihrer Tochter, sie schläft in deren Wohnung auf einem Klappbett im Flur.

In einer amtlichen Statistik findet sich diese Armut nicht wieder. „Es gibt eine verdeckte Obdachlosigkeit von Älteren in München“, sagt Irene Götz. Die Professorin am Institut für Europäische Ethnologie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hat untersucht, wie ältere Münchnerinnen ihren Alltag bewältigen, obwohl ihre Rente kaum zum Leben reicht.

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Wir sind verwundbarer, als wir glauben

Was sollen Helden in einer Welt, die den Versprechungen falschen Heldentums misstraut? Zerstörtes Haus in Donezk, Ukraine. (Bild: epa /Sergei Ilnitzky)
Millionen von Menschen sind in Kriegen gestorben, heroische Phantasien sind am Ende, und wir meinen, keine Helden mehr zu brauchen. Das ist ein Irrtum.

Von Herfried Münkler | Neue Zürcher Zeitung

Es sei nicht gut bestellt um ein Land, das Helden nötig habe – als Bertolt Brecht diesen später viel zitierten Satz schrieb, tat er das nicht zuletzt im Rückblick auf den Ersten Weltkrieg. In ihm hatten die Gesellschaften Europas ihre jungen Männer mit heroischen Erwartungen überzogen und millionenfach dahingeopfert. Danach war es mit dem Heldentum als Massenideal junger Männer erst einmal vorbei. Der Pazifismus der Zwischenkriegszeit war eine Reaktion auf die Erfahrung des Ersten Weltkriegs und das zumeist wenig heroische Sterben an den Fronten. Neu an diesem Krieg war nämlich, dass die meisten Gefallenen und Schwerverwundeten Artilleriefeuer zum Opfer fielen, dem sie hilf- und wehrlos ausgeliefert waren. In den Materialschlachten war Tod oder Leben zu einer Frage des reinen Zufalls geworden. Dagegen kam man nicht an mit heroischen Phantasien.

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R. Dawkins schöpft aus dem Vollen – ganz ohne Schöpfung!

In welcher Position befinden sich Wissenschaflter, wenn Sie Forschungen über vergangene evolutionäre Ereignisse anstellen? R. Dawkins vergleicht das in Kapitel 1 mit einen Kommissar, der erst nach dem Verbrechen am Tatort eintritt und folglich auch kein Augenzeuge des Geschehens sein kann (vgl. S. 27). Skeptikern, die die Evolutionstheorie oft „nur“ als Spekulation/Theorie bezeichnen, kann man folgendes entgegnen: Eine einzige „Evolutionstheorie“, die alle Teilaspekte der Abstammung mit Abänderung erklärt, gibt es nicht. Wir sprechen daher heute von der Evolutionsbiologie, die ein System zahlreicher Theorien darstellt (Quelle 1, vgl. S. 168).

Von Ockham | Amazon

Der Essentialismus, welcher bis auf Platon zurückgeht, wird in Kapitel 2 angesprochen. Er war wohl dafür verantwortlich, dass Darwin erst so spät auf der Bildfläche erschien (vgl. S. 30). Darwin zog mit der Domestikation (Züchtung) gegen die angebliche Unveränderlichkeit der Arten zu Felde (vgl. S. 37). Ein bekanntes Beispiel ist die Umgestaltung des Wolfes zu den rund zweihundert Hunderassen durch den Menschen (vgl. S. 38).

Kapitel 3 beschreibt den Weg zur Makroevolution. Auch Tiere wie Insekten oder Kolibris kommen als Züchter in Frage (vgl. S. 58). Dies ist ein Beispiel für Koevolution (vgl. S. 98). Auf S. 73 kommen Schwebfliegen zur Sprache, die Wespen oder Bienen ähneln, aber keinen Stachel besitzen. Diese Art der Tarnung wird als „Mimikry“ bezeichnet (Quelle 2, vlg. S. 438). Wenn Arten nicht gegenseitig voneinander profitieren spricht man von „Rüstungswettlauf“, eine Art der Koevolution (vgl. S. 98).

Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Altersbestimmung (ab S. 101), speziell der Dendrochronologie (Altersbestimmung anhand von Baumringen, ab S. 104), es geht um radioaktive Uhren (ab S. 108) und die C-14-Methode (ab S. 122). Als stichhaltiger Evolutionsbeleg wird das zeitliche Auftauchen von z. B. fossilen Säugetieren in ganz bestimmten Schichten angeführt, die in früheren Schichten gerade eben nicht zu finden sind (vgl. S. 118).

In Kapitel 5 geht es um Langzeitexperimente des Bakteriologen Richard Lenski, dessen Forschungsgegenstand das Bakterium Escherichia coli ist (vgl. S. 135). Mit der Arbeit Lenskis wird das Dogma der „nicht reduzierbaren Komplexität“ untergraben (vgl. S. 152).

Evolutionsskeptikern empfiehlt R. Dawkins in Kapitel 6 sich auf die Suche nach anachronistischen Fossilfunden zu machen (vgl. S. 167). Besonders „schlaue“ Kreationisten bemerken bei einem neuen Fossilfund, welcher sich zwischen zwei Fossilfunde taxonomisch einordnen lässt, dass jetzt zwei Lücken entstanden seien. Dazu entgegnet R. Dawkins, dass die Evolution auch bewiesen werden kann, ohne sich auf Fossilfunde stützen zu müssen (vgl. S. 165). Die vergleichende Untersuchung heutiger Arten (Kapitel 10) und ihre geographische Verteilung (Kapitel 9) sind der Schlüssel dazu (vgl. S. 166 f.). In diesem Zusammenhang wird auf den Piltdown-Betrug eingegangen (vgl. S. 171). R. Dawkins verweist indirekt auf den Gradualismus, wenn er erwähnt, dass Evolution allmählich ablaufen muss. Große Sprünge in einer einzigen Generation sind ebenso unwahrscheinlich wie die göttliche Schöpfung. Der Leser erfährt, dass die irrige Forderung nach fehlenden Bindegliedern ihre Grundlage im Mythos der Großen Seinskette („the great chain of being“) hat (vgl. S. 177). Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, da die Evolution nicht auf den Menschen zugelaufen ist, wir sind auch nicht „das letzte Wort der Evolution“ (vgl. S. 181).
Der sensationelle Fund „Tiktalik“ schliesst die Lücke zwischen dem amphibienähnlichen Fisch Panderichthys und dem fischähnlichen Amphibium Acanthostega (vgl. S. 193). Meeresschildkröten sind vom Land ins Wasser zurückgekehrt. Erstaunlich ist, dass manche ihrer Vertreter die Entwicklung später sogar umdrehten und ein zweites Mal aufs Trockene zurückkehrten (vgl. S. 199)!

In Kapitel 7 (ab S. 208) geht es um die Evolution des Menschen. „Lucy“ wird als Zwischenform eines schimpansenähnlichen Vorfahren und uns Menschen vorgestellt (vgl. S. 231 f.). Der Gattungsname von Paranthropus boisei wurde zwei mal geändert, was die manchmal willkürliche Vorgehensweise bei der zoologischen Klassifikation zeigt – ein Streit um die biologische Systematik (vgl. S. 216 f.). Die Tatsache, dass die meisten Bindeglieder fehlen, macht eine Klassifikation mit verschiedenen Arten, Gattungen, Familien… überhaupt erst möglich (vgl. S. 223).

Kapitel 8 beschäftigt sich mit der Embryonalforschung. Hier wird auf den Konflikt zwischen zwei sich widersprechenden Lehren verwiesen, die Präformationstheorie und die Epigenese (vgl. S. 239), welche nicht mit der Epigenetik verwechselt werden sollte (vgl. S. 243). Bei der Epigenese handelt es sich um „Selbstmontage“ (vgl. S. 244). An dieser Übersetzung ist zu kritisieren, dass die Bezeichnung „Selbstorganisation“ (aus der in den meisten Fällen Emergenz entsteht, Quelle 3) gebräuchlicher ist – im engl. Original ist von „self-assembly“ die Rede (Quelle 4, vgl. S. 220). Am Beispiel der Programmierung des Schwarmverhaltens von Staren (vgl. S. 246) wird gezeigt, dass bei der Entwicklung Ordnung, Organisation und Struktur als Nebenprodukt aus Regeln erwächst, die nicht global sondern lokal befolgt werden. Es ist also keine zentrale Planung, kein Architekt notwendig (vgl. S. 247 f.). Für das „formieren“ von Zellen zieht R. Dawkins die Analogie des Papierfaltens (Origami) heran (vgl. S. 248). Nervenzellen, die aus dem Rückenmark oder Gehirn herauswachsen, finden ihren Weg zu ihrem Zielorgan durch chemische Anziehungskräfte, was mit einem Experimente des nobelpreisgekrönten Roger Sperry verdeutlicht wird (vgl. S. 262). Die Zelle als „chemische Fabrik“ kann unterschiedliche Substanzen „ausspucken“, abhängig davon, welches Enzymen vorhanden ist, und dies ist wiederum von eingeschalteten Genen abhängig (vgl. S. 273). Neben der natürlichen Selektion (vgl. S. 274) kommt auch die sexuelle Selektion zur Sprache, wenn sich potentielle Sexualpartner von ästhetischen Erwägungen leiten lassen (vgl. S. 283).

Artbildung ist das Thema des 9. Kapitels. Dabei ist von „Inseln“ die Rede, welches ein Modell der Evolution der Organismen in ihrer jeweiligen Umwelt meint (vgl. S. 285, engl. Original vgl. S. 253). Im Deutschen ist statt von „Inseln“ von der „adaptiven Landschaft“ die Rede (Quelle 2, vgl. S. 20). Auslöser für Artbildungsprozesse sind z. B. geographische Isolation (S. 288) oder die sympatrische Artbildung (S. 289). Dies wird anhand des Galapagos-Archipels verdeutlicht, auf welches Tiere über knapp tausend Kilometer Seeweg gekommen sein müssen, da es nie mit dem Festland verbunden war (vgl. S. 291). Die auf das Archipel gekommenen Schildkröten machten eine Evolution durch, die als „Insel-Riesenwuchs“ bezeichnet wird (vgl. S. 297). Ein weiteres Beispiel für Isolation ist die mehrere hundert Arten umfassende Buntbarschfauna des Victoria-, Tanganjika- und Malawisees (vgl. S. 300). R. Dawkins stellt an Kreationisten zu Recht die Frage, warum ein allmächtiger Schöpfer sich entschließen sollte, seine sorgfältig gestalteten Arten auf Inseln und Kontinenten genau nach dem Prinzip zu verteilen, die unwiderstehlich die Vermutung nahelegen, dass sie durch Evolution entstanden sind und sich von ihrem Entstehungsort aus verbreitet haben (vgl. S. 305). Welche Argumente gegen das Modell der „Grundtypen“ sprechen, erfahren Sie in der Quelle 5. Das Kapitel wird durch die Theorie der Kontinentalverschiebung (vgl. S. 309) bzw. die heutige Theorie der Plattentektonik (vgl. S. 310) abgerundet. Das Auseinanderdriften von z. B. Südamerika und Afrika sowie die Geschwindigkeit dieses Vorgangs ist ein Beleg für das gewaltige, unbiblische Alter der Erde (vgl. S. 313) – ein Stachel im Fleisch aller „Junge-Erde-Kreationisten“ (vgl. S. 320).

Kapitel 10 hat die Verwandtschaft zwischen Tieren zum Thema. Die Homologie wird anhand des Beispiels der Entsprechung unserer Finger und den langen Flügelknochen der Fledermaus erklärt (vlg. S. 322). Homologe Ähnlichkeiten sind solche, die von einem gemeinsamen Vorfahren ererbt wurden. Ähnlichkeiten, die auf gemeinsame Funktion aber nicht auf gemeinsame Abstammung zurückzuführen sind, werden „analog“ genannt (vgl. S. 351). Der Delphin verrät seine Abstammung von den Säugetieren dadurch, dass er den Schwanz auf und ab bewegt. Die seitliche Wellenbewegung der Fischwirbelsäule haben auch die Echsen und Schlangen geerbt (vgl. S. 334). Die Methode der Transformation (morphometrische Transformation) von D’Arcy Thompson wird vorgestellt, bei der ein Gittermuster auf mathematisch nachvollziehbare Weise verformt wird, bis sich die Form eines Tieres in die einer verwandten Spezies verwandelt hat (vgl. S. 347). Wird aus einer auf ein Gummituch gezeichneten menschlichen Hand nach Verzerrung die Hand einer Fledermaus, ist diese homolog. Mathematiker bezeichnen solche Strukturen als „homöomorph“ (vgl. S. 350). Außer dem anatomischen Vergleich kann auch die Molekulargenetik mit einbezogen werden (vgl. S. 353). Die DNA-Hybridisierung wird erläutert, die z. B. hinter der Aussage steht, dass Menschen und Schimpansen 98% ihrer Gene gemeinsam haben (vgl. S. 356). Der Unterschied zwischen den „Schmelzpunkten“ der Bindungen von DNA-Strängen ist ein Maß für den genetischen Abstand zweier Arten (vgl. S. 359). Die auf molekularer Ebene ablaufenden genetischen Veränderungen sind in ihrer Mehrzahl neutral. Damit wird auf die neutrale Theorie von Motoo Kimura verwiesen (vgl. S. 374). „Pseudogene“ hatten früher mal eine nützliche Funktion, wurden jetzt aber an den Rand gedrängt und somit nicht mehr transkribiert oder translatiert (vgl. S. 375). Die Phantasie der Kreationisten wird stark strapaziert, wenn sie einen überzeugenden Grund nennen sollen, warum ein intelligenter Gestalter ein Pseudogen erschaffen sollte, das keinerlei Funktion mehr ausübt und allem Anschein nach die ausgediente Version eines früher nützlichen Gens ist (vgl. S. 375). Wenn verglichen werden soll, vor wie vielen Jahren sich die Vorfahren zweier heute lebender Tiere getrennt haben, werden „fixierte“ Gene betrachtet (vgl. S. 378).

In Kapitel 11 geht es um „historische Überreste“ oder „Fehler“, die in der Evolution nachträglich korrigiert wurden (vgl. S. 384). Anstatt solch unintelligentes Design abzuliefern, hätte es ein Schöpfer – wie jeder Ingenieur auch – besser können müssen! Der gewundene, komplizerte Weg, der zum Blasloch des Delphins führte, legt Zeugnis von den auf dem Trockenen lebenden entfernten Vorfahren des Delphins ab (vgl. S. 384). Ebenso sind die noch heute vorhandenen Rudimente des Beckengürtels der Wale, Seekühe oder Sirenia ein Evolutionsbeleg (vgl. S. 384). Strauße und Emus tragen noch Stummelflügel als Erbe ihrer entfernten fliegenden Vorfahren, beim Kiwi sind noch Reste der Flügelknochen vorhanden und Moas haben die Flügel völlig verloren (vgl. S. 387). In der Heimat der Moas (Neuseeland) gibt es unverhältnismäßig viele flugunfähige Vögel, vermutlich weil es an Säugetieren fehlte und sich deshalb große ökologische Nischen auftaten (vgl. S. 387). Dort leben auch Kakapos, flugunfähige Papageien, die immer noch Flugversuche unternehmen, obwohl sie nicht mehr dafür ausgerüstet sind (vgl. S. 388). Des Weiteren geht es um das zurückgebildete Flügelpaar der Fliegen, die nur noch „Schwingkölbchen“ besitzen (vgl. S. 389), oder um Ameisenarbeiterinnen, die Flügel eingebüßt haben, aber nicht die Fähigkeit, welche vorzubringen (vgl. S. 392). Auch der Höhlensalamander ist ein Beleg für Evolution, da er zurückgebildete Augen besitzt, für die er keine Verwendung mehr hat. Warum sollte ein Schöpfer ihn mit Augenattrappen ausstatten, die eindeutig mit Augen verwandt sind, aber nicht funktionieren (vgl. S. 395)? Erklärt wird auch, dass schädliche Mutationen an den Genen zur Augenherstellung in völliger Dunkelheit nicht bestraft werden und positive Selektion das Wachstum schützender Haut über dem infektionsanfälligen Höhlen der Augen begünstigt (vgl. S. 397). Das Wirbeltierauge (und damit auch das menschliche Auge) hat „Fotozellen“, die nicht zur betrachteten Szene ausgerichtet sind (invers = verkehr herum) sowie den „blinden Fleck“ – R. Dawkins nennt diese die Konstruktion eines völligen Idioten (vgl. S. 399). Das Lieblingsbeispiel von R. Dawkins ist der Umweg des rückläufigen Kehlkopfnervs, der nicht Folge schlechter Konstruktion ist, sondern sich aus der Geschichte – der Evolution – ergibt (vgl. S. 401). Dann werden die „Kiemenbögen“ auch menschlicher Embryonen erwähnt, die eindeutig auf Kiemen unserer Vorfahren zurückgehen (vgl. S. 402). Daran ist zu kritisieren, dass man nicht von Kiemenspalte (-bögen/ -furche), sondern von Pharyngealbögen (-furche/-tasche) bzw. von Schlundbögen (-furche/-tasche) sprechen sollte, da es beim Menschen nicht zur Ausbildung eines Kiemenapparates kommt (Quelle 6, vgl. S. 148 f.)!

Kapitel 12 beschäftigt sich mit Übermaß und Vergeudung in der Natur – hier kommt der Rüstungswettlaufs zur Sprache (vgl. S. 420). Wussten Sie, warum Waldbäume so hoch wachsen? Weil sie gegeneinander konkurrieren! Würden sich alle Bäume auf ein maximales Höhenwachstum von z. B. drei Meter „gewerkschaftlich“ beschränken, könnten sie Holz und Energie einsparen (vgl. S. 423).
Ein weiteres Beispiel für einen Rüstungswettlauf ist der Gepard als Killer der Superlative und die Gazelle, die hervorragend dazu ausgerüstet ist, diesem Killer zu entkommen. Zu Recht fragt R. Dawkins, auf wessen Seite denn nun der „intelligente Designer“ stehe (vgl. S. 430)?
Wir Menschen können uns ökologisch betrachtet wie „kluge Räuber“ (nachhaltig) verhalten, wildlebende Räuber dagegen nicht (vgl. S. 435 f.). Abschließend wird die Frage beantwortet, warum es in der Evolution Leid gibt. Evolutionsbiologen sehen kein Problem im „Theodizee-Problem“, da Böses und Leiden in den Berechnungen zum Überleben der Gene nicht vorkommt (vgl. S. 441). Auch wenn nicht beantwortet werden kann, warum Schmerzen so stark sein müssen, können sie als „darwinistisches Hilfsmittel“ betrachtet werden, welches die Überlebensaussichten des Leidenden verbessern (vgl. S. 441 f.).

Die Schlupfwespe legt ein Ei in ihr Opfer, die Larve achtet dann ihrerseits darauf, die inneren Organe in der richtigen Reihenfolge aufzufressen! Welcher wohlwollende Gestalter hätte sich so etwas grausames ausgedacht (vgl. S. 444 f.)? Das Überleben der Gene ist eine hinreichende Erklärung dafür (vgl. S. 448).

In Kapitel 13 wird der Fehlschluss „argumentum ad consequentiam“ erklärt: Selbst wenn es stimmen würde, dass die Evolutionstheorie und ihre Behandlung im Unterricht der Unmoral Vorschub leisten würde, bedeutet es nicht, das sie deshalb falsch ist (vgl. S. 449).
Die DNA überlebt in einer unendlichen Reihe von Kopien (vgl. S. 453). R. Dawkins nennt noch drei weitere Wege, auf denen Informationen so archiviert werden können, dass sie in Zukunft zur Verbesserung der Überlebensaussichten nutzbar gemacht werden können: das Immunsystem, das Nervensystem und die Kultur (vgl. S. 454).
Unser Gehirn schliesst auch kollektive Erinnerungen (durch mündliche Überlieferung, Bücher, Internet) mit ein, die wir nicht auf genetischem Weg von früheren Generationen geerbt haben. Folgerichtig ist, dass R. Dawkins in diesem Zusammenhang es unterlässt, auf die Memtheorie zu verweisen – diese erklärt nämlich nicht, wie soziales Lernen funktioniert, somit ist sie explanatorisch trivial (Quelle 7, vgl. S. 13 f.). Warum Dawkins Unrecht hat: Eine Streitschrift Nach der häufigen Behauptung von Kreationisten widerspricht der zweite Hauptsatz der Thermodynamik der Evolution nicht, da die Sonnenenergie das Leben antreibt. Dieses Beispiel lässt sich als Parallele zur natürlichen Selektion verstehen, die die Komplexität des Lebens auf „den Gipfel der Unwahrscheinlichkeit“ schiebt (vgl. S. 465 f.). Zur Frage der Entstehung des Lebens wird auf Stanley Miller’s Versuche (S. 469), die Theorie der anorganischen Tonkristalle (S. 470), sowie die Theorie der RNA-Welt eingegangen (vgl. S. 471 f.). Da DNA und RNA in der Entstehung voneinander abhängig sind, wird mit der zuletzt genannten Theorie das Henne-Ei-Paradox gelöst.

44% der US-Amerikaner leugnen die Evolution völlig (vgl. S. 481). Mögen für einen großen Denker – wie R. Dawkins es ist – diese Missstände noch so traurig sein, entlässt er seine Leser trotz alledem mit einer Prise Humor. Er klärt darüber auf, dass 28% der Briten ihre naturwissenschaftlichen und historischen Kenntnisse offenbar von der Familie Feuerstein beziehen (vgl. S. 486). Wenn Sie nicht zu dieser Gruppe gehören möchten, kann ich Ihnen das Lesen des Buches nur wärmstens empfehlen!

Quellen:
Quelle 1: Designfehler in der Natur, U. Kutschera, 2014
Quelle 2: Evolution, Ein Lese- Lehrbuch, Hynek Burda u. Sabine Begall, 2009
Quelle 3: Wikipedia, Emergenz, Emergenz als disziplinübergreifendes Konzept
Quelle 4: The greatest show on earth, Richard Dawkins, 2009
Quelle 5: Internetseite der Ag-Evolutionsbiologie, Newsticker, Erläuterungen zum Grundtypmodell, Martin Neukamm, 27.01.2015
Quelle 6: Humanenbryologie: Lehrbuch und Atlas der vorgeburtlichen Entwicklung des Menschen, Klaus V. Hinrichsen, korrigierter Nachdruck 1993
Quelle 7: Meme, Meme, Meme: Darwins Erbe und die Kultur, M. E. Kronfeldner

So hilft Trump den Evangelikalen, die Endzeit vorzubereiten

Johne Hagee, evangelikaler Pastor u. Christians-United -for-Israel(CUFI)-Gründer;

Mit dem Entscheid, die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen, löst Donald Trump ein Versprechen aus dem Wahlkampf ein. Es profitieren radikale evangelikale Kreise.

Von Hugo Stamm | Watson.ch

Die Welt wartet sehnlichst darauf, dass Donald Trump die Rolle des geschäftstüchtigen Dealmakers ablegt und den Politiker in sich entdeckt. Oder anders ausgedrückt: dass er das Gemeinwohl über seine persönlichen Bedürfnisse stellt.

Dass er seine Rolle als Staatsmann noch nicht gefunden hat, bewies er mit seiner Ankündigung, die Botschaft der USA in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Was in aller Welt hat ihn dazu bewogen, ins Pulverfass des Nahen Ostens grobfahrlässig eine weitere amerikanische Stange Dynamit zu werfen?

Verantwortlich sind primär christliche Fundis aus den Tausenden von Freikirchen. Denn diese setzen ihre Endzeithoffnungen ausgerechnet auf den Egozentriker im Weissen Haus, der auf die christliche Ethik pfeift und für sich das Recht in Anspruch nimmt, den Frauen in den Schritt zu greifen.

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Rätselhafte Bleche im Grab von Tutanchamun

Goldenes Blech aus dem Grab Tutanchamuns. (Foto: Christian Eckmann/Roemisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz)
Als Archäologen lange vergessene Goldplatten aus dem Grab des Pharaos analysierten, stießen sie auf eine Überraschung: Tierbilder, die für das Alte Ägypten untypisch sind.

Von Hubert Filser | Süddeutsche Zeitung

Als Howard Carter im Jahr 1922 die goldenen Bleche im Grab des Pharaos Tutanchamun fand, schenkte er ihnen keine allzu große Beachtung. Er dokumentierte die gut 100 Fundstücke, ließ sie fotografieren und verstaute sie in einer Holzkiste, die er mit „Harness“ – Zaumzeug – beschriftete. Im Jahr 2013 entdeckten Tübinger Archäologen um Peter Pfälzner die vergessenen Goldbleche wieder und begannen sie zu erforschen. „So ganz falsch lag Carter mit seiner Einschätzung gar nicht“, sagt Pfälzner heute. Ein Teil der goldenen, kunstvoll verzierten Bleche diente wohl einst tatsächlich als Beschlag von Zaumzeug. Die aktuellen Studien ergaben aber, dass die hauchdünnen Bleche weitaus häufiger Pfeilköcher und Bogenkästen verzierten. Man nähte oder klebte sie auf die Leder- oder Holzbehälter für die Waffen und schuf so kunstvolle Gegenstände, die den Pharaonen auch als Machtsymbole dienten.

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Zentralrat der Juden nimmt Islamverbände in die Pflicht

Josef Schuster fordert von den Islamverbänden mehr Engagement gegen Antisemitismus. Foto: Imago
Zentralratspräsident Josef Schuster kritisiert antisemitische Tendenzen in Moscheegemeinden.

Frankfurter Rundschau

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Muslimverbände hierzulande aufgerufen, verstärkt gegen antisemitische Tendenzen in Moscheegemeinden vorzugehen. Repräsentanten der Muslime hätten sich durchaus gegen Antisemitismus positioniert, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstagsausgabe). Das Problem sei aber, dass die muslimischen Verbände meist nur einen kleinen Teil der Moscheegemeinden erreichten.

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Dodo Marx: Kirchenasyl bleibt unverändert – gegen Ehe für alle

Quelle: http://www.bgland24.de

Die katholische Kirche hält trotz der Kritik von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) an der Praxis des Kirchenasyls fest. An der Ausgestaltung der Kirchenasyle werde sich absehbar nichts ändern, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, am Freitag im Münchner Presseclub.

evangelisch.de

Allerdings müssten sich auch die Gemeinden, die geflüchteten Menschen in ihren Räumen Asyl bieten, „konsequent“ an die Absprachen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge halten. De Maizière hatte Anfang der Woche beklagt, die Zahl der Flüchtlinge im Kirchenasyl sei „höher als erwartet“. Darüber wollten Bund und Länder mit den Kirchen sprechen. Die Vereinbarung, dass die Kirchen die staatlichen Stellen über jeden Fall informieren, klappe leider nicht immer.

Erzbischof Marx betonte, kein Mensch werde in einem Kirchenasyl versteckt, jeder Fall sei den Behörden bekannt. Die Gruppe der Flüchtlinge im Kirchenasyl sei verschwindend gering im Vergleich zu der Gesamtzahl der Asylbewerber, sagte der Kardinal.

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Aiman Mazyek warnt vor Vorrang einer Religion gegenüber anderen

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, hat davor gewarnt, einer einzelnen Religion Vorrang gegenüber den anderen zu geben. Bei einem Vortrag in Münster räumte er ein, es gebe zwar Muslime, die den Islam über alle anderen Religionen stellten. Diese befänden sich jedoch »auf dem Holzweg« und würden eine große Sünde begehen, da so eine Sicht nicht auf den Islam zurückzuführen sei.

Von Melanie Ploch | Kirche+Leben

Mazyek erklärte, für ihn als Muslim stelle der Islam zwar die Wahrheit dar. Allerdings wende er sich nicht von anderen Meinungen, Religionen oder dem Atheismus ab, sondern respektiere diese Anschauungen. Der Zentralratsvorsitzende äußerte sich auf einer Veranstaltung in der Villa ten Hompel, einer Gedenkstätte für Verbrechen während des Nationalsozialismus.

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Wenn Facebooks Schöpfer vor Facebook warnen

Facebook-Mitgründer Sean Parker bereut sein Projekt. (Foto: AP)
Sogar einige derer, die soziale Netzwerke entwickelt haben, prangern nun Risiken und Nebenwirkungen an. Da ist offensichtlich etwas gewaltig schiefgelaufen.

Von Andrian Kreye | Süddeutsche Zeitung

Etwas ist schiefgelaufen, wenn sich die Pioniere einer neuen Technologie als reuige Sünder an die Öffentlichkeit wenden. So übten in den vergangenen Monaten immer häufiger Männer Kritik an den sozialen Medien, die diese Internetplattformen erfunden oder finanziert haben. Das betrifft einen jeden, denn selbst wenn man solche Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram nicht selbst nutzt, den Folgen begegnet man im Alltag auch so.

Höhepunkt der Aussteigerwelle war ein Auftritt von Chamath Palihapitiya in der Stanford Graduate School of Business vor einigen Wochen, der bei Facebook einst für das Nutzerwachstum zuständig war. „Sie werden programmiert“, warnte er die Anwesenden. Er fühle „ungeheure Schuld“, dass er mitgeholfen habe, „das gesellschaftliche Gefüge auseinanderzureißen“. Um dann zu erläutern, wie soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram mithilfe plumper Anreize wie Daumen-hoch- und Herzchen-Symbolen dafür sorgen, dass seine Mitglieder möglichst viel Zeit in diesen Netzen verbringen, und wie dieser Mechanismus den öffentlichen Diskurs verzerrt.

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Kirchenprotest gegen Arbeitsplatzabbau von Siemens und Bombardier

Die Kirchen haben erneut gegen den Verlust von mehr als 2.000 Arbeitsplätzen in Görlitz durch die geplante Schließung des Siemenswerks und Kürzungspläne bei Bombardier protestiert.

evangelisch.de

Wenn es die beiden Konzerne mit ihren schlechten Nachrichten für die Belegschaften schon zur Zeit von Jesu Geburt gegeben hätte, wären die Hirten der Weihnachtsgeschichte „schnurstracks zu den Betriebsräten gelaufen“, sagte der evangelische Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche am Freitagabend laut Manuskript in einem ökumenischen Gebet in Görlitz: „Sie hätten sich mit ihnen solidarisiert.“

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Dodo Hahne und Sophia Thomalla

Bild: SophiaThomalla/Instagram
„…hätten wir heute einen Nelkenstrauß hier oder Sie säßen auf der Todesliste. Warum mit Jesus?“ – Peter Hahne übt scharfe Kritik an der Werbekampagne mit Sophia Thomalla – Deutscher Werberat leitet ein Beschwerdeverfahren ein

kath.net

„Wenn Sie das mit Mohammed gemacht hätten, hätten wir heute einen Nelkenstrauß hier oder Sie säßen auf der Todesliste. Warum mit Jesus?“ Mit diesen klaren Worten hat ZDF-Journalist Peter Hahne diese Woche bei Sandra Maischberger die umstrittene Werbeaktion von Sophia Thomalla beurteilt. Thomalla hat sich für eine Lottofirma als Gekreuzigte ablichten lassen. Thomalla, die seit einiger Zeit Wahlkampf für Angela Merkel macht, verteidigte sich in der Sendung und meint, die Lottofirma wollten mit einer Frau am Kreuz eine Konvention aufbrechen. Was Lotto mit Jesus zu hat, konnte das deutsche It-Girl aber nicht beantworten, die dann mit folgender Aussage auffällt: „Ich finde es bizarr, dass gerade die Kirche aufgrund der vielen Kreuzigungen, Hexenverbrennungen aus alter Grauzeit und mit pädophilen Eskapaden aus der Neuzeit gerade mir etwas vorwerfen will.“ Kontra für diese Werbung gibt es sogar vom bekannten Journalisten Günther Wallraff: „Es ist kein Tabubruch mehr. Es ist läppisch.“

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Wenn aus Nazis Islamisten werden

Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Islamisten Sascha L. in Braunschweig (dpa / Swen Pförtner)
Im Hass vereint: Die Radikalisierung von Islamisten und Rechtsextremen scheint ähnlichen Mustern zu folgen. Ein Fall in Braunschweig lässt aufhorchen: Dort ist ein mutmaßlicher Islamist angeklagt, der vor drei Jahren noch zur rechtsextremen Szene gehört haben soll.

Von Timo Stukenberg | Deutschlandfunk

Ein Montagmorgen am Landgericht Braunschweig. Polizisten mit Maschinenpistolen stehen vor dem Eingang des Gebäudes. Drinnen wird der Angeklagte Sascha L. von drei Justizbeamten in Sturmmasken in den Gerichtssaal geführt. Seine Hände sind vor seinem Bauch gefesselt. Die Fußfesseln schleifen über den Boden.

Sascha L.s weiche Gesichtszüge sind umrahmt von einem Bart. Er trägt Kapuzenpullover und Jogginghose. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine schwere, staatsgefährdende Straftat geplant zu haben. Einen Bombenanschlag auf Polizisten, vielleicht auch auf Soldaten, im Namen des Islam. Bei seiner Festnahme in seiner Wohnung im niedersächsischen Northeim fanden die Ermittler alle Bauteile für einen improvisierten Sprengsatz: Einen Fernzünder, abgesägte Pfandflaschen, hochexplosives Acetonperoxid, Böller, aus denen das Schwarzpulver herausgekratzt wurde, und eine Anleitung zum Bombenbauen.

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„Rennt nicht sofort zum Therapeuten!“

© NV/EPA-EFE/REX/Shutterstock Wirklich so schlimm? Nein! Der Psychiater Christian Dogs sagt, die Deutschen sind nicht so krank, wie seine Zunft es ihnen einreden möchte.
Wie krank sind die Deutschen? Auf jeden Fall weniger krank, als Therapeuten es ihnen einreden wollen. Ein Gespräch mit dem Psychiater Christian Dogs über das Geschäft mit der eingebildeten Depression, die tristen Ehen von Managern und die lahme Generation Y.

Von Bettina Weiguny | Frankfurter Allgemeine

Herr Dogs, Sie sind der „Psycho-Doc“ der Reichen und Erfolgreichen . . .

Ich bin Arzt für alle, darunter sind auch Reiche.

Wie krank sind die Deutschen?

Auf jeden Fall viel weniger krank, als die Therapeuten es ihnen einreden.

Warum sollten die das tun?

Das ist ihr Geschäftsmodell. Sie leben hervorragend davon, andere krank zu reden.

Wie meinen Sie das?

Jeder, der sich schlecht fühlt, ist heute krank. Wer traurig ist, hat eine Depression. Wer schüchtern ist, hat eine soziale Phobie. Wer Angst hat, bekommt eine generalisierte Angststörung attestiert. Für jedes Gefühl haben wir den passenden Titel.

Die Menschen bilden sich Burnout oder Depressionen nur ein?

Es gibt schwerkranke Menschen, denen geholfen werden muss. Die Praxen aber sind vollgestopft mit Menschen, die da nicht hingehören. 40 Prozent von denen sind nicht krank.

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Bayern fordert Grenzkontrollen im gesamten Bundesgebiet

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann Quelle: dpa
Zahlreiche Flüchtlinge mit falschen Ausweisen würden in Bayern ankommen, sagt Joachim Herrmann. Wer aber über Frankreich, Polen oder Tschechien nach Deutschland komme, bleibe unbehelligt, das sei unverständlich.

DIE WELT

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert die Einführung von Grenzkontrollen an allen Außengrenzen der Bundesrepublik. Es sei „unverständlich, dass weder an der Ost- noch an der Westgrenze“ Deutschlands ordentliche Grenzkontrollen stattfinden, sagte Herrmann der „Passauer Neuen Presse“.

Wer etwa über Frankreich, Belgien, die Niederlande, Polen oder Tschechien komme, der bleibe „erst mal völlig unbehelligt“. Länder und Bund müssten endlich zu einer einheitlichen Linie bei der inneren Sicherheit kommen, sagte er.

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Querfront-Projekt endete als Farce

Kino Babylon. Foto: Jörg Zägel / CC BY-SA 3.0
Sie eint nur die Ablehnung von Nato, die USA und Israel – doch selbst in der Linkspartei gibt es einige, die zumindest klammheimliche Sympathien äußern

Von Peter Nowack | TELEPOLIS

Am Ende wurde die Preisverleihung zur Posse. Der Moderator Ken Jebsen, dessen Markenzeichen regressiver Antizionismus, verschwörungstheoretisches Denken und der Aufruf zu einem Links-Rechts-Crossover ist, sollte im vom Berliner Senat subventionierten Kino Babylon von der Neuen Rheinischen Zeitung einen Preis verliehen bekommen.

Doch kurzfristig hatte Ken Jebsen über ihn nahestehende Medien seine Absage erklärt. Es soll hinter den Kulissen Streit über einige der Gäste und Musiker gegeben haben. Nun könnte man sich über das verdiente Desaster eines Projekts freuen, das vom Kampf gegen Israel und den USA lebt. Wenn es eine Querfrontzeitung gibt, die einigermaßen funktioniert, dann ist es die Neue Rheinische Zeitung.

Der klangvolle Name der Publikation, in der auch Karl Marx publizierte, soll nicht täuschen. Heute ist es das Zeitungsprojekt einer kleinen Gruppe ehemaliger autoritärer Linker, die nach dem Ende des Nominalsozialismus nicht mehr links und rechts kennen wollten. Sie hofften, aus der Pegida-Bewegung eine Anti-Nato-Bewegung machen zu können.

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Das Märchen vom Abendland

Bild: Qantara.de
Die Berliner Ausstellung „Juden, Christen, Muslime“ zeigt die abenteuerlichen Wege des Weltwissens im Mittelalter und demontiert nebenbei die These, es gäbe ein christlich-jüdisches Europa.

Von Gustav Seibt | Qantara.de

Seit einigen Jahren ist vermehrt von den „jüdisch-christlichen Wurzeln“ des „Westens“ (oder des „Abendlands“) zu hören, vor allem wenn es darum geht, Europa vom Islam abzugrenzen. Das ist schon deshalb ziemlich heuchlerisch, weil es den Eindruck erweckt, das Miteinander von Juden und Christen sei eine zweitausend Jahre lange Woche der Brüderlichkeit gewesen. Zugleich unterschlägt es, dass Juden und ihre Gemeinschaften viele Jahrhunderte lang in den arabisch-osmanischen Reichen mehr Luft zum Atmen hatten als in der vormodernen Christenheit.

Die Verhältnisse waren viel komplizierter und reicher. Das wird am besten sichtbar, wenn man auf die Geschichte des Wissens blickt. Da kann eine nicht untypische Geschichte ungefähr so verlaufen: Im neunten Jahrhundert wurden im „Haus der Weisheit“, einer Übersetzerakademie im abbasidischen Bagdad, Texte der antiken Medizin von Hippokrates und Galen aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt. Von Bagdad gelangten sie ins muslimische Spanien und von dort in die christlichen Königreiche, und zwar nach Toledo.

Dort wurden diese arabischen Versionen griechischer Wissenschaft in der Mitte des zwölften Jahrhunderts ins Lateinische übersetzt. An der Übersetzung beteiligten sich nicht selten des Arabischen kundige Juden, die (oft nur mündliche) Zwischenversionen in der romanischen Volkssprache erstellten, die danach von gelehrten Geistlichen in die abendländische Wissenschaftssprache Latein übertragen wurden. Damit wurden diese Texte für den Rest Europas zugänglich und konnten in den akademischen Unterricht von Paris oder Köln eingespeist werden.

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Linda W. schloss sich als 15-Jährige dem IS an: „Hab‘ mir damit mein Leben ruiniert“

Mit 15 zog Linda W. in das Kalifat des IS. Später habe sie sich gefragt: „Warum bist du Idiot hergekommen?“ (Symbolbild) © Getty Images
Mit 15 Jahren brach Linda W. in der sächsischen Provinz auf und zog in den „Islamischen Staat“. Eineinhalb Jahre später ist der IS gebrochen und Linda W. hat nur einen Wunsch: Sie will zurück nach Deutschland. Doch wie soll das gehen?

Von Petra Gasslitter | stern.de

Jeder kennt Linda W. Die junge Frau aus Pulsnitz in Sachsen, die ihre Familie zurückließ, mit nichts als einem Vermerk „Bin Sonntag gegen um 16 Uhr wieder da, Linda“. Die junge Frau, die dann aber nicht wiederkam. Die stattdessen einen Flug nach Istanbul nahm, dann nach Syrien weiterzog, um sich mit 15 Jahren dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen. Die heiratete, offenbar, einen Kämpfer mit tschetschenischen Wurzeln. Die im Sommer dieses Jahres im irakischen Mossul festgenommen wurde. Bei ihrer Festnahme trug sie rötliches Haar und ein gestreiftes Halstuch, die Bilder gingen um die Welt. Jeder kennt Linda W., seitdem.

Linda W. sagt über sich: „Ich hab mir mein Leben damit ruiniert, ich komme nur mit körperlichen Beschwerden wieder und hab mir meine Zukunft versaut, auf Deutsch gesagt. Alle kennen mich, alle wissen, wie ich aussehe, ich kann nirgends mehr hingehen, ohne erkannt zu werden, und ich finde wahrscheinlich nicht mal eine Arbeit mehr, und alle werden sagen, so was stellen wir sowieso nicht ein.“

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Strafgerichtshof gesteht Kindersoldaten kollektive Entschädigung zu

Kindersoldaten in Somalia – EPA
In einem ersten Urteil dieser Art spricht der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag Ex-Kämpfern eines kongolesischen Warlords 8,44 Millionen Euro zu. Sie waren zwangsweise rekrutiert worden, das Geld soll nur indirekt an sie fließen.

Die Presse.com

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat ehemaligen Kindersoldaten aus der Demokratischen Republik Kongo erstmals eine kollektive Entschädigung zugestanden. Die vor Jahren zwangsrekrutierten Opfer der Miliz des Warlords Thomas Lubanga erhalten zehn Millionen Dollar (8,44 Millionen Euro), erklärte der Vorsitzende Richter, Marc Perrin de Brichambaut, am Freitag in Den Haag.

Für die Zahlung ist demnach Lubanga persönlich verantwortlich. Je rund 8000 Dollar, und damit insgesamt 3,4 Millionen Dollar, veranschlagt das Gericht für die 425 bisher anerkannten Opfer. „Hunderte oder tausende“ weitere Kindersoldaten aber hätten unter Lubangas Miliz gelitten, sagte de Brichambaut. Für sie setzte das Gericht weitere 6,6 Millionen Dollar fest.

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Eine Schwester, ein toter Papst und eine Lüge

© Bild: KNA
Johannes Paul I. starb am 29. September 1978 nach nur 33 Tagen im Amt. Seine Haushälterin Margherita Marin musste 39 Jahre warten, um ihre Version vom Tod des Papstes zu erzählen.

Von Thomas Jansen | katholisch.de

Schwester Margherita Marin erinnert sich noch gut an diesen einen Satz: „Heiliger Vater, Sie dürfen nicht solche Scherze mit mir machen“. Doch der Heilige Vater machte keine Scherze mehr. Als der so Angesprochene keine Antwort gab, betrat ihre Mitschwester beherzt das päpstliche Schlafzimmer. Im Bett fand sie einen toten Papst: Johannes Paul I.

39 Jahre musste sie mit ihrer Enthüllung warten

Schwester Margherita musste 39 Jahre warten, bis sie ihre Version jenes 29. Septembers 1978 erzählen durfte. Die italienische Ordensfrau ist die letzte Überlebende der vier Haushälterinnen des 33-Tage-Papstes. In einem Interview des Internetportals „Vatican Insider“ schilderte die heute 76 Jahre alte Italienerin nun einige bislang unbekannte Details über die Auffindung des toten Papstes. So enthüllt sie etwa, was Johannes Paul I. unmittelbar vor seinem Tod gelesen hat.

Der Vatikan hatte Schwester Margherita totgeschwiegen. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte: dass ein verstorbener Papst von Frauen aufgefunden wird.

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