„Es gibt eine verdeckte Obdachlosigkeit von Älteren in München“


Die Ethnologin Irene Götz hat sich in einer Studie intensiv mit den Ursachen und Erscheinungsformen der Altersarmut von Münchner Rentnerinnen befasst. (Foto: Robert Haas)
Rentnerinnen, die ihre Wohnung nicht heizen können oder im Klappbett bei ihren Verwandten schlafen: Sie tauchen in keiner Statistik zur Altersarmut auf. Die Ethnologin Irene Götz hat mit 50 Frauen gesprochen, die sich die Stadt kaum noch leisten können.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche Zeitung

Es gibt Not im reichen München, die niemand sieht. Rentnerinnen etwa, die in kalten Wohnungen hausen, weil sie es sich nur leisten können, einen einzigen Raum zu heizen. Oder auch den Fall einer früheren leitenden Altenpflegerin, die mittlerweile im Ruhestand lebt. Sie ist gehbehindert und sucht eine Wohnung mit Aufzug, aber sie findet keine, die sie bezahlen kann. Ihre Rente reicht nicht. Also übernachtet sie seit zwei Jahren bei ihrer Tochter, sie schläft in deren Wohnung auf einem Klappbett im Flur.

In einer amtlichen Statistik findet sich diese Armut nicht wieder. „Es gibt eine verdeckte Obdachlosigkeit von Älteren in München“, sagt Irene Götz. Die Professorin am Institut für Europäische Ethnologie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hat untersucht, wie ältere Münchnerinnen ihren Alltag bewältigen, obwohl ihre Rente kaum zum Leben reicht.

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