Christentum und Menschenrechte


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Seltsam, dass man „das Christentum“ als Unterbau der Menschenrechte ansieht.

Von Volker Dittmar | Richard-Dawkins-Foundation

Denn gerade die katholische Kirche – mit der größten Gruppe an Christen – war eine entschiedene Gegnerin der Menschenrechte. Vor allem gegen das Recht auf Religionsfreiheit wurde gewettert.

Seltsam, dass man trotz der angeblich christlichen Grundlage die ganze Zeit Sklaverei betrieb. Dabei war die Idee der Abschaffung der Sklaverei schon sehr alt: Explizit stammt sie von Solon, der auch gleichzeitig der Begründer der ersten Demokratie war. Solon konnte sich politisch nicht durchsetzen, weil er zur Einführung der Demokratie auf die Stimmen der Großgrundbesitzer angewiesen war. So konnte er drei Pläne nicht durchsetzen: Abschaffung der Sklaverei, gleiche Rechte (auch Wahlrecht) für Frauen und Umverteilung des Landes an alle. Solon hoffte, dass durch die Demokratie sich diese Ideen mit der Zeit durchsetzen würden, so dass die Einführung der Demokratie die oberste Priorität hatte. Ich denke, wenn die Athener Demokratie länger gehalten hätte, dass Solon Recht behalten hätte.

Seltsam, dass man allgemein die Menschenrechte auf den vorchristlichen Heiden Cicero zurückführt. Seltsam auch, dass die Idee im Christentum erst dann wieder auf die Tagesordnung kam, nachdem sich in der Renaissance eine neue Bewegung etablierte: Die Bildungsbewegung des Humanismus. Im Christentum hatte Bildung nie einen hohen Stellenwert, außer für Kleriker. Der Humanismus begann als eine Wiederaneignung des griechisch-römischen Erbes. Dazu musste man sich zunächst die Sprachen Altgriechisch und Latein aneignen – deswegen heißen Gymnasien, die diese beiden Sprachen anbieten, bis heute „Humanistische Gymnasien“.

Aus dem Humanismus wurde eine philosophische Gegenbewegung zum Christentum. Deswegen kann man heute nicht Christ und Humanist gleichzeitig sein, obwohl ein paar Christen das glauben. Man kann Deist und Humanist gleichzeitig sein, aber mehr geht nicht. Mit dem Humanismus – der von den Kirchen solange bekämpft wurde, bis man sich seine Niederlage eingestehen musste – kam nämlich die Religionsfreiheit und der Atheismus, beides die größten Feinde der Kirche.

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