Das kosmologische Prinzip und die Mittelmäßigkeit der Erde


Universum Nasa, Esa, Hubble SM4 ERO Team
Jahrhunderte dauerte es, bis die Menschheit sich mit dem Gedanken anfreunden konnte, nichts wirklich Spezielles im Universum zu sein

Von Raúl Rojas | TELEPOLIS

Heute akzeptieren wir, ohne mit der Wimper zu zucken, dass die Erde irgendwo im Universum schwebt, jedoch nicht in dessen Zentrum. Die kopernikanische Wende hat bereits im 16. Jahrhundert den Weg geebnet: Die Sonne ist statt der Erde in die Mitte des Sonnensystems gerückt worden. Seitdem wurde unsere „privilegierte“ Stellung im Universum immer weiter entwertet.

Die erste Kosmologie, die viele von uns gelernt haben, stammt aus der judeo-christlichen Tradition. In Genesis steht, gleich nachdem Gott Himmel und Erde schuf:

1,6 Und Gott sprach: Es werde eine Wölbung mitten in den Wassern, und es sei eine Scheidung zwischen den Wassern und den Wassern!
1,7 Und Gott machte die Wölbung und schied die Wasser, die unterhalb der Wölbung von den Wassern, die oberhalb der Wölbung waren. Und es geschah so.
1,8 Und Gott nannte die Wölbung Himmel.

Genesis

Das Fragment entspricht der alten jüdischen Vorstellung von einer flachen Erde, die im Wasser schwimmt. Über der Erde liegt eine Wölbung, die das Wasser oben vom Wasser unten (ein Sinnbild für umgebendes Chaos) trennt. Die uns zugewandte Seite der Wölbung ist der Himmel. In Genesis geschieht das alles durch das Wort Gottes, da etwas auszusprechen, seine Schöpfung herbeibringt.

Nach Jehova, Adam und Eva kamen allerdings die Griechen und diese haben schließlich begriffen, dass die Erde eine Kugel sein muss. Eratosthenes von Kyrene hat bereits im dritten Jahrhundert vor Christus den Erdumfang geschätzt – für damalige Verhältnisse erstaunlich präzise. Im selben Jahrhundert hat Aristarchos von Samos sogar postuliert, dass sich nicht die Sonne um die Erde dreht, sondern umgekehrt. Das war der Beginn der „heliozentrischen“ Hypothese, die Jahrhunderte lang gegen den Geozentrismus angetreten ist.

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