Die Bestrafung Asozialer sehen schon Kinder gern


Das Pochen auf Gerechtigkeit kommt früh, das tat es auch in der Evolution, bei Schimpansen.

Von Jürgen Langenbach | Die Presse.com

Wenn man sieht, dass jemandem Gewalt angetan wird, erfassen einen Mitleid und/oder Schrecken: Das eine lässt zu Hilfe eilen, der andere treibt zur Flucht, auf dass einem selbst nichts geschehe. Wenn man aber sieht, dass jemandem verdiente Gewalt angetan wird, schaut man zu und kann nicht genug bekommen davon. Das mag hinter dem Massenpublikum öffentlicher Hinrichtungen bei uns in finsteren Zeiten und heute anderswo in der Welt stehen, reine Schaulust ist es nicht: Strafen, im Extrem körperliche, sind sozialer Kitt, mit ihnen sichern und bestätigen Gesellschaften ihre Normen.

Alle Gesellschaften: Quer durch die Kulturen regt sich früh ein Gerechtigkeitssinn, der unfaires Verhalten nicht dulden will. Wann kommt das in der individuellen Entwicklung, und wann kam es in der Evolution? Wir sind nicht die Einzigen, die sozial leben, auch unsere Neffen, die Schimpansen, tun es. Von ihnen hat Kognitionsforscherin Tania Singer (Leipzig) 17 ins Labor geholt und dort von Menschen zwei Szenarien vorspielen lassen: In beiden ging es zunächst darum, dass ein A einem B etwas Wertvolles so präsentiert, als wolle er es ihm geben. In der einen Variante tat er das dann auch, er zeigte sich prosozial, in der anderen tat er das asoziale Gegenteil und überreichte nichts. In beiden Fällen bekam er anschließend Prügel.

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