Islamistische Koran-Verteilaktion „Lies!” bleibt verboten

Mit einem Plakat auf dem Rücken versucht ein Teilnehmer der Koran-Verteilaktion „Lies!” Anfang 2015 die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Foto: Boris Roessler
Die islamistische „Lies!”-Aktion bleibt verboten. Die Kläger zogen am Dienstag kurzfristig ihre Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen das Verbot zurück.

Berliner Zeitung

Das Verfahren werde somit eingestellt und die Verbotsverfügung des Bundesinnenministeriums gegen die hinter der Koran-Verteilaktion stehende Vereinigung „Die wahre Religion” rechtskräftig, sagte der Vorsitzende Richter des 1. Senats in Leipzig, Uwe-Dietmar Berlit. (Az.: BVerwG 1 A 13.16)

Die Verteilung in Innenstädten war die größte und aufwendigste Werbeaktion von Salafisten in Deutschland. Dahinter stand die 2005 gegründete Organisation „Die wahre Religion”, die zuletzt mehrere hundert Mitglieder gehabt haben soll. Als Gründer und Initiator gilt der Laienprediger Ibrahim Abou-Nagie. Er war auch einer der beiden Kläger.

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Pussy Riot und der Gottesmann

Ein ultraorthodoxer Aktivist wollte die politische Performancekünstlerin Maria Aljochina einst ins Gefängnis bringen – Heute sind sie ein Paar

Von Klaus-Helge Donath | Schwäbische.de

Maria Aljochina ist eine politische Performancekünstlerin und erlangte als eine der sichtbaren Frontfrauen der Punkband Pussy Riot Berühmtheit. Dmitri Zorionow, bekannt unter dem orthodoxen Kampfnamen Enteo, ist ein ultraorthodoxer Aktivist. Umso überraschender, dass die zwei ein Paar sind.

Mit provokanten Aktionen erlangte der ultraorthodoxe Gotteskrieger Zorionow einen großen Bekanntheitsgrad. Er ist Anführer der orthodoxen Moskauer Aktivistengruppe „Gottes Wille“, sieht in religiösen Grenzverletzungen ein häufiges Übel. Auch religiöse Sponsoren scheuten die Nähe des Eiferers nicht.

Eigens Kampfbund gegründet

Vor zwei Jahren zerschlug Zorionow, Kind aus gutem Hause und Absolvent der Moskauer Diplomatenschmiede MGIMO, in der Manege-Ausstellungshalle vor den Toren des Kreml Skulpturen eines christlichen Bildhauers. Grund: Sie fügten sich nicht in sein religiöses Verständnis. Zorionow gehört zu den Späterleuchteten, noch als Student versuchte er es mit Yoga-Rave und New Age. Beim Militär in Sibirien versuchte er für den orthodoxen Glauben zu missionieren.

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Wie aus Gerüchen Erinnerungen werden

Manche Düfte wecken Erinnerungen an vergangene Erlebnisse in uns. © Halfpoint/ thinkstock
„Dufte“ Erinnerung: Manche Gerüche können Erinnerungen an längst vergangene Zeiten wecken. Forscher haben nun herausgefunden, welche Bereiche des Gehirns für dieses Phänomen verantwortlich sind. Demnach kann eine bestimmte Region im Riechhirn als Archiv für Langzeiterinnerungen dienen. Damit ein Geruch dort tatsächlich langfristig abgespeichert wird, sind jedoch auch Signale von anderen Hirnregionen nötig.

scinexx

Ob der Duft unsere Leibspeise aus Kindertagen oder das Parfum, das wir mit einer geliebten Person verbinden: Manche Gerüche können Erinnerungen an lange zurückliegende Erlebnisse wecken. Plötzlich versetzt uns das, was unsere Nase wahrnimmt, dann in längst vergangene und mitunter schon vergessen geglaubte Zeiten zurück. Wohl kaum ein anderer unserer Sinne ist so unmittelbar mit dem Erinnern verknüpft wie der Geruchssinn.

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Zum Christentum konvertiert: Dennoch darf die Schweiz Iraner wegweisen

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat entschieden, dass ein in der Schweiz zum Christentum konvertierter iranischer Asylbewerber in seine Heimat weggewiesen werden darf. Das Gericht geht davon aus, dass dem 35-jährigen Mann im Iran keine Strafe droht.

watson.ch

Der Gerichtshof begründet seinen am Dienstag gefällten Entscheid damit, dass es sich bei dem Betroffenen um ein gewöhnliches Mitglied der christlichen Gemeinde handle. Da er sich nicht exponiert habe, sei er den heimischen Behörden wohl nicht bekannt.

Zweifel an der Konversion

Damit bestätigt der EGMR die Sicht der Schweizer Behörden. Sie hatten zwar Zweifel an der Konversion des Iraners geäussert. Dies war aber nicht der Grund für die Abweisung des Asylgesuchs und den Entscheid der Wegweisung. Somit hat die Schweiz nicht gegen das in der Menschenrechtskonvention festgehaltene Recht auf Leben und das Verbot der Folter verstossen, wie es der Asylsuchende vor dem EGMR geltend gemacht hatte.

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Herxheims Rathauschef will „Hitler-Glocke“ hängen lassen

Kirche St. Jakob, in der die Bronzeglocke mit Hakenkreuz hängt. dpa/Uwe Anspach
Der neue Bürgermeister von Herxheim am Berg will die umstrittene „Hitler-Glocke“ im Turm der evangelischen Jakobskirche hängen lassen.

FOCUS ONLINE

Er gehe davon aus, dass die Mehrheit in der Gemeinde eine ähnliche Haltung habe, sagte Georg Welker (parteilos) am Dienstag. Seiner Meinung nach ist die Glocke dazu geeignet an die Menschen zu erinnern, die während der NS-Zeit unter dem Hitler-Regime gelitten haben. Zuvor hatten andere Medien darüber berichtet. Über den Umgang mit der Glocke wird seit Monaten heftig diskutiert. Der 1934 gegossene Klangkörper trägt ein Hakenkreuz und die Aufschrift „Alles fuer’s Vaterland Adolf Hitler“. Der 71 Jahre alte Welker – er ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand – wurde bei einer Stichwahl am Sonntag mit 54,6 Prozent der Stimmen gewählt.

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„Der Islam konfrontiert uns Christen mit längst überfälligen Debatten“

Pater Tobias Zimmermann SJ, Rektor des katholischen Canisius-Kollegs in Berlin, sagt, Schule muss auch Zumutung sein. (Foto: Stefan Weigand)
Pater Tobias Zimmermann leitet eine katholische Schule in Berlin. Kürzlich hat er eine Lehrerin eingestellt, die Kopftuch trägt. Weil Schule auch ein Versuchslabor sein sollte, sagt er im „Interview am Morgen“.

Interview von Julia Ley | Süddeutsche Zeitung

Pater Tobias Zimmermann, lange graue Haare, Ring im linken Ohr, leitet das Berliner Canisius-Kolleg, eine von drei Jesuitenschulen in Deutschland. Die Schule beschreibt sich selbst als Gymnasium „mit christlich-humanistischer Prägung“. Junge Menschen sollen hier nicht nur eine gute Bildung erhalten, sondern auch zu verantwortungsbewussten Menschen reifen. Mit seiner Entscheidung, eine kopftuchtragende Muslima als Lehrerin einzustellen, hat Zimmermann in Berlin für einigen Wirbel gesorgt. Die Welt war da, der RBB, der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung hat über ihn berichtet. Er war, das betont Zimmermann gleich zu Beginn, ein bisschen überrascht über den Medienrummel. Denn eigentlich hat er ja nur eine Lehrerin eingestellt. Oder?

SZ: Pater Zimmermann, Sie haben in Zeiten, in denen die AfD im Bundestag sitzt, an einer katholischen Schule eine muslimische Lehrerin eingestellt. War das ein Statement?

Nein. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass diese Frau ein sehr gutes Profil hatte. Und übrigens nicht etwa, weil wir zu wenige Bewerber hatten. Allerdings hatten wir uns schon vorher mit der Frage beschäftigt, wie gehen wir damit um. Wir haben schon lange eine sehr vielfältiges Kollegium: Viele Lehrer sind natürlich katholisch, manche kommen aus dem Osten und hatten nie die Gelegenheit, das Christentum von innen kennenzulernen. Andere sind evangelisch. Was die Muslime betrifft, erinnert mich die Situation heute in gewisser Weise an die 70er Jahre. Damals haben wir uns entschieden, auch evangelische Schüler anzunehmen. Und dann folgten eben irgendwann auch evangelische Lehrer.

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Hassprediger ohne Bart gehen sonntags in die Kirche

Hasst Schwule nicht, kanns aber nicht so richtig ausdrücken: SVP-Gemeinderat Daniel Regli. Bild: Tages Anzeiger/blogs
Wir haben unsere eigenen, christlichen «Salafisten» in der Stadt: Ein SVP-Gemeinderat meint, Schwule nähmen sich wegen «nachlassendem Analmuskel» das Leben.

Von Réda El Arbi | Tages Anzeiger/Stadtblog

«… dass sich promiske Homosexuelle zwischen 30 und 40 das Leben nehmen, weil der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht» – das sind nicht die Worte eines salafistischen Dorf-Imams aus dem Hindukusch (obwohl der wahrscheinlich zustimmend nicken würde), das sind Worte, die am Samstag im Gemeinderat vom SVP-Parlamentarier Daniel Regli auf die Menschen losgelassen wurden. Neben vielen anderen sexistischen und einfach erstaunlichen Sachen: Vom in der schulischen Aufklärung thematisierten Analsex sei es dann ein kurzer Weg zur Homosexualität.

Als ich den Artikel las, traute ich zuerst meinen Augen nicht. Ich dachte, der Mann sei so zynisch, dass man ihm das als schwarzen Humor abbuchen könnte. Aber nein, der Herr Regli meint das ernst. Er organisiert auch den «Marsch fürs Läbe» mit, die M-Budget-Version des Abtreibungskliniken-Anzündens. Er spricht also den Frauen ihre Selbstbestimmung  über den eigenen Körper ab.

Er fürchtet sich zudem offenbar davor, dass Kinder zu früh aufgeklärt werden, weil sie so schwul werden könnten. Das ist die Gedankenwelt, in der der Mann lebt. Sicherlich würde er von sich sagen, dass er Homosexuelle nicht hasst, sondern nur die Sünde. Also nicht Schwule, sondern nur schwule Schwule.

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Erdogans gefährliches Netzwerk in Deutschland

Die Rockergruppe „Osmanen Germania“ und ganz besondere Verbindungen

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Sie fahren keine schweren Motorräder, sondern große Autos. Sie organisieren sich in Boxclubs und verbreiten über das Internet martialische Videos. Sie arbeiten als Türsteher und Bodygards bei Veranstaltungen von nationalistischen Türken. Sie gelten als äußerst gewaltbereit. Die Rockergruppe „Osmanen Germania“ verfügt über beste Kontakte zu Erdogans engsten Vertrauten in der AKP. Die „Osmanen Germania“ bilden zusammen mit der UETD und Islamisten ein gefährliches Netzwerk, das nun auch die deutschen Sicherheitsbehörden genauer hinschauen lässt.

Die Rockergruppe „Osmanen Germania“ hat in Deutschland mehr als 2.000 Mitglieder und ist eine ernstzunehmende Konkurrenz für die hiesigen Rockergruppen, wie z.B. die „Hells Angels“. Diese fürchten um ihre Reviere, in denen sie mit Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Prostitution Millionengeschäfte machen.

Anhänger finden die Osmanen Germania zunehmend unter jungen Männern mit Migrationshintergrund, vor allem unter Türken. Mehmet Bagci, der Präsident der Osmanen Germania, sagt: „Wir wollen die Jugendlichen von der Straße holen. Wir wollen, dass sie sich mit Sport beschäftigen. Ihnen Arbeit besorgen. Von ihrer Drogensucht weg, von ihrer Alkoholsucht weg.“

Die Sicherheitsbehörden glauben ihm kein Wort. Neben der Gefahr neuer Bandenkriege zwischen konkurrierenden Rockerbanden sind die Verbindungen zur türkischen Politik besonders besorgniserregend.

Am 27. April 2016 um 17.24 Uhr hörten die Sicherheitsbeamten bei einem Telefonat Bagcis mit, in dem er sich damit brüstet, dass er und seine Kumpane von türkisch-stämmigen Geschäftsleuten in Deutschland Geld erpressen würden. In dem Telefonat soll er von „sehr guten Kontakten“ zum türkischen Geheimdienst gesprochen haben. Und dass er mit seinen Männern die Sache mit dem „PKK-Ding“ in Stuttgart regeln würde.

Gemeint ist eine Demonstration am 10. April 2016 in Stuttgart, wo es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden kam. In dem Telefonat stellte Bagci nach den Worten der Ermittler klar, dass niemand sie von ihrem Ziel in dieser Sache abbringen würde und dass sie bereit seien, für ihre Sache zu sterben und zu töten. Derart alarmiert, was das bedeuten könne, observierten die Ermittler auch elektronisch.

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Künstliche Intelligenz gegen Fake News

Es wäre so leicht, wenn Fake News an ihrer langen Nase zu erkennen wären. Ein Algorithmus erkennt zwar nicht den Wahrheitsgehalt, grenzt aber ein, welche Meldungen geprüft werden sollten. Foto: imago
Max-Planck-Wissenschaftler entwickeln einen Algorithmus, der Nachrichten mit großem Schadenspotenzial herausfiltert.

Von Pamela Dörhöfer | Frankfurter Rundschau

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme haben einen Algorithmus entwickelt, der anzeigen soll, welche Nachrichten von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden sollten. „So werden weniger Leute Fake News ausgesetzt, die vielleicht gar nicht wissen, dass es sich bei dem einen oder anderen Post um eine Lügennachricht handelt“, erklärt Manuel Gomez Rodriguez, Mitautor der Publikation mit dem Titel „Sich der Masse bedienen, um Fake News und Fehlinformationen aufzudecken und ihre Verbreitung einzuschränken“.

Die derzeitige Praxis zum Aufdecken von Fake News in sozialen Netzwerken geht den Wissenschaftlern nicht weit genug. Bisher wird es so gehandhabt, dass Facebook-Nutzer zum Beispiel die Möglichkeit haben, eine Nachricht als Falschmeldung zu deklarieren. Erhält Facebook eine ausreichende Anzahl solcher Warnhinweise – wie viele genau das sein müssen, verrät das Unternehmen nicht –, kommen Journalisten ins Spiel, um die Nachrichten gegenzuchecken.

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Diese Affen haben Sex mit Hirschen

Reiterstellung auf dem Hirsch: Dieser Japanmakake vergeht sich an Wild Quelle: ZGB
Wilder Affentanz in Japan: Dort wurden mehrere Makaken für eine Studie dabei beobachtet, wie sie Sex mit Hirschen haben. Warum tun sie das? Forscher haben dafür mehrere Erklärungen.

DIE WELT

Anfang des Jahres wurde ein Affe beim Sex mit einer Hirschkuh erwischt. Ob aus Anziehungskraft zu dem Wild oder purer Verzweiflung, weil der Affe keine Partnerin unter seinen Artgenossen findet: Die Aufnahmen von der japanischen Insel Jakushima ließen Wissenschaftler verwirrt zurück.

Doch das war offenbar kein Einzelfall. Denn nun haben Primatologen der Universität Lethbridge in Kanada auch in einem anderen Teil Japans die Beobachtung gemacht, wie Affen Hirsche besteigen. In ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift „Archives of Sexual Behavior“ erschienen ist, kommen die Affenforscher zu dem Schluss: Affen haben Sex mit Hirschen.

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Der Todesfluch von Beit Shemesh

Das Graffito an der Wand verlangt einen «sittsamen Kleiderstil», was diese orthodoxe Jüdin und ihre Kinder erfüllen. (Bild: Uriel Sinai / Getty)
In der israelischen Stadt kämpfen fünf säkulare Frauen gegen ultraorthodoxe Eiferer.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Wenn alle gefallenen Engel, die Engel des Verderbens und des Abgrunds, in einer kabbalistischen Zeremonie angerufen werden und durch gemeinsame Anstrengung dafür sorgen, dass einem Sünder die Gnade göttlicher Vergebung nicht zuteilwird, dann nennt man das Pulsa diNura, «Feuerpeitsche». «Ein Quatsch für schwachsinnige Religiöse» sei das, sagt uns fröhlich Rachel Lansky, eine 17-jährige Schülerin, die im Zentrum von Beit Shemesh auf den Bus wartet. «Nein, junge Frau, da muss man aufpassen», entgegnet ihr ein Mann, dessen Namen wir durch seinen grauen Bart hindurch als Guilherme Suzman verstehen. «Pulsa diNura. Ei, ei. Also ich wäre da vorsichtig. Man weiss nie.»

Für Zucht und Ordnung

In Beit Shemesh, einer Stadt 30 Kilometer westlich von Jerusalem, wird in diesen Tagen ernsthaft über die «Feuerpeitsche» gesprochen. Fünf säkulare Frauen werden tagtäglich beleidigt, bedroht und verwünscht, weil sie es gewagt haben, sich gegen das Diktat der Ultraorthodoxen zu stemmen. Einer von ihnen ist die flammende Peitsche angedroht worden.

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Verfassungsbeschwerde gegen Haftantritt von Ex-SS-Mann Gröning

Oskar Gröning – APA/EPA/RONNY HARTMANN / POOL
„Nach Auffassung eines Sachverständigen ist er nicht haftfähig“, sagt der Anwalt des 96-Jährigen, der zu vier Jahren Haft verurteilt wurde.

Die Presse.com

Der wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen verurteilte frühere deutsche SS-Mann Oskar Gröning (96) wehrt sich mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die drohende Haft. „Verfassungsrechtlich ist im Hinblick auf den Gesundheitszustand von Herrn Gröning zu prüfen, ob dessen Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit aus Artikel 2 des Grundgesetzes gewährleistet ist“, sagte Grönings Anwalt Hans Holtermannn der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. „Nach Auffassung eines Sachverständigen ist er nicht haftfähig.“

Das Oberlandesgericht Celle hatte zuletzt Einwände der Verteidigung abgewiesen. Die Anwälte wollten einen Haftaufschub erreichen. „Der Senat geht auf der Basis eingeholter Sachverständigengutachten davon aus, dass der Verurteilte trotz seines hohen Alters vollzugstauglich ist“, teilte das Gericht Ende November mit. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil im Herbst 2016 bestätigt. Damit blieb nur noch der Weg einer Verfassungsbeschwerde.

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Deutsche glauben mehr an Wunder als an Jesus

Gläubige in Heiligenstadt tragen eine Christus-Figur. 1965 erinnerten sich in Westdeutschland noch 62 Prozent daran, dass in ihrer Kindheit ein Tischgebet gesprochen wurde Quelle: dpa/spf gfh dna
Fragt man die Deutschen nach Religion, ergeben sich widersprüchliche Erkenntnisse. Mehr Bürger finden, dass ihr Land stark vom Christentum geprägt ist. An Christus glauben aber immer weniger. Dafür stehen Engel und Wunder hoch im Kurs.

DIE WELT

Die Deutschen pflegen laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ein gespaltenes Verhältnis zum Christentum. Einerseits halten viele Befragte Deutschland für ein christlich geprägtes Land; andererseits nimmt die Bedeutung des christlichen Glaubens stetig ab, wie Allensbach-Projektleiter Thomas Petersen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schreibt.

Die Ansicht, dass ihr Land stark vom Christentum geprägt ist, teilten demnach 63 Prozent der Deutschen; vor fünf Jahren waren es nur 48 Prozent. 56 Prozent vertraten die Meinung, Deutschland solle auch in der Öffentlichkeit deutlich zeigen, dass es ein christliches Land sei. Fast einhellig wird mit 85 Prozent der Vorschlag abgelehnt, einen christlichen Feiertag zu streichen und stattdessen einen islamischen Feiertag einzuführen.

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Wenn nur eine Gläubige zum Gottesdienst kommt

Die Kirchen sind zu gross für die noch wenigen Gläubigen. (Bild: Heidi Barbara Hallmann)
Der Norden von Sachsen-Anhalt hat so viele Kirchen wie keine andere Region Deutschlands. Der Rückgang der Gläubigen ist dort besonders stark. Die Kirchengemeinden wollen das nicht einfach hinnehmen.

Von Barbara Hallmann | Neue Zürcher Zeitung

Janette Obara erinnert sich noch gut an diesen Gottesdienst während ihrer Vikariatszeit, als nur eine einzige Besucherin da war. Und sie kam nicht von ungefähr – es war die Dame, die sich an diesem Sonntag ehrenamtlich für den Küsterdienst eingetragen hatte: Glocken läuten, Kerzen anzünden, Kollekte sammeln. «Die hatte dann Angst, dass ich den Gottesdienst mit ihr alleine durchziehe – das hab ich ihr angesehen.» Die junge Pastorin entschied pragmatisch: Sie setzte sich gemeinsam mit der Frau hin, sang ein Lied, sprach ein Gebet und unterhielt sich kurz mit ihr über den Predigttext. Zum Abschluss noch Vaterunser und Segen. «Das sind dann ganz besondere Momente – wenn man sich auf diese Situation einlässt.» Seither sei ihr das noch ein paar Mal so passiert, dass sonntags nur ein oder zwei Besucher kamen, erzählt die 38-Jährige. «Aber ausfallen lassen hab ich den Gottesdienst nie.»

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Antarktis: Das nicht mehr ganz so ewige Eis

Antarktisches Eins. Bild: Nasa
Die antarktischen Eisschilde sind offenbar empfindlicher als bisher gedacht

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und vom Britischen Antarctic Survey in Cambridge haben herausgefunden, dass die auf dem Land liegenden Gletscher schon auf relativ kleine Veränderungen im Schelfeis reagieren. Beim Schelfeis handelt es sich um meist mehrere hundert Meter dicke Eiskörper, die auf dem Meer vor der Küste in kleineren und größeren Buchten schwimmen.

Das auf dem Land liegende und bis zu 4,5 Kilometer dicke Eis fließt aufgrund seines Gewichts auseinander. Seine Ränder drücken aufs Meer hinaus, wo sie besagtes Schelfeis bilden. Dieses wirkt oft wie ein Bremsklotz für das nachdrückende Eis, sei es, weil sich das schwimmende Eis an Inseln und vom Meeresgrund aufragenden Felsen verhakt, sei es, dass die Eisströme in den Buchten zusammenfließen und das Eis sich dort staut.

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Schulische Weihnachtsfeier – Pflicht oder Privatsache?

Kurz vor den Weihnachtsferien feiern viele Schulen während der Unterrichtszeit eine Weihnachtsfeier: Sie essen Plätzchen, singen Lieder und hören vielleicht sogar die Weihnachtsgeschichte. An einer Lüneburger Schule hat sich das jetzt nach der Beschwerde einer Muslimin geändert.

evangelisch.de

Nach der Beschwerde einer muslimischen Schülerin veranstaltet das Lüneburger Gymnasium Johanneum in diesem Jahr keine verpflichtende Weihnachtsfeier während der Unterrichtszeit. Die Feier wird stattdessen auf den Nachmittag verlegt, und die Teilnahme ist freiwillig. Einem Bericht des NDR zufolge hatte sich die Schülerin im Vorjahr beschwert, dass die dort gesungenen christlichen Lieder nicht mit ihrem Glauben vereinbar seien.

Die Feier soll nach Angaben der Schule am Mittwoch stattfinden. Schulrektor Friedrich Suhr hatte gegenüber der „Landeszeitung Lüneburg“ erklärt, er könne und wolle niemanden zu einer Weihnachtsfeier zwingen. Eine aktuelle Stellungnahme dazu wollte die Schule auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) nicht abgeben.

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Papst: Heuchler und Fundamentalisten schaden der Religion

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus sprach bei Videokonferenz mit Studenten der von Jesuiten gegründeten japanischen Sophia-Universität – Sorge um „Jugend ohne Wurzeln“

kath.net

Nach Einschätzung von Papst Franziskus  lässt echter religiöser Glaube einen Menschen wachsen und anderen dienen. Andernfalls handle es sich um einen unreifen Glauben, schlimmstenfalls „um Heuchelei oder Fundamentalismus“, sagte Franziskus am Montag in einer Videokonferenz mit Studenten der Sophia-Universität in Japans Hauptstadt Tokio. Gesprächsthemen waren außerdem Jugend, Migranten, Geld und die Umwelt.

Gefragt nach den Gefahren und der Bedeutung von Religion in der heutigen Welt, antwortete der Papst: „Religion ist kein erfundenes Theater, sondern entsteht aus der menschlichen Unruhe, aus sich herauszugehen und dem absoluten Gott zu begegnen.“ Auf diese Weise seien alle großen Religionen entstanden. „Die christliche Offenbarung, die ich bekenne, kennt als Grundregel, Gott anzubeten und auch den Letzten zu dienen“, so Franziskus.

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Kartellamt: Facebook missbraucht seine Macht

Facebook hat nicht nur Ärger mit deutschen Datenschützern, sondern nun auch mit der obersten Wettbewerbsbehörde. (Foto: REUTERS)
Der Konzern habe ein „Quasi-Monopol“, erklären die Wettbewerbshüter. Das gehe zu Lasten der Nutzer, die sich gegen den großen Datensammler nicht wehren könnten.

Von Jannis Brühl, Benedikt Müller | Süddeutsche Zeitung

Das Bundeskartellamt wirft Facebook vor, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Das soziale Netzwerk sei in der Lage, übermäßig viele Daten über seine Nutzer zu sammeln – ohne deren ausdrückliche Einwilligung. Damit verstoße der Konzern gegen europäische Datenschutzregeln. Diese vorläufige rechtliche Einschätzung hat das Kartellamt am Dienstag mitgeteilt. „Es handelt sich um ein komplexes Verfahren“, sagte Andreas Mundt, Präsident der Behörde, der SZ. „Wir leisten hier auch Pionierarbeit.“

Das Amt kritisiert, dass Facebook auch Daten zusammenführe, die seine Nutzer außerhalb des Netzwerkes hinterlassen: in den Diensten Whatsapp und Instagram, die zum Konzern gehören, aber auch auf Millionen anderen Webseiten. Viele Seiten im Netz haben den „Like-Button“ von Facebook oder die Möglichkeit, sich im Netzwerk anzumelden, in ihre Inhalte eingebunden. Nutzer müssen diese Schnittstellen zu Facebook nicht einmal aktiv anklicken, schon der Besuch der externen Seite werde den Wettbewerbshütern zufolge an Facebook gemeldet. Dort werden die Informationen mit den Daten des Nutzers zusammengeführt. Er habe keine Möglichkeit, sich zu wehren.

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Bischof Hein: Abschaffung von Werbeverbot für Abtreibungen fatal – für ihn?

Seit Wochen wird über das Werbeverbot für Abtreibungen kontrovers diskutiert. Jetzt hat sich der Bischof der kurhessischen Landeskirche zu Wort gemeldet.

evangelisch.de

Eine Abschaffung des umstrittenen Werbeverbots für Abtreibungen wäre nach Ansicht des kurhessischen Bischofs Martin Hein ein Schritt in die falsche Richtung. Durch eine Streichung des Paragrafen 219a im Strafgesetzbuch, wie von einer fraktionsübergreifenden Initiative von Bundestagsabgeordneten sowie von fünf Bundesländern angestrebt, würde der bisher bestehende Schutz des ungeborenen Lebens aufgegeben, sagte Hein dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag in Kassel. „Das würde für weitere Eingriffe in den Schutz des ungeborenen Lebens Tür und Tor öffnen“, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Die Gießener Ärztin Kristina Hänel war kürzlich zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt worden, weil sie auf der Internet-Seite ihrer Praxis über Schwangerschaftsabbrüche informiert hatte. Nach Auffassung des Gerichts hatte sie damit gegen das Werbeverbot für Abtreibungen nach Paragraf 219a verstoßen.

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The US Will Fund Research to Make Pathogens Deadlier Again

Image: Shutterstock
The NIH lifted a 3-year funding moratorium on “gain-of-function” research meant to make deadly viruses stronger and more transmissible.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

On Tuesday, the US National Institutes of Health, the largest biomedical research agency in the world, announced that it would be ending a three-year moratorium on research funding for projects that involve making pathogens stronger and deadlier than they are in nature.

Known as “gain-of-function” studies, this type of research is ostensibly about trying to stay one step ahead of nature. By making super-viruses that are more pathogenic and easily transmissible, scientists are able to study the way these viruses may evolve and how genetic changes affect the way a virus interacts with its host. Using this information, the scientists can try to pre-empt the natural emergence of these traits by developing antiviral medications that are capable of staving off a pandemic.

If genetically engineering viruses such as influenza, MERS, or SARS to be even stronger and more easily transmissible sounds like a recipe for some Contagion-inspired future hell, you’re not alone in your fears.

Even though the storage and use of deadly pathogens is strictly regulated, there’s always the risk they might fall into the wrong hands. In fact, last year former CIA director John Brennan cited “bio-threats” from genetically engineered biological warfare agents as one of the top existential risks facing the United States.

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