Der Todesfluch von Beit Shemesh


Das Graffito an der Wand verlangt einen «sittsamen Kleiderstil», was diese orthodoxe Jüdin und ihre Kinder erfüllen. (Bild: Uriel Sinai / Getty)
In der israelischen Stadt kämpfen fünf säkulare Frauen gegen ultraorthodoxe Eiferer.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Wenn alle gefallenen Engel, die Engel des Verderbens und des Abgrunds, in einer kabbalistischen Zeremonie angerufen werden und durch gemeinsame Anstrengung dafür sorgen, dass einem Sünder die Gnade göttlicher Vergebung nicht zuteilwird, dann nennt man das Pulsa diNura, «Feuerpeitsche». «Ein Quatsch für schwachsinnige Religiöse» sei das, sagt uns fröhlich Rachel Lansky, eine 17-jährige Schülerin, die im Zentrum von Beit Shemesh auf den Bus wartet. «Nein, junge Frau, da muss man aufpassen», entgegnet ihr ein Mann, dessen Namen wir durch seinen grauen Bart hindurch als Guilherme Suzman verstehen. «Pulsa diNura. Ei, ei. Also ich wäre da vorsichtig. Man weiss nie.»

Für Zucht und Ordnung

In Beit Shemesh, einer Stadt 30 Kilometer westlich von Jerusalem, wird in diesen Tagen ernsthaft über die «Feuerpeitsche» gesprochen. Fünf säkulare Frauen werden tagtäglich beleidigt, bedroht und verwünscht, weil sie es gewagt haben, sich gegen das Diktat der Ultraorthodoxen zu stemmen. Einer von ihnen ist die flammende Peitsche angedroht worden.

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