Biologin: „50-prozentige Kaiserschnittrate muss zu denken geben“


foto: apa/dpa/felix heyder Wird das Baby vaginal entbunden oder per Kaiserschnitt geholt werden? In Österreich hat sich die Kaiserschnittrate seit Beginn der 1990er-Jahre verdoppelt.
Warum sich Menschen bei der Geburt noch immer so schwertun: Barbara Fischer erforscht das Geburtsdilemma

Interview Christine Tragler | derStandard.at

STANDARD: Sie sprechen von einem „evolutionären Pfusch“, was die Größe der Köpfe von Neugeborenen im Verhältnis zum Geburtskanal des weiblichen Beckens anbelangt. Wie meinen Sie das?

Fischer: Der Gedanke, dass die Natur nicht alle Dinge optimal eingerichtet hat, ist für viele Menschen überraschend. Dabei müssen Sie nur an unsere Zähne denken, die so vielen Menschen Probleme verschaffen. Die Geburt ist auch so eine Sache. Evolutionärer Pfusch, das mag hart klingen. Aber das weibliche Becken ist eine Schwachstelle, weil es viel zu eng für den verhältnismäßig großen Kopf der menschlichen Säuglinge ist – und deshalb große Schmerzen und Risiken mit sich bringt.

STANDARD: Der Geburtsschmerz war also der Ausgangspunkt Ihrer Forschungsarbeit?

Fischer: Als Evolutionsbiologin habe ich einen spezifischen Blick auf das Leben. Man sieht die Dinge nicht statisch, sondern historisch bedingt. Wenn es um das Überleben geht, ist die Evolution sehr geschickt, Mängel zu bereinigen – ansonsten könnten die Gene nicht weitergegeben werden, und die Art würde aussterben. Es war mir also rätselhaft, warum nach hunderttausenden Jahren das Geburtsdilemma beim Menschen noch immer nicht gelöst ist.

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