Türkei: „Spitzel dürfen zur Denunziation aufrufen“


Protest in Istanbul. Foto: rtr
Asli Erdogan, Günter Wallraff und Osman Okkan sprechen mit Bascha Mika über die Entwicklung in der Türkei und den langen Arm des Präsidenten in Deutschland.

Frankfurter Rundschau

Fast haben wir uns daran gewöhnt, dass das Regime von Präsident Erdogan die Türkei autokratisch regiert. Die Opposition wird verfolgt, Menschenrechtler und Journalisten werden hinter Gitter gesteckt, ausländische Beobachter verlassen eingeschüchtert das Land. Nicht zuletzt werden der türkischen Polizei Entführungen, Folter und Vergewaltigungen vorgeworfen.

Es gibt sie noch, die andere Türkei. Menschen, die die Reste an Demokratie in ihrem Land verteidigen wollen. So wie Sie, Frau Erdogan. Sie wurden im vergangenen Jahr festgenommen, haben monatelang im Gefängnis gesessen, wurden dann vor Gericht gestellt. Vorwurf: Propaganda für eine illegale Organisation. Sie sind freigelassen worden, aber der Prozess gegen Sie ist nur ausgesetzt. Was passiert, wenn Sie in die Türkei zurückkehren, wissen Sie nicht. Wie ist Ihr Leben, seitdem Sie das Gefängnis verlassen konnten?
Asli Erdogan: Die Entlassung aus der Haft ist nicht einfacher, als inhaftiert zu werden. Sie kommen ins Leben zurück, aber wissen nicht, was Sie erwartet, wie Sie weitermachen können. Der Zustand ist eine Art Fegefeuer, weil das Gerichtsverfahren noch nicht zu Ende ist und Sie keine Ahnung haben, wie über Sie entschieden wird. Erst seit ich in Deutschland bin, kann ich wieder etwas ruhiger schlafen. Und meine Freunde haben mir gesagt, dass sie mich seit langem wieder lächeln sehen.

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