Ermittlung gegen „Konkret“ : Was ist denn bitte eine Satire?


Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang. ©Picture-Alliance
Wie schnell ist so ein Volk denn verhetzt? Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen das Magazin „Konkret“ und übersieht Satirezusammenhänge.

Von Andrea Diener | Frankfurter Allgemeine

Ein deutlicher Hinweis auf das Vorliegen eines Satiresachverhaltes kann neben den üblichen Stilmerkmalen Übertreibung („Hyperbel“) oder Nebeneinanderstellung hoher und niedriger Werte („Bathos“) auch der Verfasser eines Textes sein. Wenn der einmal Chefredakteur eines großen Satiremagazins war, hat in Sachen Wörtlichnehmung des vorliegenden Textes Vorsicht zu walten und die sofortige Prüfung auf Vorliegen einer Ironieebene zu erfolgen.

Wir schreiben das hier extra mit so vielen Passivkonstruktionen, damit das auch Behörden verstehen, besonders aber die Staatsanwaltschaft Hamburg, die zurzeit eine Vorreiterrolle in Sachen Satirewörtlichnehmung einnimmt. Sie schickte dem Magazin „Konkret“ einen Brief, in dem sie um Geburtsname und Anschrift einiger Redakteure bat, da man gerade ein Verfahren wegen möglicher Volksverhetzung gemäß Paragraph 130 Strafgesetzbuch führe, und zwar wegen der Titelaufschrift „Kauft nicht bei Deutschen!“

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