Altar und Politik – Die Allianz der Geisterbeschwörer


Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Deutschland als stark christlich geprägt empfunden wird. Welche Rolle Katholiken hier spielen, hat Andreas Püttmann untersucht. Das geht auch Protestanten, Muslime, Juden und Konfessionslose etwas an.

Von Hannes Hintermeier | Frankfurter Allgemeine

Ausgerechnet im Luther-Jahr tritt ein schmaler Band an mit dem Versuch „einer kleinen katholischen Leistungsschau“. Warum hat der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann, 1964 ins Rheinland und ein katholisches Elternhaus hineingeboren, das unternommen? Weil er antizyklisch wirken und in Zeiten „schwindenden Selbstbewusstseins“ zeigen wolle, dass da Substanz verlorenzugehen droht. Dass in diesem unserem „tendenziell protestantischen Land mit einer antikatholischen Unterströmung“ mehr verloren denn gewonnen wäre, wenn es mit der katholischen Kirche weiter bergab ginge.

So weit die Begründung, und nun die Ausgangslage: Seit 1950 hat sich die Zahl der Protestanten in diesem Land von 43 Millionen auf 22,5 Millionen annähernd halbiert; die Katholiken haben mit 23,2 Millionen ungefähr so viele Mitglieder wie 1950, aber seit ihrem Höchststand anno 1990 sind sechzehn Prozent verlorengegangen. Trotz Sonntagsgebot finden nur noch drei Millionen Katholiken regelmäßig den Weg in den Gottesdienst. Dennoch verwahrt sich Püttmann angesichts des Mitgliederschwundes bei den Protestanten gegen „Expertisen über eine ,angeschlagene‘ katholische Kirche“. Unausgesprochen bleibt, was viele Christen im Lande denken oder sich erhoffen – dass man gemeinsam stärker wäre.

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