Aufbruch zum säkularen Tempel der Menschheit


Bildung ist der Schlüssel zur Aufklärung: Schülerinnen in Afghanistan.Foto: Ulrike Scheffer
Ein großer, politischer Traum: Frieden und Versöhnung – auch zwischen den Religionen. Was wäre dafür notwendig?

Von Caroline Fetscher | DER TAGESSPIEGEL

RÜCKKEHR DER LEBENSFREUDE

Abends tanzen sie wieder. Es gibt wieder Partys, Afrobeats, westliche Sounds, es gibt wieder Bier. Die Jugendlichen in Maiduguri, der Stadt im Norden Nigerias, wo 2009 der Terror der Boko Haram begann, gehen heute wieder aus. Ihre Feiern organisieren sie privat. Noch wechseln sie Räume, wenn Orte zu bekannt werden. Aber seit die Boko Haram aus der Stadt gedrängt wurde, kehrt zurück, was die Islamisten auslöschen wollten und wofür Maiduguri berühmt war: Lebensfreude.

„Boko Haram“ bedeutet so viel wie „books are haram“ also: Bücher sind unrein, Bildung ist gottlos. Die Organisation hatte Schulmädchen verschleppt, liberale Imame und Lehrer getötet, Musik und Alkohol verboten. Jetzt debattieren sie an der Uni, wo Moslems wie Christen studieren, sogar über Liebe, Sex und Feminismus. 2017 haben die Terrormilizen noch achtmal Attacken auf die Universität Maiduguri verübt. Die Gefahr ebbt nur allmählich ab, während Vernunft sich durchsetzt gegen religiösen Fanatismus. Nur ohne ihn hat demokratische Freiheit eine Chance, ganz gleich wo.

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