„Jerusalem hat eine universale Bedeutung“


Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Weihnachten? Intifada? Von beidem ist wenig zu sehen. Es herrscht der üblich angespannte Alltag auf dem einen umstrittenen Quadratkilometer Altstadt, der Christen, Juden und Muslimen so heilig ist.

Von Lissy Kaufmann | DER TAGESSPIEGEL

Zwischen buntem Lametta, Plastiktannen und kniehohen Krippenfiguren aus China sitzen Samir Kouteina und Yousef Dissi auf weißen Plastikhockern und warten auf Kundschaft. Aber irgendwie auch auf eine Lösung des ewigen Jerusalem-Streits. Samir Kouteina, ein 60 Jahre alter Muslim, hat diesen Laden mit Weihnachtsdekoration in der St.-Francis-Straße in der Altstadt vor 35 Jahren eröffnet, als eines der wenigen Geschäfte dieser Art in Jerusalem überhaupt. Damals klang das nach einer gewinnbringenden Idee für die Zeit zwischen November und Januar. Doch das Geschäft läuft heute schlecht. Die Zahl der Christen im Land geht zurück: Bei der Gründung des Staates Israel waren zehn Prozent der Bevölkerung christlichen Glaubens, heute sind es nur noch zwei Prozent. Harte Zeiten für Verkäufer von Weihnachtsdeko, Kouteina zündet sich erst einmal eine Zigarette an, zieht, lässt sie dann im Aschenbecher liegen.

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