Steckt Deutschland im Identitätskonflikt?


Was meinen wir, wenn wir von deutscher Identität, deutschen Werten und deutscher „Leitkultur“ sprechen? (imago / Hartwig Lohmeyer)
Der Einfluss fremder Kulturen, die vermeintlich den historisch gewachsenen Wertekonsens in Deutschland überlagern könnten, macht vielen Menschen Angst. Doch was meint man, wenn man „wir Deutsche“ sagt? Gibt es überhaupt so etwas wie eine kulturelle Identität?

Von Oliver Kranz | Deutschlandfunk

Wenn Gayle Tufts „Jingle Bells“ singt, wippt ihr Publikum im Takt. Der Song gehört längst zur deutschen Folklore. Vor 50 Jahren wurde noch vor einer Amerikanisierung der deutschen Kultur gewarnt.

„Das hat sich mit dem Amerikanischen so ergeben, dass das den Leuten so vorkommt, als wäre das schon ihr Eigenes“,  sagt Dina Emundts, Professorin am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin. „Da sind die schon von Kindheit auf dran gewöhnt. Wenn die sich ihre Geschichte erzählen, ist das von dem Amerikanischen schon gar nicht mehr loszulösen.“

Permanente Aneignungs- und Abschottungsprozesse

Ein einfaches Beispiel dafür, wie sich kulturelle Traditionen wandeln. Es laufen permanent Aneignungs- und Abschottungsprozesse. Deshalb ist es kaum möglich von einer kulturellen Identität zu reden. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff trotzdem verwendet – meist um das Eigene vom Fremden zu unterscheiden.

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