Eine Elite bilden, die den Staat leitet

Die Gülen-Bewegung präsentiert sich als offene Bildungsbewegung mit moderatem Islamverständnis. Doch in Wirklichkeit habe sie sektenähnliche Strukturen und verfolge eine geheime Agenda, sagen Kritiker. Der türkische Präsident betrachtet Gülen mittlerweile sogar als Staatsfeind Nummer eins.

Von Timur Tinç | Qantara.de

Der heute 76-jährige Fethullah Gülen wurde bereits mit 18 Jahren Imam und gewann in den 1980er Jahren als Wanderprediger immer mehr Anhänger. „Schulen bauen statt Moscheen“ war sein Credo, und er erfreute sich der aktiven Unterstützung säkularer Regierungen zwischen 1986 und 1997. In der Türkei schossen Nachhilfezentren, Studentenheime und Universitäten wie Pilze aus dem Boden und bildeten das finanzielle Fundament der Bewegung. Die Finanzen wurden von der Kaynak-Holding verwaltet. Medienhäuser, Kliniken und ein Kreditinstitut – die Bank Asya – kamen hinzu.

Gleichzeitig eröffneten reiche Geschäftsleute in den ehemaligen Sowjetstaaten, insbesondere im Kaukasus, in den neuen Balkanstaaten sowie in Afrika und Mittelasien rund 1.000 Schulen in 160 Ländern, die moderne und säkulare Bildung anboten. Deren Aufbau wurde vom türkischen Außenministerium gefördert, die Abschlüsse vom Bildungsministerium anerkannt.

Orientierung am konservativen islamischen Mainstream

„Gülen wurde zu einem ‚Vorzeigemuslim‘ stilisiert, der eine Synthese zwischen islamischen Werten und der vom Kemalismus vorgegebenen Trennung von Islam und Politik anbot“, sagt Islamwissenschaftler Bekim Agai von der Goethe-Universität Frankfurt. Bei einem näheren Blick in die Schriften stelle man jedoch fest, dass sich sein Islamverständnis am konservativen Mainstream orientiert und seine Argumentationen traditionell sind. Sein Ziel sei es, eine fromme Elite auszubilden, die in der Lage ist, den Staat zu leiten und letztlich zu kontrollieren.

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Breitscheidplatz: Wer ist der Imam, der bei der Gedenkfeier betete?

Bild; Video N24. Screengrab: bb
Die Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz sorgt für Empörung beim American Jewish Committee. Im Zentrum der Kritik steht ein Imam, der ein Gebet sprach, und ein fragwürdiger Facebook-Post.

Von Manuel Bewarder, Ricarda Breyton | DIE WELT

Nach den Gedenkfeierlichkeiten zum Jahrestag des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz steht die Evangelische Kirche Berlin in der Kritik. Grund ist ihre Zusammenarbeit mit der Dar-as-Salam-Moschee, die wiederholt in den Berichten des Berliner Verfassungsschutzes auftaucht. Mohamed Matar – ein Jugendseelsorger der Moschee – hatte neben Vertretern des Christen- und Judentums ein Gebet bei der Gedenkfeier gesprochen. Eingeladen hatte ihn die evangelische Kirche – auf Vorschlag des Berliner Zentralrats der Muslime.

Das American Jewish Committee (AJC) reagierte empört, nachdem die „Bild“-Zeitung den Fall öffentlich gemacht hatte. Es sei zynisch, dass ausgerechnet ein Vertreter einer vom Verfassungsschutz „beobachteten“ Moschee bei der Gedenkfeier gesprochen habe, schrieb die Organisation bei Twitter. Die Dar-as-Salam-Moschee wird regelmäßig in den Berichten des Verfassungsschutzes aufgelistet, weil sie Verbindungen zur Muslimbruderschaft haben soll. Schon mehrmals hatte die evangelische Berliner Gedächtniskirche mit dem Moscheeverein zusammengearbeitet – und ihr Vorgehen stets verteidigt.

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Austria: Sebastian Kurz will nicht weiter über Flüchtlingsquoten reden

Wenige Tage nach seiner Wahl zum österreichischen Bundeskanzler erklärt Sebastian Kurz das Ringen um verbindliche Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen in den EU-Staaten für aussichtslos. EU-Kommissar Avramopoulos indes dringt auf Fairness.

evangelisch.de

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz spricht sich gegen weitere Verhandlungen in der EU über verbindliche Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen aus. Die Mitgliedsstaaten sollten selbst entscheiden, ob sie Menschen aufnehmen und wie viele Flüchtlinge sie gegebenenfalls ins Land lassen, forderte er. EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos indes sagte, die künftige europäische Asyl- und Migrationspolitik müsse „fair und ausgewogen sein“.

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„Die Jungfräulichkeit Marias ist biologisch nicht deutbar“

Die Geburt von Jesus Christus durch eine Jungfrau unterstreicht ihren Stellenwert als göttliches Wunder. Die Jungfrauengeburt Marias hatte Vorbilder im Alten Testament, ist aber dennoch einzigartig und der Kern der christlichen Marienverehrung.

Von Johanna Grillmayer | religion.ORF.at

Es ist alles andere als „belegt“, dass die Mutter von Jesus Christus unbedingt im biologischen Sinn jungfräulich war: Das hebräische Wort almah bedeutet junge Frau, vielleicht Hofdame, so die Theologin Irmtraud Fischer im Gespräch mit religion.ORF.at. In der griechischen Übersetzung, an der die Evangelien sich orientieren, der Septuaginta, wird das mit parthenos übersetzt. Das bedeutet Jungfrau im Sinne von: noch nicht verheiratet.

Das Eingreifen Gottes

Dabei ist die Jungfräulichkeit Marias in der Bibel „ganz wichtig, sie ist aber keine biologische, sondern eine theologische“, sagte die Theologin, die das Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz leitet. „Die Bibel macht theologische Aussagen, das hat mit Biologie nichts zu tun. Es geht um das Eingreifen Gottes.“

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Fliegen sind Transportmittel für zahlreiche und auch gefährliche Bakterienarten

Schmeißfliege (Chrysomya megacephala. Bild: Muhammad Mahdi Karim/GFDL 1.2
Eine Mikrobiom-Genanalyse offenbart, dass Haus- und Schmeißfliegen vor allem mit ihren Beinen und Flügeln massenhaft Bakterien verbreiten

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die schon gefährlich schimmernden Schmeißfliegen findet wohl jeder eklig, zumal wenn sie auf dem Essen landen. Man ahnt vage, was sie mit sich schleppen könnten, weil sie überall zugange sind, wo es Kot oder überhaupt sich zersetzende pflanzliche oder tierische Teile gibt. Aber auch normale Stubenfliegen nehmen bei ihren Wanderungen auf Oberflächen zahlreiche Mikroorganismen vor, darunter viele Pathogene für Menschen, die sie mit ihren Beinen dann weiter u.a. auf Lebensmitteln verteilen.

Dass Fliegen Pathogene und Infektionskrankheiten verbreiten, ist nichts Neues. Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte man bei Reisen nach Südeuropa in Metzgereien oder Märkten sehen, wo sich das Fleisch auch im Freien ausgestellt war, wie Schwärme von Fliegen hinwegkrabbelten und ihre winzigen Gäste wohl in Massen hinterließen. Aber auch in Häusern auf dem Land waren im Sommer haufenweise Fliegen unterwegs. Mit dem Insektenaussterben hat sich auch das wahrscheinlich verändert und verschwinden diese, die schon seit langem aus den meisten Häusern im Zuge der Hygenisierung verschwunden sind, nun auch in der Umwelt, die Fliegen inklusive.

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Krieg der Schlauberger – Inside Wikipedia

Die Biografin. Silvia Stieneker, 39, schreibt auf Wikipedia unter dem Nutzernamen Siesta. Themenbereiche: Literatur, politischer…Foto: Mike Wolff
Recht haben, mehr wissen, einander belehren – was treibt die Menschen, die das Weltwissen gratis verfügbar machen?

Von Sebastian Leber | DER TAGESSPIEGEL

Im ersten Stock eines Altbaus in Berlin-Kreuzberg steht eine imposante Bücherwand. Hunderte ledergebundene Werke reihen sich aneinander. Sie tragen Namen aus einer anderen Zeit: Brockhaus, Encyclopaedia Britannica, Volkslexikon. Bei manchen blättert der goldene Prägedruck ab.

Menschen, die keine Verwendung mehr für diese Bücher hatten, sich aber nicht überwinden konnten, sie wegzuwerfen, brachten sie her. Wer braucht heute schon papierne Nachschlagewerke, wo es doch die Wikipedia gibt. Allein die deutsche Version umfasst mittlerweile 2,1 Millionen Artikel. Druckte man alles aus, ohne die Bilder, entspräche das mehr als 1000 Lexikonbänden.

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Die letzten Kämpfer gegen Erdogan

Das kurdische Diyarbakir im Südosten der Türkei: Viele Kinder sind nach den Bombardierungen der vergangenen Jahre traumatisiert Quelle: picture alliance/AP Photo
In der Türkei stehen Nichtregierungsorganisationen unter großem Druck – nur regierungsnahe Vereine sind erwünscht. Trotz der Verhaftungen und fehlender Gelder führen einige ihre Arbeit weiter.

Von Zeynep Simsek | DIE WELT

Die Rechte von Homosexuellen werden gestärkt, Frauen auf ihrem Weg zur Gleichberechtigung unterstützt, und traumatisierten kurdischen Kindern wird geholfen. Über lange Zeit trugen Nichtregierungsorganisationen entscheidend zur Modernisierung der Türkei bei. Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, dass dieses zivilgesellschaftliche Engagement mal möglich war.

Seit mehr als einem Jahr herrscht in dem Land der Ausnahmezustand – nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 wurde er von Präsident Recep Tayyip Erdogan verhängt und seitdem immer wieder verlängert. Für viele türkische Vereine und zivilgesellschaftliche Organisationen bedeutet der Ausnahmezustand das Ende, denn er erlaubt der Regierung, per Notstandsdekret unliebsame Gruppen zu verbieten. Nahezu 400 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wurden bereits geschlossen.

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Großspenden für CDU und FDP

Aufnahme einer Protestaktion in Berlin aus dem Wahljahr 2013 mit der Forderung, Großspenden an Parteien über 50.000 Euro zu verbieten. Foto: Imago
2017 haben CDU und FDP mit Abstand die meisten Großspenden erhalten. Die veröffentlichten Zahlen machen laut Lobbycontrol jedoch nur ein „Bruchteil“ der geflossenen Gelder von Wirtschaftsunternehmen aus.

Frankfurter Rundschau

Im Wahljahr 2017 haben die CDU und die FDP mit Abstand die meisten Großspenden von Wirtschaftsunternehmen und vermögenden Gönnern erhalten. Dabei strich die Union bis kurz vor Weihnachten meldepflichtige Großspenden von insgesamt fast 2,9 Millionen Euro ein. Die FDP erhielt insgesamt rund 1,9 Millionen Euro. Diese Zahlen gehen aus Veröffentlichungen der Bundestagsverwaltung hervor.

Die FDP bekam damit nach einer Auswertung des Vereins Lobbycontrol mehr als doppelt so viel wie im Bundestagswahljahr 2013, auch an die CDU floss mehr Geld als vor vier Jahren. Insgesamt gingen 2017 rund 5,5 Millionen Euro an Großspenden an die im Bundestag vertretenen Parteien.

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„Fake News“ oder „atmender Deckel“ könnte auf „Volksverräter“ folgen

Was waren die unangemessensten Begriffe 2017? ©DPA
Oder haben die „alternative Fakten“ die Debatte 2017 besonders unschön geprägt? „Bio-Deutsche“? Noch kann jeder Unwort-Vorschläge einreichen.

Frankfurter Allgemeine

Begriffe wie „Fake News“ und „atmender Deckel“ haben Chancen, „Unwort des Jahres 2017“ zu werden. Das teilte eine Sprecherin der sprachkritischen Jury in Darmstadt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Der Begriff „Fake News“ bezieht sich auf vorgetäuschte oder falsche Nachrichten und wurde unter anderem von Amerikas Präsident Donald Trump häufiger verwendet. „Atmender Deckel“ stammt aus der Diskussion über die Begrenzung der Flüchtlingszahlen. Das „Unwort des Jahres“ soll am 16. Januar 2018 in Darmstadt bekanntgegeben werden. Für 2016 war der Begriff „Volksverräter“ gewählt worden.

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Starbucks USA: Gegen diesen Becher laufen Konservative Sturm

Die Holiday Cups von Starbucks sollen die Vorfreude auf Weihnachten steigern. Ein Zeichen der Zärtlichkeit bringt allerdings rechte Christen auf die Palme.

20min.ch

Seit genau 20 Jahren lanciert die Kaffeehaus-Kette Starbucks in der Vorweihnachtszeit spezielle Weihnachtsbecher, die sogenannten Holiday Cups (im Video sehen Sie alle Becher in ihrer ganzen Pracht). Das Design dieser Pappbecher hat schon öfter für erhitzte Gemüter gesorgt – zuletzt im Jahr 2015. Vielen Kunden war der Becher zu rot und minimalistisch, wie das «Handelsblatt» schrieb. Konservative Christen unterstellten dem Unternehmen gar einen Hass auf Jesus, weil auf dem Becher keine typisch weihnachtlichen Motive zu sehen waren.

In diesem Jahr kann von Minimalismus keine Rede sein: Geschenke, ein Weihnachtsbaum und Friedenstauben tummeln sich auf dem Becher, der nur spärlich rot und grün gefärbt und sonst fast ganz in Weiss gehalten ist, damit man ihn selbst bemalen kann. Doch ein winzig-kleines Detail treibt Vertretern aus konservativen Kreisen die Zornesröte ins Gesicht: zwei sich haltende Hände. «Distractify» zufolge ist die christliche Rechte überzeugt, dabei handele es sich um zwei Lesben, und Starbucks wolle mit den Bechern Homosexuelle ins Blickfeld rücken.

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Erbarmungsloses Gaffen

Grafik: TP
Ist dies ein neues Phänomen? Oder gab es diese unerbittliche, rohe Schaulust schon immer? Horden von Gaffern filmen die Szenerie eines Unfalls und behindern dabei sogar die Rettungskräfte.

Von Jörg Räwel | TELEPOLIS

Es zeugt von Hilflosigkeit, wenn sich Kräfte der Feuerwehr bemüßigt sehen, filmende Gaffer anzuspritzen, oder sich die Polizei über die Skrupellosigkeit der schamlosen Gaffer empört. Sind dies extreme Einzelfälle, wenn Schaulustige einem Selbstmordwilligen „Spring doch!“ zurufen, um die Szene mit ihrem Handy zu filmen? Oder sind es tatsächlich extreme Ausprägungen eines neuen gesellschaftlichen Phänomens, wenn ein junges Mädchen den Tod ihrer Schwester bei einem Autounfall, den sie selbst verursachte, live für ihre Instagram-Follower filmt?

Natürlich ist zunächst nicht unplausibel festzuhalten, dass das „Unmenschliche zur Menschheitsgeschichte“ gehört. Zu denken ist an die grausamen Spektakel der Gladiatorenkämpfe im antiken Rom; auch öffentliche Hinrichtungen im Mittelalter glichen wohl oft Volksfesten. Wir wollen dennoch im Folgenden, entgegen einer vermuteten Kontinuität menschlicher Grausamkeit, soziologisch informiert erläutern1, dass sich in unserer Gesellschaft neue Formen der Kommunikation ausdifferenziert haben, die narzisstisches, selbstbezogenes Handeln wahrscheinlicher machen, als früher.

Bekanntlich, folgt man Marx und Engels, bestimmt das Sein das Bewusstsein. Wobei das „Sein“ der Menschen als „animal sociale“ im wesentlichen ihrer kommunikativen Umwelt entspricht, den Formen der Kommunikation, denen sie sich aussetzen. Und natürlich gilt ebenso: Das Bewusstsein wiederum beeinflusst die Form der möglich werdenden Kommunikation. Kaum anzuzweifeln ist, dass sich die kommunikative Umwelt, das kommunikative „Sein“ der Menschen, mit dem Aufkommen der sozialen Medien (Facebook, Twitter, Instagram etc.) in den gut letzten 10 Jahren radikal verändert hat. – Ja, es ist tatsächlich erst knapp 15 Jahre her, dass Facebook, mit nunmehr 2 Milliarden aktiven Nutzern, gegründet wurde. Instagram, mit mittlerweile etwa 700 Millionen Nutzern, besteht erst seit etwa 7 Jahren. Sollte angesichts dieser radikalen Veränderungen nicht mit gravierenden Bewusstseinsveränderungen gerechnet werden?

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Weihnachtsflut 1717: Dort an den Bäumen scheusliche Leichen hangend

Allein in Ostfriesland ertranken mehr als 2700 Menschen: zeitgenössische Darstellung der Weihnachtsflut Quelle: Wikipedia/Public Domain
Bis zum Abend des 24. Dezember 1717 blies der Wind noch von Südwesten. Dann drehte er sich und schob eine Riesenwelle auf die Küsten der Nordsee. Mit der „Weihnachtsflut“ kam die Hölle über das Land.

Von Florian Stark | DIE WELT

„Feuer und Wasser sind sehr gute Diener; aber sehr schlechte Herren“, eröffnete der Chronist C. M. Hafner in seinen „Denkwürdigkeiten aus der ostfriesischen Geschichte“ das Kapitel über die „Weihnachtsfluth von 1717“: „Alle andere Landplagen, ansteckende Krankheiten an Menschen und Vieh, Plünderungen und Verwüstungen feindlicher Heere, und innerliche Unruhen haben in einer Reihe von Jahren zusammengenommen das Elend nicht hervorgebracht, welches diese schreckliche Auch’ in einer Nacht über unser Vaterland hingegossen hat.“

Es war nicht die Vorfreude auf das Weihnachtsfest, die die Menschen an der Nordseeküste von den Niederlanden bis hinauf nach Nordfriesland unaufmerksam werden ließ. Alle Anzeichen standen auf Entwarnung. Bis in die Mittagsstunden des 24. Dezember hatte ein starker Wind aus Südwesten geblasen, der gegen Abend nachließ. Das hatte zur Folge, dass das Abendhochwasser nur wenig erhöht war, was nichts Schlimmes befürchten ließ.

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Kramp-Karrenbauer will härteren Umgang mit Asylbewerbern

Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer verlangt eine obligatorische Altersprüfung bei jungen Flüchtlingen. Das CDU-Präsidiumsmitglied plädiert grundsätzlich für einen härteren Umgang mit Asylbewerbern, die Behörden täuschen.

Von Thomas Vitzthum | DIE WELT

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat sich für eine verbindliche Altersfeststellung im Fall minderjähriger Flüchtlinge ausgesprochen. „Bei unbegleiteten Minderjährigen sollte eine verbindliche Altersprüfung eingeführt werden“, sagte die CDU-Politikerin im Interview mit der WELT. Flüchtlinge geben häufig ein falsches Alter an, um nicht nach dem Asylrecht, sondern nach dem Jugendhilfegesetz behandelt zu werden.

Kramp-Karrenbauer plädiert zudem für einen wesentlich härteren Umgang mit jenen Asylbewerbern, die die Behörden über ihre Identität offensichtlich täuschen. „Jemand, der seine Identität verschleiert oder Papiere vernichtet hat, muss mit harten Konsequenzen rechnen“, sagte sie. Der Staat müsse alle rechtlich gebotenen Möglichkeiten ausschöpfen, um herauszufinden, wer jemand sei. „Notfalls muss er dabei auch auf andere Datenquellen zurückgreifen können, zum Beispiel auf Handys.“

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So geht es Christen im Nahen Osten

Besucher entzünden Kerzen in der Geburtskirche in Bethlehem. Hier befindet sich nach biblischer Überlieferung die Geburtsstätte Jesu Christi. (Foto: UPI/laif)
Juden und Muslime streiten erbittert um Jerusalem. Viele Christen fühlen sich allein gelassen und wünschen sich mehr Unterstützung.

Von Alexandra Föderl-Schmid | Süddeutsche Zeitung

Wenn Pater Nikodemus die Weihnachtsmesse zelebriert, dann sitzen fast ausschließlich Menschen in den Kirchenbänken, die nicht dem christlichen Glauben angehören. Der Großteil der Gottesdienstbesucher in der Jerusalemer Dormitio-Abtei am Zionsberg sind Juden, die die Messe in dieser Nacht als mystisches Erlebnis sehen. Die meisten der deutschsprachigen Christen dagegen, um die sich der Benediktinermönch das Jahr über kümmert, verbringen Weihnachten bei ihren Familien in Deutschland.

Im sogenannten Heiligen Land haben es Christen generell schwer, sich zu behaupten. „In der aktuellen Debatte über Jerusalem spielen Christen gar keine Rolle“, sagt der katholische Mönch, der seit 2003 in der Stadt lebt. Es sei viel die Rede von den heiligen Stätten der Juden und Muslime am Tempelberg, der Klagemauer und der Al-Aqsa-Moschee. Die Grabes- und Auferstehungskirche, das Ziel vieler christlichen Pilger, liegt dagegen etwas abseits in der Altstadt. Allgemein stellt Pater Nikodemus eine „Entbindung der Christen von Jerusalem“ fest: „Das macht mir Sorgen.“

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Maria und Josef sind ganz schön queer!

Maria und Josef mit dem Kinde Quelle: pa/ Heritage-Images, Zumapress
Die Stunde der Geburt Christi ist auch eine des Blickes auf seine Eltern. Sie kommen aus der Vergangenheit, aber sind auch Zukunft. Was uns die heilige Familie immer noch zu erzählen hat.

Von Frédéric Schwilden, Hannah Lühmann | DIE WELT

Er legt sich vor sie auf den Boden. Seine Lippen berühren den kalten Stein. Er traut sich nicht, nach oben zu schauen. Ihre Haut ist monolithisch weiß. Aber seine Augen bleiben geschlossen. Wenn überhaupt, kann er sich ihren Körper, ihre Schönheit nur vorstellen, während er sie verehrt. Die Arme streckt er in ihre Richtung. Seine Hände sind geöffnet, so als warte er darauf, von ihr berührt zu werden. Kerzen, das flüssige Wachs tropft herunter, brennen.

So betet Ubertino da Casale, ein italienischer Mönch aus dem 14. Jahrhundert, in der Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“ zu Maria, der Mutter Gottes. Eine Statue aus Marmor steht da deutlich erhöht vor ihm. Natürlich hat das auch etwas Sexuelles – da ist eine Frau, so mächtig, so schön, bei der man nicht anders kann, als sich komplett zu unterwerfen.

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Sexuelle Übergriffe bei US-Medienunternehmen „Vice“

Mehr als 20 Frauen sollen beim US-Medienunternehmen „Vice“, das auch das gleichnamige Magazin herausgibt, laut einem Bericht der „New York Times“ Opfer oder Zeuge sexueller Übergriffe geworden sein.

derStandard.at

Für den am Samstag veröffentlichten Bericht hatte die Zeitung mehr als 100 derzeitige und frühere Mitarbeiter befragt und mehr als 100 Seiten Dokumente, SMS, E-Mails und andere Unterlagen untersucht.

Aus diesen geht demnach auch hervor, dass „Vice“ vier Betroffenen insgesamt mehr als 170.000 Dollar (143.423,61 Euro) als Einigung zahlte. „Wir haben als Unternehmen von oben herab dabei versagt, einen sicheren und inklusiven Arbeitsplatz zu schaffen“, teilte „Vice“ zu dem Bericht mit. Das Unternehmen habe als „Burschen-Klub“ eine Kultur von „unangemessenem Verhalten gefördert“ und viele Menschen enttäuscht.

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Türkische Regierung will mehr als 100.000 Staatsdiener einstellen

Bild: Magazin „The Economist“
Die türkische Regierung will im kommenden Jahr mehr als 100.000 Stellen im öffentlichen Dienst neu besetzen. Kurz zuvor wurden rund 2700 Menschen aus dem Staatsdienst entlassen.

SpON

Als Folge des Putschversuchs im Juli 2016 hat die türkische Regierung mehr als 150.000 Menschen entlassen oder suspendiert. Nun kündigte Ministerpräsident Binali Yildirim für 2018 die Neueinstellung von 110.000 Beschäftigten an. Darunter sollten 20.000 neue Lehrer und 36.000 Mitarbeiter im Gesundheitswesen sein. Auch religiöse Einrichtungen erhielten neues Personal, sagte der Regierungschef in der südtürkischen Stadt Kilis. Damit solle verhindert werden, dass die Arbeit im Staatsdienst „aufgrund von Personalnot ins Stocken gerät“, sagte Yildirim laut amtlicher Nachrichtenagentur Anadolu.

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EKD-Ratsvorsitzender: Familiennachzug wieder ermöglichen

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die Bundesregierung aufgerufen, den ausgesetzten Familiennachzug für Flüchtlinge wieder zu ermöglichen.

evangelisch.de

Es sei schlecht für die Integration der Menschen, wenn sie sich die ganze Zeit Sorgen um ihre Verwandten in der Heimat machen müssten, sagte er am Sonntag in NDR Info. „Es sind auch so begrenzte Zahlen, dass das auch sehr gut verantwortbar ist.“

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Die Jagd nach dem Stern von Bethlehem

Gemälde der Krippenszene von Octave Penguilly L’Haridon: Viele Theorien ranken sich um den Stern von Bethlehem (Foto: imago/Le Pictorium)
  • Wahrscheinlich zeigte sich in der Zeit um Christi Geburt ein außergewöhnliches Phänomen am Himmel.
  • Doch was war dort zu sehen? Experten sich sich uneinig.
  • Mehrmahls wurde die Theroie einer Supernova in Betracht gezogen, etwa von dem Esa-Astronomen Mark Kidger.

Nicolas Freund | Süddeutsche Zeitung

Den Versuch, aus jahrtausendealten Texten historische Tatsachen ableiten zu wollen, umweht immer ein Hauch von Naivität. Denn natürlich besteht die Möglichkeit, wie sie zum Beispiel auch bei Heinrich Schliemanns Suche nach dem antiken homerischen Troja bestand, dass das gesuchte Objekt schlicht erfunden worden ist. Oft ist Erfundenes und Verbürgtes aber auch durch Ausschmückungen und Allegorisierungen so miteinander verwoben, dass es kaum mehr voneinander zu trennen ist – wie im Falle der Bibel. Auch dem Unglaublichsten kann ein wahrer Kern innewohnen.

So heißt es im Evangelium nach Matthäus, Sterndeuter, besser bekannt als die Heiligen Drei Könige, seien auf der Suche nach dem Messias einem Stern aus dem Osten nach Jerusalem und von dort auf Anweisung König Herodes‘ weiter nach Bethlehem gefolgt.

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Egypt Reportedly Set to Pass Law Criminalizing Atheism

Nein Danke. Brauchen wir nicht. Image. Godless Atheists/FB
We’ve known for a long time now that Egypt is not a safe country for atheists. People who have said publicly that they’re atheists, like Karim al-Banna and Alber Saber, have received prison sentences of up to three years for the crime of “blasphemy” or religious contempt.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

In 2014, government officials said (in an eerily specific way) that there were exactly 866 atheists in the country. It was a way of suggesting they knew who the people were and that the number was getting lower all the time. But in a country of nearly 95 million people, there’s no way that number was even close to accurate. Estimates put the true number anywhere from two million to four million.

Still, over the past few years, atheism itself wasn’t a crime. You only broke the law if you promoted it publicly. That’s why managing a Facebook group for atheists or criticizing Islam put those activists in the government’s crosshairs. That’s also why millions of potential atheists were rounded down to under 1,000: They knew it was safer to remain in the closet.