Maria und Josef sind ganz schön queer!


Maria und Josef mit dem Kinde Quelle: pa/ Heritage-Images, Zumapress
Die Stunde der Geburt Christi ist auch eine des Blickes auf seine Eltern. Sie kommen aus der Vergangenheit, aber sind auch Zukunft. Was uns die heilige Familie immer noch zu erzählen hat.

Von Frédéric Schwilden, Hannah Lühmann | DIE WELT

Er legt sich vor sie auf den Boden. Seine Lippen berühren den kalten Stein. Er traut sich nicht, nach oben zu schauen. Ihre Haut ist monolithisch weiß. Aber seine Augen bleiben geschlossen. Wenn überhaupt, kann er sich ihren Körper, ihre Schönheit nur vorstellen, während er sie verehrt. Die Arme streckt er in ihre Richtung. Seine Hände sind geöffnet, so als warte er darauf, von ihr berührt zu werden. Kerzen, das flüssige Wachs tropft herunter, brennen.

So betet Ubertino da Casale, ein italienischer Mönch aus dem 14. Jahrhundert, in der Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“ zu Maria, der Mutter Gottes. Eine Statue aus Marmor steht da deutlich erhöht vor ihm. Natürlich hat das auch etwas Sexuelles – da ist eine Frau, so mächtig, so schön, bei der man nicht anders kann, als sich komplett zu unterwerfen.

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