„Alles an Jesus ist jüdisch“

Die Judaistin Edna Brocke zu Gast im Deutschlandfunk (Deutschlandradio / Andreas Main)
Jesus von Nazareth ist nach Ansicht der Judaistin Edna Brocke nicht angetreten, eine Religion zu begründen. Er sei durch und durch jüdisch. Es habe in der jüdischen Geschichte „viele Messiasse“ gegeben, sagte Brocke im Dlf. Jüdische Künstler und Denker hätten kein Problem mit Jesus, jedoch mit antijüdischen Folgen in der Kirchengeschichte.

Edna Brocke im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Willkommen zu dieser Weihnachtsausgabe von „Tag für Tag“ unseren Informationen aus Religion und Gesellschaft. Am Mikrofon ist Andreas Main. Es ist fast ein Jahr her, da war in Jerusalem eine Ausstellung über Jesus zu sehen, jenen Mann, dessen Geburt Christen an diesem Weihnachtsfest feiern. In dieser Ausstellung im Israelmuseum ging es um Annäherungen jüdischer Künstler an Jesus. Es wurden Kunstwerke berühmter Künstler wie Chagall gezeigt, aber auch zeitgenössische, unbekanntere Arbeiten.

Eine hochkarätige Ausstellung, die allerdings hierzulande in den Feuilletons komplett ignoriert wurde. Nur bei „Tag für Tag – Aus Religion und Gesellschaft“ gab es einen Beitrag dazu und den hat Edna Brocke gehört, und zwar kurz nachdem sie die Ausstellung in Jerusalem begeistert gesehen hatte. Es entspann sich ein Dialog über Jesus in der Kunst. Und darüber reden wir heute. Edna Brocke ist Israelin, Jüdin, sie lebt in Krefeld und in der Nähe von Tel Aviv. Sie ist Judaistin. Von 1988 bis 2011 hat sie die Begegnungsstätte „Alte Synagoge Essen“ geleitet. Geboren 1943 in Jerusalem engagiert sich die Judaistin bis heute an Unis und im christlich-jüdischen Dialog. Unser Thema heute: „Als Jude geboren in Betlehem – wie sich jüdische Künstler und Denker zu Jesus äußern.“ Danke, dass Sie ins Studio gekommen sind, Frau Brocke, herzlich willkommen.

Edna Brocke: Danke schön.

Main: Gehen wir zum Ausgangspunkt unserer Überlegungen, zu dieser Ausstellung in Israel. Wie haben Sie die empfunden?

Brocke: Sehr eindrucksvoll, einmal, weil sie die Vielfalt jüdischer Künstler einerseits und israelische Künstler andererseits gezeigt hat. Zum anderen, weil – wie ein Basso continuo -bei all den Bildern und auch wenigen Plastiken war eigentlich die Gestalt an sich nicht so sehr zentral, sondern die Folgen historischer, politischer, ökonomischer Art, die durch diese Person dann in der Kirchengeschichte Platz ergriffen hat. Und der Haupteindruck war Bedrückung. Die Folgen des Wirksamwerdens dieser Gestalt mit dem Begriff „ha-isch ha-säah“ – das war ja eine jüdische ablehnende Form, dieser Mensch, eben nicht Ecce-homo, sondern in einer sehr pejorativen Art und Weise – das war der Titel der Ausstellung mit dem Untertitel „jüdische und israelische Künstler“. Bedrückung, ja.

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Dodo Gysi: Ohne Kirche keine Werte wie Barmherzigkeit

Gregor Gysi. Bild: FB

Er glaube zwar nicht an Gott, sagte Gregor Gysi im Dlf. Dennoch halte er Religion für ein Grundbedürfnis des Menschen. Die Kirchen erfüllten eine wichtige Funktion in der Gesellschaft, da sie Moralnormen vorgäben.

Gregor Gysi im Gespräch mit Stephanie Rhode | Deutschlandfunk

Ob Religionen helfen können, politische Spaltungen zu überwinden und gemeinsame Wertefundamente zu stärken oder umgekehrt dazu beitragen, Gesellschaften weiter zu spalten, das diskutierte Stephanie Rhode in der Reihe „Unsere Wurzeln, unser Erbe“ mit Gregor Gysi. Der Politiker war bis 2015 Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag und ist Vorsitzender der Europäischen Linken.

Ohne Kirche keine Werte wie Barmherzigkeit

Gregor Gysi sagte im Dlf, er glaube nicht an Gott, aber habe durchaus Respekt vor Religionen. Im Moment gebe es keine anderen Einrichtungen als christliche Kirchen, die allgemein verbindliche Moralnormen aufstellen könnten. Die Linke könne sie zwar formulieren, doch dadurch würden diese Normen nicht allgemein verbindlich werden. Das liege auch am Scheitern des Staatssozialismus.

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Türkischen Religionsbehörde Diyanet bestätigt DiTiB-Deutschland-Vorsitzenden

Die Zentralmoschee in Köln: Der Verband Ditib hat Nevzat Asikoglu als Vorsitzenden im Amt bestätigt. Foto: dpa
Der Theologe Nevzat Asikoglu bleibt Vorstandsvorsitzender der Ditib, der größten islamischen Dachorganisation in Deutschland. Er sei bei der Mitgliederversammlung am Sonntag in Köln wiedergewählt worden, teilte die Ditib mit.

Berliner Zeitung

An der Versammlung habe auch der Präsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara, Ali Erbas, teilgenommen. Erbas wurde mit den Worten zitiert: „Ich kann hier versichern, dass unsere Religionsbeauftragten ausschließlich religiöse Aufgaben haben. Sie lehren Toleranz, Respekt, Geschwisterlichkeit, Wahrung der Menschenwürde und Verbot der Diskriminierung.“

Klassenkrampf

„Ein deutsches Missverständnis“ nennt die WELT den literarischen Erfolg Bukowskis in Deutschland. Seine Titel waren indessen nicht minder erfolgreich in Italien und Frankreich, wie die folgende Bildstrecke zeigt.
Zwischentöne sind bloß Krampf / im Klassenkampf — so sang einst der linke Barde Franz Josef Degenhardt. Das hat DIE WELT mittlerweile auch schon gecheckt. Sie bringt uns heute den Klassenkrampf.

Von Tom Appleton | TELEPOLIS

Manchmal braucht man einen Moment, bis einem wieder mal klar wird, dass DIE WELT ja nicht eine der großen Zeitungen der Welt ist, sondern nur ein Blatt aus dem Axel-Springer-Verlag. Wie BILD zum Beispiel auch.

„Was könnten wir tun, um alles, was irgendwie als linke Kultur gelten könnte, zu diskreditieren, und die konservative Stimmung im Lande um ein oder zwei Grade aufzuheizen?“

So oder ähnlich scheint man sich dort, in den Chefetagen, schon im Vorfeld zur deutschen Wahl, gefragt zu haben. „Hmmm“, lautete die präsumtive Antwort darauf. „Vielleicht könnten wir irgendeinem linken Autor genug Geld bieten, dass er ein paar Verrisse der linken Leitkultur verfasst?“ Aber nein. Das braucht es heute gar nicht. Man nimmt sich einfach eine jugendliche Edelfeder, und die macht das schon, mit echtem Vim und Brio. Als käme es von Herzen.

Bei „linker Leitkultur“ dachte man allerdings weniger an Peter Weiss oder Peter Hacks. Man dachte eher an alles, was im Westen irgendwie populär ist oder war. Die Beatles. Josef Beuys. Bert Brecht. Oder Charles Bukowski.

Nun wäre es heute schon ein bisschen uncool, selbst in der WELT, den Brecht zu dissen, wozu auch? Man packte ihn also mit dem Bukowski zusammen, sozusagen wie zwei Stück Gammelfleisch in einen Hamburger. Und da wird dann schnell mal „der schreibende Postangestellte Charles Bukowski als kulturrevolutionärer Widerhall von Bertolt Brechts lesendem Arbeiter“ vorgeführt. „Vorgeführt“ heißt hier so viel wie „als Depp vom Dienst bloßgestellt“. Den Artikel kann man hier nachlesen.

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Wohnungseinrüche: BKA erwartet erneuten Rückgang

2016 hatte es erstmals seit Jahren einen Rückgang der Einbrüche gegeben. Foto: Hauke-Christian Dittrich
Etwa jeder Dritte in Deutschland hat im eigenen Umfeld bereits Erfahrungen mit Wohnungseinbrechern machen müssen. Jahrelang stiegen die Fallzahlen auf ein besorgniserregendes Niveau. Doch die Entwicklung im zu Ende gehenden Jahr lässt hoffen.

Frankfurter Rundschau

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland ist voraussichtlich zum zweiten Mal in Folge gesunken. „Nach 2016 erwarten wir auch für 2017 einen spürbaren Rückgang der Fallzahlen bei den Wohnungseinbrüchen“, teilte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, mit.

Diesen Trend sehen auch die Versicherer, auch wenn man sich dort noch etwas zurückhält: „Zahlen der Versicherungswirtschaft bis September 2017 lassen im Vergleich zu 2016 auf einen Rückgang der Einbrüche in Deutschland hoffen“, heißt es vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Das Bild könne sich aber noch deutlich ändern, da vor allem in den dunklen Monaten eingebrochen werde.

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Was ist wichtiger, Wohlstand oder Umweltschutz?

Weihnachtsmarkt in München – ein Ort des Konsums und des übermäßigen Genusses. (Foto: dpa)
Immer mehr Menschen verbrauchen immer mehr Ressourcen. Wie sollen da Klima und Umwelt geschützt werden? Fragen an Ernst Ulrich von Weizsäcker vom Club of Rome.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche Zeitung

Ernst Ulrich von Weizsäcker (78) gehört zu den bekanntesten Umweltwissenschaftlern Deutschlands. Schon 1984 leitete er das Institut für Europäische Umweltpolitik, ab 1991 war er Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Während der rot-grünen Koalition 1998 bis 2005 saß der SPD-Politiker im Bundestag. Seit 2012 ist er einer der Direktoren des Club of Rome.

SZ: Der aktuelle Bericht des Club of Rome trägt den Titel „Wir sind dran“. Der englische Titel lautet „Come on“ im Sinne von „Lasst uns endlich loslegen. Warum wurde beim Klima- und Umweltschutz bisher so wenig erreicht?

Ernst Ulrich von Weizsäcker: Es sind zwei Dinge dazwischen gekommen: Die Bevölkerungsentwicklung und der steigende Pro-Kopf-Konsum. Seit 1972, als der Club of Rome den Bericht „Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht hat, hat sich die Bevölkerung weltweit auf siebeneinhalb Milliarden Menschen verdoppelt. Und der Naturverbrauch hat sich seither mehr als vervierfacht.

Wegen der Bevölkerungsentwicklung hat der Club of Rome 2016 empfohlen, die Zahl der Kinder zu verringern.

In Deutschland hat man über diesen Vorschlag gelacht. Bei uns hat ja die Zahl der Kinder abgenommen. Aber die Bevölkerung weltweit ist gewachsen und wächst weiter.

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Die AfD und die zwei Seiten des Gustav Stresemann

Auf dem Weg nach Paris: Stresemann im Zug © INTERFOTO
Die AfD will eine Stiftung nach Gustav Stresemann benennen. Ein besseres Vorbild für Demokraten lässt sich kaum finden. Man kann eine Menge von dem großen Staatsmann lernen – wenn man auf die richtige Phase seines Lebens blickt.

Von Volker Zastrow | Frankfurter Allgemeine

Die AfD will ihre Parteistiftung nach Gustav Stresemann benennen. Ein besseres Vorbild für Politiker lässt sich kaum finden. Vorausgesetzt, man kommt beim Stresemann-Studium über 1919 hinaus. Sonst hat man das falsche Leitbild: einen knallharten Wilhelministen, der sich 1907, als jüngster Reichstagsabgeordneter, für aggressive Außen-, Flotten- und Kolonialpolitik starkmachte, einen Nationalisten, der im Ersten Weltkrieg auf Annektionen aus war, große Stücke auf Ludendorff hielt und für den unumschränkten U-Boot-Krieg eintrat.

So war der junge Stresemann, und all das hat er überwunden, um zu werden, was er wurde: der überragende deutsche Staatsmann der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein Friedenspolitiker. Ein Demokrat. Ein überzeugter Parlamentarier. Zugleich der härteste Gegner der Rechtsradikalen, Nationalisten und Völkischen – Leute, die in seinen Augen schlicht und einfach „verrückt geworden“ waren.

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Libyen widerruft Seenotrettungszone

Der libysche Alfano Minister besucht die Besatzung des italienischen Marineschiffs Capri, das die libyische Marine und Küstenwache bei der technischen Wartung ihrer Schiffe unterstützt.Bild: Marina Militare
Die libysche Küstenwache wird an ein Kommunikationssystem der italienischen Marine angeschlossen. Anschließend folgt die Integration in eine europäische Plattform. Bislang fehlt allerdings eine maritime Leitstelle

Von Matthias Monroy | TELEPOLIS

Die libysche Einheitsregierung hat die im Sommer angekündigte Einrichtung einer Such- und Rettungszone (Search and Rescue, SAR Zone) vorläufig zurückgenommen. Ein entsprechendes Schreiben des Präsidialrates ging am 10. Dezember bei der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) ein. Zuerst berichtete hierüber der Informationsdienst „Refugees deeply“, kurz darauf bestätigte Reuters die Meldung. Zu den Gründen des Widerrufs ist nichts bekannt. Vermutet wird, dass Libyen nicht alle Bedingungen für die Seenotrettung erfüllt und der am 10. Juli eingereichte Antrag somit nicht offiziell angenommen worden wäre. So hatte die IMO mehrfach bei der Hafenbehörde in Tripolis um Klarstellung zu Einzelheiten ersucht, aber keine befriedigende Antwort erhalten.

Die IMO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in London. Ihren Regeln zufolge darf ein Land nur dann eine SAR-Zone benennen, wenn eine maritime Seenotrettungs-Leitstelle (Maritime Rescue Coordination Center, MRCC) im 24 Stunden-Betrieb gewährleistet ist. Die dort stationierten Behörden sollen Englisch sprechen. Vor Ort müssen ausreichend Kommunikationsmittel und Ambulanzfahrzeuge vorhanden sein, um Rettungsmaßnahmen garantieren zu können. Weil Libyen über kein MRCC verfügt, werden Einsätze zur Seenotrettung derzeit vom MRCC in Rom koordiniert.

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Israel verhandelt mit zehn Ländern wegen Botschaftsumzug

Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Vize-Außenministerin: War nur der Anfang – Auch Rumänien laut Rundfunk unter den Ländern

derStandard.at

Israel steht nach den Worten der Vize-Außenministerin Zipi Hotovely mit „mindestens zehn Ländern“ im Gespräch über eine mögliche Verlegung ihrer Botschaften von Tel Aviv nach Jerusalem. Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen, werde eine „Welle“ ähnlicher Schritte auslösen, sagte Hotovely.

„Was wir bisher gesehen haben, war nur der Anfang“, so die Vize-Außenministerin am Montag dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

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Israel: Sängerin Lorde beugt sich Boykott-Aufrufen

Lorde beim einem Konzert im Berliner Tempodrom. Foto: imago
Vergangene Woche hatte Lorde ein Konzert in Tel Aviv angekünfigt. Nach einer Welle von Zuschriften sagt sie es nun wieder ab und folgt Aufrufen zum Israel-Boykott.

Frankfurter Rundschau

Die neuseeländische Sängerin Lorde hat Boykottaufrufen nachgegeben und ein geplantes Konzert in Israel abgesagt. Sie habe „eine überwältigende Zahl von Nachrichten und Briefen bekommen und mit vielen Menschen, die verschiedene Meinungen haben, diskutiert“, teilte die 21-Jährige am Sonntag über den israelischen Konzertveranstalter Naranjah mit. „Und ich denke, die richtige Entscheidung ist zum jetzigen Zeitpunkt, die Show abzusagen.“

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„Wurst essen ist gefährlicher als Glyphosat“

Professor Andreas Hensel: „Wenn es stark riecht oder sich komisch anfühlt, nicht kaufen!“ Quelle: picture-alliance
Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, wirft interessierten Kreisen vor, bewusst Ängste gegen das Unkrautgift geschürt zu haben. Wirkliche Gefahren lauerten hingegen in der Küche und im Spielzeug.

Von Claudia Ehrenstein | DIE WELT

Glyphosat im Bier oder Dioxin in Eiern: Die Deutschen geraten schnell in Panik, wenn es um ihre Ernährung geht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde 2002 als Reaktion auf die BSE-Krise gegründet und analysiert seither Lebensmittel, aber auch Kosmetika oder Textilien auf Gesundheitsrisiken. BfR-Präsident Professor Andreas Hensel sieht besonders in den privaten Haushalten gefährlichen Leichtsinn.

DIE WELT: Herr Professor Hensel, die „German Angst“ ist ein weltweit bekannter Begriff. Sind wir ein Volk von Angsthasen?

Andreas Hensel: Nein, so einfach ist das nicht, jede Nation hat ihre Dämonen. Die Deutschen sind aber in ihrer Angst sehr fundamental. Bei Gefahr fragen sie sich sofort: Was bedeutet das für mich? Für meine Familie? Kann ich daran sterben? Statistische Wahrscheinlichkeiten, um die es in der Risikobewertung ja geht, spielen dann kaum eine Rolle.

DIE WELT: Wovor fürchten sich die Deutschen am meisten?

Hensel: Die Angst vor Chemie ist bei den Deutschen tief verwurzelt. Wenn sie Dioxin oder einen anderen nach Chemie klingenden Begriff nur hören, geraten viele geradezu in eine Stressreaktion, auch wenn nachweislich kein akutes Risiko besteht. Ängste unterliegen aber auch einer gewissen Konjunktur. Derzeit fürchten sich die Menschen vor allem vor islamistischem Terror und Kriminalität durch Flüchtlinge. Dabei ist das Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken, sehr viel größer.

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Die Heilsarmee ist auch eine Firma

Die Heilsarmee sammelt Spenden im Helmhaus in Zürich, im Dezember 1965. (Bild: Baumann / Comet / ETHZ)
Strenge Uniformen und weihnächtliche Topfkollekten sind ihr Markenzeichen. Doch die Heilsarmee ist mehr als nur eine Freikirche. Sie ist ein komplexes Unternehmen.

Von Thomas Fuster | Neue Zürcher Zeitung

Eigentlich, so lehrt es das Christentum, ist der Advent die Zeit der Besinnung und Einkehr. Für die Heilsarmee sind die Wochen vor Weihnachten aber von Betriebsamkeit ge­prägt. Viele Mitglieder singen und musizieren auf den Strassen, um im Rahmen der traditionellen Topfkollekte eine Spende oder ein bisschen Aufmerksamkeit der vorbeieilenden Passanten zu erwirken. Weder Kälte noch Schnee können den zumeist leicht ange­grau­ten Musizierenden etwas anhaben, und mit ihren Uniformen zeigen sie sich auch immun gegenüber Modetrends und Eitelkeiten. Bei der 1865 in London gegründeten Freikirche, die sich zum Ziel setzt, sowohl die materielle als auch die seelische Not der Menschen zu lindern, scheint die Zeit stillzustehen.

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US-Kongress verlängert NSA-Befugnis zur Massenüberwachung

(Bild: pixabay.com)
Die US-Volksvertreter haben sich drei Wochen mehr Zeit gegeben, um über eine Reform einer Kernklausel für die Überwachung „ausländischer Kommunikation“ durch die NSA zu entscheiden. Bürgerrechtler und Geheimdienstler machen Druck.

Von Stefan Krempl | heise online

Eigentlich sollte der seit Langem umkämpfte Paragraf 702 des Foreign Intelligence Surveillance Acts (FISA) Ende des Jahres auslaufen. Doch der US-Kongress hat laut Berichten von Medien und Bürgerrechtlern am Donnerstag im Rahmen eines allgemeinen Gesetzes zur Sicherung des Bundeshaushalts für das kommende Jahr beschlossen, den Gesetzesabschnitt zunächst bis zum 19. Januar 2018 in Kraft zu lassen. Bis dahin wollen die Volksvertreter eine längerfristige Lösung zur Reform der Klausel finden, die der NSA weitreichende Befugnisse zur Überwachung „ausländischer Kommunikation“ in die Hand gibt.

Abschnitt 702 FISA war neben der mit dem „USA Freedom Act“ bereits 2015 überarbeiteten zweiten Überwachungsklausel in Form von Paragraf 215 Patriot Act mit den Snowden-Enthüllungen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

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Vatikan: Femen-Aktivistin reißt Jesus-Figur aus Weihnachtskrippe

Eine Femen-Aktivistin läuft auf die Krippe auf dem Petersplatz im Vatikan zu. Foto: Reuters
Zwei Stunden vor dem „Urbi et Orbi“ des Papstes hat eine Frau auf dem Petersplatz ihren Oberkörper entblößt und die Jesusfigur aus einer Krippe gerissen.

Frankfurter Rundschau

Kurz vor der Verkündung der Weihnachtsbotschaft durch Papst Franziskus hat im Vatikan eine barbusige Femen-Aktivistin für Aufsehen gesorgt. Die 25-jährige Ukrainerin entblößte am Montag an der Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz ihren Oberkörper, rief auf Englisch „Gott ist eine Frau“ und riss die Jesusfigur aus der Krippe, wie die italienische Polizei mitteilte. Die Aktivistin wurde festgenommen.

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Flüchtlingskrise: Bis wohin reicht der Segen, und wann beginnt der Fluch?

Seit 2015 erleben die Deutschen eine Erschütterung durch die Flüchtlingskrise. Den Notleidenden zu helfen, ist nobel. Aber die gute Absicht, wenn sie sich selbst überfordert, schützt nicht gegen unbeabsichtigte Folgen.

Von Michael Stürmer | DIE WELT

Von den Schreckensbildern an den Südostgrenzen Europas im Sommer des Jahres 2015 bis zu den Exzessen auf der Kölner Domplatte bekamen die Deutschen eine doppeldeutige Lektion in „moral hazard“: Des Guten zu viel, so lautet die einfachste Übersetzung eines sehr alten und sehr neuen sittlichen Zwiespalts. Völkerwanderungen sind kein Picknick, sondern Aufbruch in unbekanntes, unvermessenes Gelände. Ein Schicksalsschlag für jene, die aufbrechen ins Nichts – und eine existenzielle Prüfung für alle anderen.

Den Notleidenden ist zu helfen, nach besten Kräften. Aber weder bedingungslos noch grenzenlos. Das Gastrecht ist heilig, jedenfalls in der Theorie. Aber über Gäste sagt der Volksmund in unverstelltem Zynismus, man freue sich zweimal: Einmal, wenn sie kommen, das zweite Mal, wenn sie gehen.

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Streit wegen Terrorgefahr: Tunesien suspendiert Emirates-Flüge

Tunesien hat der Fluggesellschaft Emirates die Landeerlaubnis entzogen. Als Reaktion darauf stellte Emirates den Flugverkehr zwischen Dubai und Tunesien ein

Die Presse.com

Tunesien hat der Fluggesellschaft Emirates die Landeerlaubnis entzogen, nachdem seit Freitag einige tunesische Frauen ohne Angabe von Gründen nicht mehr an Bord gehen durften. Hintergrund ist ein Streit zwischen Tunesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über Sicherheitsrisiken, die von tunesischen Frauen ausgehen sollen.

Als Reaktion auf die Entscheidung der tunesischen Behörden stellte Emirates ab Montag den Flugverkehr zwischen Dubai und Tunesien ein.

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Erzapostel Woelki: Jeder Mensch braucht eine Wohnung

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat das Menschenrecht auf Wohnen hervorgehoben.

evangelisch.de

„Jeder Mensch braucht eine Wohnung, die ihm Heimat ist“, sagte Kardinal Woelki laut Redetext in seiner Weihnachtspredigt am Montag im Kölner Dom. Die rund 860.000 wohnungslosen Menschen in Deutschland hätten diese Sicherheit und diesen Schutz jedoch nicht. 50.000 von ihnen seien ganz ohne Obdach und lebten das ganze Jahr auf der Straße.

Dabei sei Obdachlosigkeit nicht nur wegen der Kälte, sondern auch aufgrund von Gewalt lebensgefährlich: „Immer wieder hören und lesen wir davon, dass Obdachlose bestohlen, ausgeraubt, geschlagen oder gar angezündet werden.“

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„Cumhuriyet“-Prozess in Istanbul nach Eklat auf 9. März vertagt

HP von Cumhuriyet.tr. Screenshot: bb
Die 17 Journalisten und Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ sind in der Türkei der „Unterstützung von Terrororganisationen“ angeklagt.

Die Presse.com

Nach der fünften Anhörung ist der umstrittene Prozess gegen 17 Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ am Montag vertagt worden. Vier der Angeklagten bleiben weiter in Haft, die nächste Anhörung findet am 9. März statt. Die Anhörung war zuvor nach einem Eklat vorübergehend unterbrochen worden.

Richter Abdurrahman Orkun Dag ließ den Angeklagten Ahmet Şik (sprich: Schik) aus dem Saal bringen, nachdem dieser bei seiner Verteidigung die Regierung kritisiert hatte. Unterstützer Şiks riefen daraufhin: „Auch ihr werdet alle eines Tages vor Gericht gestellt werden.“

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Umstrittenes Todesurteil für iranisch-schwedischen Mediziner bestätigt

Der Oberste Gerichtshof in Iran hat das umstrittene Todesurteil für einen international renommierten Mediziner bestätigt. Das teilte Generalstaatsanwalt Abbas Jafari Dolatabadi am Montag mit.

Neue Zürcher Zeitung

Der iranisch-schwedische Wissenschafter Ahmad-Resa Jalali habe gestanden, streng geheime Dokumente über das iranische Nuklear- und Verteidigungsprogramm sowie Informationen über iranische Atomwissenschafter an ausländische Geheimdienste weitergegeben zu haben.

Dafür habe er sowohl Geld als auch die schwedische Staatsangehörigkeit erhalten, erklärte der Generalstaatsanwalt nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna. Wann die Hinrichtung stattfinden soll, sagte Dolatabadi nicht.

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Iranische Turnerin (10) zeigt sich bei Turnier ohne Kopftuch – jetzt droht Ärger

Eine iranische Sportlerin beim Kugelstoßen mit Kopftuch. Getty Images
Einer zehnjährigen iranische Turnerin droht ein Disziplinarverfahren, weil sie angeblich bei einem internationalen Wettbewerb im Ausland ohne Kopftuch aufgetreten ist.

FOCUS ONLINE

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ISNA vom Montag will der Turnverband dem Sportministerium die Angelegenheit melden und gegen das Mädchen ein Disziplinarverfahren einleiten. Eine iranische Sportlerin im Ausland ohne Kopftuch sei nicht akzeptabel, erklärte der Verband.

Der Vater des Mädchens, Farshid Abdipur, bezeichnete die Aufregung als absurd. Seine Tochter habe an keinem Wettbewerb teilgenommen, sondern lediglich während eines privaten Aufenthalts der Familie in Armenien bei armenischen Turnerinnen mittrainiert.

Das Bild ohne Kopftuch, das später in den sozialen Medien auftauchte, habe er selbst gemacht. „Was meine Familie und ich privat machen, geht den Verband doch nichts an“, sagte Abdipur der Nachrichtenagentur ISNA.

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