Die AfD und die zwei Seiten des Gustav Stresemann


Auf dem Weg nach Paris: Stresemann im Zug © INTERFOTO
Die AfD will eine Stiftung nach Gustav Stresemann benennen. Ein besseres Vorbild für Demokraten lässt sich kaum finden. Man kann eine Menge von dem großen Staatsmann lernen – wenn man auf die richtige Phase seines Lebens blickt.

Von Volker Zastrow | Frankfurter Allgemeine

Die AfD will ihre Parteistiftung nach Gustav Stresemann benennen. Ein besseres Vorbild für Politiker lässt sich kaum finden. Vorausgesetzt, man kommt beim Stresemann-Studium über 1919 hinaus. Sonst hat man das falsche Leitbild: einen knallharten Wilhelministen, der sich 1907, als jüngster Reichstagsabgeordneter, für aggressive Außen-, Flotten- und Kolonialpolitik starkmachte, einen Nationalisten, der im Ersten Weltkrieg auf Annektionen aus war, große Stücke auf Ludendorff hielt und für den unumschränkten U-Boot-Krieg eintrat.

So war der junge Stresemann, und all das hat er überwunden, um zu werden, was er wurde: der überragende deutsche Staatsmann der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein Friedenspolitiker. Ein Demokrat. Ein überzeugter Parlamentarier. Zugleich der härteste Gegner der Rechtsradikalen, Nationalisten und Völkischen – Leute, die in seinen Augen schlicht und einfach „verrückt geworden“ waren.

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