Flüchtlingskrise: Bis wohin reicht der Segen, und wann beginnt der Fluch?


Seit 2015 erleben die Deutschen eine Erschütterung durch die Flüchtlingskrise. Den Notleidenden zu helfen, ist nobel. Aber die gute Absicht, wenn sie sich selbst überfordert, schützt nicht gegen unbeabsichtigte Folgen.

Von Michael Stürmer | DIE WELT

Von den Schreckensbildern an den Südostgrenzen Europas im Sommer des Jahres 2015 bis zu den Exzessen auf der Kölner Domplatte bekamen die Deutschen eine doppeldeutige Lektion in „moral hazard“: Des Guten zu viel, so lautet die einfachste Übersetzung eines sehr alten und sehr neuen sittlichen Zwiespalts. Völkerwanderungen sind kein Picknick, sondern Aufbruch in unbekanntes, unvermessenes Gelände. Ein Schicksalsschlag für jene, die aufbrechen ins Nichts – und eine existenzielle Prüfung für alle anderen.

Den Notleidenden ist zu helfen, nach besten Kräften. Aber weder bedingungslos noch grenzenlos. Das Gastrecht ist heilig, jedenfalls in der Theorie. Aber über Gäste sagt der Volksmund in unverstelltem Zynismus, man freue sich zweimal: Einmal, wenn sie kommen, das zweite Mal, wenn sie gehen.

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