„Wurst essen ist gefährlicher als Glyphosat“


Professor Andreas Hensel: „Wenn es stark riecht oder sich komisch anfühlt, nicht kaufen!“ Quelle: picture-alliance
Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, wirft interessierten Kreisen vor, bewusst Ängste gegen das Unkrautgift geschürt zu haben. Wirkliche Gefahren lauerten hingegen in der Küche und im Spielzeug.

Von Claudia Ehrenstein | DIE WELT

Glyphosat im Bier oder Dioxin in Eiern: Die Deutschen geraten schnell in Panik, wenn es um ihre Ernährung geht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde 2002 als Reaktion auf die BSE-Krise gegründet und analysiert seither Lebensmittel, aber auch Kosmetika oder Textilien auf Gesundheitsrisiken. BfR-Präsident Professor Andreas Hensel sieht besonders in den privaten Haushalten gefährlichen Leichtsinn.

DIE WELT: Herr Professor Hensel, die „German Angst“ ist ein weltweit bekannter Begriff. Sind wir ein Volk von Angsthasen?

Andreas Hensel: Nein, so einfach ist das nicht, jede Nation hat ihre Dämonen. Die Deutschen sind aber in ihrer Angst sehr fundamental. Bei Gefahr fragen sie sich sofort: Was bedeutet das für mich? Für meine Familie? Kann ich daran sterben? Statistische Wahrscheinlichkeiten, um die es in der Risikobewertung ja geht, spielen dann kaum eine Rolle.

DIE WELT: Wovor fürchten sich die Deutschen am meisten?

Hensel: Die Angst vor Chemie ist bei den Deutschen tief verwurzelt. Wenn sie Dioxin oder einen anderen nach Chemie klingenden Begriff nur hören, geraten viele geradezu in eine Stressreaktion, auch wenn nachweislich kein akutes Risiko besteht. Ängste unterliegen aber auch einer gewissen Konjunktur. Derzeit fürchten sich die Menschen vor allem vor islamistischem Terror und Kriminalität durch Flüchtlinge. Dabei ist das Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken, sehr viel größer.

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