Der ökumenische Aufbruch im Lutherjahr blieb aus

Auf protestantischer wie katholischer Seite agieren weiter die Skeptiker / Aber der „Grundwasserspiegel der Freundschaft“ steigt.

Von Gerhard Kiefer | Badische Zeitung

Für ökumenische Utopien steht Wolfgang Huber eigentlich nicht. Dennoch will der frühere Berliner Bischof und langjährige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sich „nicht vorstellen, dass der dritte Ökumenische Kirchentag 2021 wieder ohne gemeinsames Abendmahl stattfindet“. Lässt sich das Haupthindernis für ein eucharistisch fundiertes Miteinander von Protestanten und Katholiken in so kurzer Zeit überwinden? Hat dafür das Lutherjahr 2017 den Weg bereitet? Oder enttarnt sich, so vielen ökumenischen Gebeten, Gedenkfeiern und Gottesdiensten zum Trotz, Hubers Hoffnung als Illusion?

Immerhin: Der Theologieprofessor hat gegen Hardliner und Protestanten, die das Lutherjahr gern zum Lutherhype hochgejubelt hätten, den Stellenwert des Reformators rechtzeitig relativiert. Auch die evangelische Kirche sei nicht erst von Martin Luther, sondern schon von Jesus Christus gegründet worden.

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Bullshistic: Wie Israel mittels Nano-Technologie „Krieg gegen das Volk“ führt

Israelfeindlicher Agitator: Jeff Halper. Qelle: ICAHD-USA

An der Heidelberger Volkshochschule (VHS) durfte eine israelfeindliche Gruppierung einen Veranstaltung mit einem Referenten durchführen, der den jüdischen Staat bezichtigt, mit unsichtbarer „Nanotechnologie“ einen „Krieg gegen das Volk“ zu führen, was die Gefahr der Vernichtung der gesamten Erdbevölkerung berge. Kritik an diesem Vortrag wies die Leiterin der VHS gleichwohl als „abstrus“ zurück. Auf die Forderung nach Konsequenzen reagieren die Parteien im Heidelberger Stadtrat zurückhaltend – weil eine alte Masche zu verfangen scheint.

Von Alex Feuerherdt | mena-watch.com

Angenommen, eine rechtslastige Gruppierung träte an eine seriöse Bildungseinrichtung mit dem Anliegen heran, bei ihr einen Vortrag durchführen zu wollen, in dem Israel von einem Referenten, der sich vehement für einen Boykott des jüdischen Staates einsetzt, als Staat dargestellt wird, der den „regierenden Eliten“ dieser Welt filigrane Waffen für den „Krieg gegen das Volk“ liefert: auf „Nanotechnologie“ basierende Waffen nämlich, die Insekten eingepflanzt werden, sich außerdem selbst milliardenfach reproduzieren und mit einer zwanzigprozentigen Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2100 die gesamte Menschheit auslöschen werden. Wie würde diese Bildungseinrichtung reagieren? Man kann wohl davon ausgehen, dass sie solchen Irrsinn als antisemitische Verschwörungsideologie betrachten und deshalb sowohl dem Veranstalter als auch dessen Dozenten die Tür weisen würde. Vor allem, wenn diese bereits von einer anderen seriösen, gar akademischen Bildungseinrichtung einen negativen Bescheid erhalten haben.

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Wie der Mythos um die Gralskirche entstand

Sogar einen Park mit einem Bibliotheksturm ließ Saunière in dem kleinen Dorf bauen. (Foto: Alamy/mauritius images)
Das französische Rennes-le-Château umranken Legenden, die auch Bestsellerautor Dan Brown inspiriert haben. Ausgangspunkt der Spekulationen: ein schwer reicher Pfarrer.

Von Florian Welle | Süddeutsche Zeitung

Terribilis est locus iste.“ „Schrecklich ist dieser Ort“, warnt ein Schriftzug über dem Portal jeden, der die Kirche von Rennes-le-Château betritt. Jeden?

Zumindest die vielen Esoteriker, Okkultisten, Schatz- und Gralssucher, die in das südfranzösische Dorf am Fuße der Pyrenäen pilgern. Bei mehr als 100 000 Touristen, die sich jährlich durch die Gassen des pittoresken Ortes mit gerade mal um die 60 Einwohner schieben, ist die Übersetzung „schrecklich“ wohl angebracht.

Kristallisationspunkt für Verschwörungstheoretiker

Alle anderen aber bevorzugen „ehrfurchtgebietend“. Was natürlich weniger furchteinflößend klingt und daher so gar nicht zum Mysterium passt, das die auf einem Hügel gelegene Ortschaft im Département Aude angeblich birgt.

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Nobelpreisträger Walker: „Kein Raum für Gegenargumente zur Evolution“

Nobel-Laureat John E. Walker ärgert sich in Zeiten von Fake-News über den Begriff „Evolutionstheorie“

Von Tanja Traxler | derStandard.de

STANDARD: Herr Walker, Sie haben 1997 den Chemienobelpreis für ihre Arbeiten zum Adenosintriphosphat (ATP), dem Energieträger in Zellen, bekommen. Welche Rolle spielt ATP bei der Energieproduktion in der Zelle?

Walker: Ich werde oft gefragt, woher die Energie in der Zelle kommt. Die gesamte Energie in der Biologie wird von der Sonne erzeugt. Durch die Photosynthese wird die Sonnenenergie von den grünen Pflanzen aufgenommen und umgewandelt. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt. Wenn wir ein Stück Holz verbrennen, setzen wir es in Flammen. Beinahe aller Sauerstoff, den wir atmen, wird in so einem Prozess konsumiert: Wir haben also lauter molekulare Maschinen, die von einer Turbine angetrieben werden. Ohne diese komplexen Maschinen gebe es kein Leben. Wir brauchen ATP für alles – um Muskeln aufzubauen und zu reproduzieren, für die Zellteilung und -erneuerung. Die Leute nennen ATP daher die universelle Währung für Energie in der Biologie: Sie ist dieselbe für alle Spezies auf der Erde – von Menschen zu den niedrigsten Bakterien, selbst Viren brauchen ATP, um leben zu können.

STANDARD: Worin bestanden die Schwierigkeiten, herauszufinden, wie dieser Prozess funktioniert?

Walker: In den späten 1970er-Jahren arbeitete ich mit Frederick Sanger, der damals schon einen Nobelpreis gewonnen hatte und später noch einen bekam. Damals entwickelte er gerade seine Methode zur Sequenzierung von DNA. Seine Methode wurde verwendet, um die menschliche DNA zu sequenzieren, aber er testete sie damals noch bei der Sequenzierung von kleinen DNA-Molekülen und zog dafür die mitochondriale DNA heran. Fast all unsere DNA befindet sich im Zellkern, nur ein kleiner Teil ist in den Mitochondrien. Durch meine Zusammenarbeit mit Sanger lernte ich mehr über die Mitochondrien und erkannte, dass nicht viel über den Prozess der Energieproduktion in der Zelle bekannt war. Ich hatte großes Glück, da wir an unserem Institut dazu ermutigt wurden, schwierige Langzeit-Projekte in Angriff zu nehmen – daher passte meine Idee sehr gut hinein. Viele meiner Kollegen waren aber recht skeptisch. Am Anfang dauerte es ziemlich lange, bis wir vorankamen – so wenig war über den Prozess bekannt. Bei der Sequenzierung der Proteine stieß ich schließlich auf alle drei ATP-Basen. Dann wollte ich verstehen, wie es funktionierte und das bedeutete, festzustellen, wie das auf atomarer Ebene aussieht. Die Leute sagten, dass es unmöglich sei, das herauszufinden. Manche meinten sogar, dass ich mir mit dieser Arbeit meine Karriere zerstörte.

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Papstberater Maradiaga – Finanzvorwürfe nicht das einzige Problem, Missbrauchsvorwürfe kommen dazu

Papstberater Maradiaga zu den schweren Finanzvorwürfen: „Halbwahrheiten“ – KNA-Chef Ring-Eifel: „Dass da etwas faul ist, das scheint mir evident zu sein“ – Finanzvorwürfe dürfte nicht das einzige Problem sein: Missbrauchsvorwürfe

kath.net

Papstberater Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga hat sich zu Weihnachten zu den schweren finanziellen Anschuldigen geäußert, die von einer italienischen Tageszeitung erhoben wurde. Gegenüber CNA meint er, dass es sich um „Halbwahrheiten“ handle. Laut Maradiaga gingen die Vorwürfe angeblich auf einen Manager der Katholischen Universität Honduras zurück. Dieser wurde 2016 des Diebstahls beschuldigt und entlassen. Laut dem Kardinal habe nicht er persönlich, sondern die Erzdiözese das Geld erhalten. Damit seien unter anderem Priesterausbildungen und Unterstützungen für arme Priester finanziert worden. Maradiaga meinte auch, dass es jetzt nur darum gehe, die Reformen von Papst Franziskus zu gefährden. In dem Zusammenhang ist auch eine weitere Pressemeldung, die offenbar vom Kardinal lanciert wurde, interessant. Dabei wurde die „Nachricht“ verbreitet, dass der Oberste Papstberater, der sich ohnedies regelmäßig mit Franziskus unterhält, vom Papst angerufen (!) wurde. Laut „Vatican Insider“ soll dieser gesagt haben. „Es tut mir sehr leid für all das Böse, das dir zugefügt wurde – aber sorge dich nicht.“

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Die paradoxe Lust an der Tragödie

Schön traurig: Im Kino weinen wir gerne. © Michael Blann/ thinkstock
Schön traurig: Ob Melodrama oder Horrorstreifen – im Film begeistern uns negative Gefühle oft besonders. Im realen Alltag sind Traurigkeit, Angst und Co dagegen eher weniger beliebte Emotionen. Forscher haben nun ein Erklärungsmodell für dieses scheinbare Paradox entwickelt. Es zeigt, warum wir negative Gefühle in Film und Kunst genießen können. Und warum diese Elemente ein Werk oft erst richtig spannend, interessant oder bewegend für uns machen.

scinexx

Traurigkeit und Angst sind eigentlich sehr negative Gefühle. Nie würden wir jemandem wünschen, sich so zu fühlen – und doch scheinen uns gerade diese Emotionen immer wieder magisch anzuziehen: Wir schauen uns traurige Filme an und sind von Kunstwerken, Theaterstücken oder Liedern begeistert, die uns zum Weinen bringen, Angst machen oder andere negative Gefühle in uns hervorrufen. Wie kann das sein?

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Goethe-Universität: Jusos randalieren in RCDS-Büro

Das Studierendenhaus auf dem Campus-Gelände in Bockenheim. Foto: Rolf Oeser
Zwei Mitglieder der Juso-Hochschulgruppe Frankfurt randalieren in einem Büro des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). Die Jusos kündigen Konsequenzen für die Randalierer an.

Von Anja Laud | Frankfurter Rundschau

Betrunkene Mitglieder der Juso-Hochschulgruppe Frankfurt haben in einem Büro des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) im Studierendenhaus auf dem Camups-Gelände Bockenheim randaliert. Sie sollen die Tür des Raumes eingetreten, Regale umgeworfen und Unterlagen verteilt haben. Der RCDS reagierte auf seiner Facebook-Seite mit den Worten „unfassbar“, „unglaublich“ auf den Vorfall, der sich in der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember ereignete. Die Juso-Hochschulgruppe distanzierte sich in einer Stellungnahme von den Taten zweier Mitglieder.

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Fürth: „Patriotischen Christen Deutschlands“ bringen hetzerische Flugblätter an

Hier, an St. Michael in der Fürther Altstadt, und an drei anderen evangelischen Kirchen hingen die Flugblätter. © Günter Kögler
Unterzeichnet sind sie von den „Patriotischen Christen Deutschlands“: Kurz vor Heiligabend wurden fremdenfeindliche und nationalistische Flugblätter an vier Fürther Kirchen angebracht. Die gleichen Botschaften sind vor kurzem in Dachau aufgetaucht.

nordbayern.de

Sechs Forderungen richten die anonymen Verfasser an „alle Kirchen Deutschlands“. „Nächstenliebe“, die „Liebe zum Eigenen“, müsse vor „Jedermannsliebe“ kommen, heißt es unter anderem. Oder: Selbstverteidigung sei keine Sünde. „Die Kirche soll das Volk zu wehrhaften, stabilen Menschen machen und nicht zu abhängigen Schafen.“

Die Kirche müsse zudem „abendländische Traditionen“ schützen und sicherstellen, dass „Deutschland das Land der Deutschen bleibt“, es sei dem „deutschen Volk von Gott zugewiesen und keinem anderen Volk“. Auch müsse Schluss sein mit der „modernen Erbsünde“, mit dem „Kult mit der Schuld“ – gemeint ist die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Denn: „Die Erbsünde ist durch den Bund mit Jesus aufgehoben worden.“

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Rechte Frauen: Der neue Nazi-Sex-Boom

Die Frau von rechts als mediale Projektionsfläche – Frauke Petry bei einem Wahlkampfauftritt. ©IMAGO
Domina, Luder oder gefährliche Verführerin – ständig werden Frauen, die zur neuen Rechten gehören, in den Medien sexualisiert. Warum eigentlich?

Von Anna Prizkau | Frankfurter Allgemeine

Es ist ein klassischer Sexfilmeinstieg. Ein Mann träumt von einer Frau, träumt diese Szene: Sie – „zierlich“, „im dunklen Hosenanzug, der Blick wild entschlossen“ – ist dem Mann auf die Herrentoilette gefolgt. Dann „stürzt“ sie sich auf ihn und „drängt ihn in eine Ecke zwischen Heizkörper und Notausgang“.

In einem Film wäre klar, was dann kommt. Doch es ist kein Porno, es ist ein journalistischer Text. Die Dominahafte, eine Frau, die „verbissen, hart, aggressiv“ ist, ist Frauke Petry. Der Mann, dessen Traum so explizit erzählt wird, ein AfD-Mann, den kaum jemand kennt. Und eigentlich geht es um Parteistreitereien. Die sexgeladene Szene stand so im „Spiegel“, als Frauke Petry in der Alternative für Deutschland noch die mächtigste Frau war, Anführerin deutscher Rechtspopulisten. Und das ist kein Zufall, Ausnahme auch nicht. Denn im Jetzt ist es Alltag, dass die neue Rechten in Verbindung mit ihrer Sexualität gesetzt, gezeigt und gedeutet werden. Warum? Das versteht man, wenn man das Buch „Sexualisierte Nazis“ versteht. Zwar erzählt es von den alten Nationalsozialisten, doch die wurden auch schon übersext dargestellt.

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Erdogans Freibrief für Selbstjustiz

Zivilisten, die sich am Kampf gegen «Putschisten und Terroristen» beteiligen, sollen straffrei bleiben. Das schürt Befürchtungen, dass die Gewalt gegen Kritiker zunimmt.

Von Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

Seit dem vereitelten Coup vom Juli 2016 hat der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan Dutzende von Dekreten unterzeichnet. Doch nie stiess ein Erlass auf so viel Ablehnung wie das Dokument mit der Nummer 696. Der am Sonntag in Kraft getretene Gesetzestext sichert Zivilpersonen Straffreiheit zu, die sich gegen den Putsch und «dessen Fortsetzung» wehren.

Damit tut Ankara jenen Bürgern einen Gefallen, die sich in der chaotischen Julinacht an Gewaltakten gegen vermeintliche oder tatsächliche Putschisten beteiligten. So lynchten aufgebrachte Zivilisten mehrere Soldaten, die möglicherweise gar nichts von den Putschplänen gewusst hatten.

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Verfassungsschutz beobachtet islamistisches Frauen-Netzwerk

Symbol Bild: Reuters
Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen hat ein Netzwerk islamistischer Frauen im Visier.

Frankfurter Rundschau

Sie füllen Lücken in der salafistischen Szene, weil viele männliche Führungspersonen in Haft sitzen, sagte Behördenleiter Burkhard Freier der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Wir haben in Nordrhein-Westfalen ein sogenanntes Schwesternetzwerk mit 40 Frauen im Blick.“ Dieses Netzwerk habe ein komplettes salafistisches Programm im Angebot – von der Kindererziehung über das Kochen und die Interpretation von Religionsvorschriften bis zur Hetze gegen „Nichtgläubige“.

Unabhängiges Barcelona? – Nun drohen Spanien-Anhänger mit Sezession

imago/Reporters
„Tabarnia“ könnte vom Scherz zum Problem für Unabhängigkeitsbefürworter werden. Ciudadanos-Chef Rivera: „Wenn Nationalisten das inexistente Recht auf Spaltung erheben, kann das jeder tun“.

Die Presse.com

Nach ihrem Dämpfer bei der katalanischen Regionalwahl setzen die Unabhängigkeitsgegner offenbar auf eine neue Taktik: Sie wollen die katalanischen Nationalisten mit deren eigenen Waffen schlagen und drohen mit einer Abspaltung der Unionistenhochburg Barcelona von einer künftigen „Republik Katalonien“. Im Internet hat sich eine Initiative für den „Exit“ der Millionenmetropole samt Umfeld formiert.

„Tabarnexit: Die Lösung für das Problem der katalonischen Unabhängigkeitsbewegung“, schreiben die Initiatoren mit Blick auf die zu schaffende Region „Tabarnia“, der Teile der bisherigen Provinzen Barcelona und Tarragona angehören sollen. Auftrieb bekommen sie durch das Ergebnis der Regionalwahl, bei der sich die Unabhängigkeitsgegner rund um Barcelona – gegen den Landestrend – klar gegen die Nationalisten durchgesetzt hatten. Auch im benachbarten Tarragona gab es eine Mehrheit für die Parteien, die eine Abspaltung Kataloniens von Spanien ablehnen.

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Sterne wiegen leichter gemacht

Eine neue Methode erleichtert es künftig, die Masse von Sternen zu bestimmen. © Michael Smelzer/ Vanderbilt University
Weißt du wieviel die Sternlein wiegen…? Diese Frage lässt sich künftig leichter beantworten. Denn Astronomen haben eine neue Methode entwickelt, mit der die Masse von Einzelsternen genauer als bisher ermittelt werden kann. Sie nutzen dabei Informationen über Helligkeit und Durchmesser eines Sterns sowie spezielle Fluktuationen seines Sternenlichts, um auf seine Masse zu schließen.

scinexx

Die Masse eines Sterns ist ein wichtiges Merkmal: Sie bestimmt sein Verhalten, aber auch, ob er am Ende seines Lebenszyklus zu einem Schwarzen Loch oder Weißen Zwerg wird. Hat der Stern umkreisende Planeten, dann liefert seine Masse entscheidende Hinweise auf deren Beschaffenheit. Denn über sie können Astronomen abschätzen, wie schwer die Trabanten sind. Ihre Masse und Größe zusammen verraten dann, ob es sich um Gesteins- oder Gasplaneten handelt.

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Die Wissenschaft muss tun, was sie tut – nur besser

Schluss mit „alternativen Fakten“: Protestschild vor dem Capitol in Washington für die Unabhängigkeit der Wissenschaft. (Foto: dpa)
Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn die rationale und methodische Suche nach Wahrheit ist 2017 auf erschreckende Weise unter Druck geraten.

Von Patrick Illinger | Süddeutsche Zeitung

Die Wissenschaft ist im Jahr 2017 auf extreme und erschreckende Weise unter Druck geraten. Das Leugnen, die Zensur, die Unterdrückung wissenschaftlichen Sachstands ist nicht mehr nur ein Phänomen in Drittwelt- und Schwellenländern, die zum Beispiel die schiere Existenz des Aids-Virus negieren. Nein, auch die Machthaber der Forschungs-Supermacht USA wie auch mehrere Regierungen in Europa missachten und attackieren neuerdings schamlos das Tun und die Erkenntnisse der Forschung. Jüngstes Beispiel war die Zensur von Begriffen wie „evidenzbasiert“ innerhalb der US-Seuchenschutzbehörde CDC.

Diese geradezu mittelalterlichen Angriffe erfordern eine deutliche Reaktion jener, die Wissenschaft betreiben wie auch jener, die den Wert methodischer Wahrheitssuche schätzen. Ein erfreuliches Signal war der Science March im Frühjahr dieses Jahres, bei dem Zehntausende Forscher weltweit auf die Straße gingen. Doch birgt diese Form gesellschaftlicher Auseinandersetzung auch eine Gefahr. Sie nährt den Eindruck, Wissenschaft sei nur ein Spieler von vielen im pluralistischen Gerangel um Macht und Einfluss. Eine Strömung, der man sich anschließen kann – oder auch nicht.

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Wie Pseudowissenschaft auf dem History Channel an Glaubwürdigkeit gewinnt

Grafik: TP
Der Begründer der Sozialpsychologie Gustave Le Bon verfasste im Jahr 1895 seine große Arbeit über die Massenpsychologie in der er feststellte, dass es nichts Unwahrscheinliches für die Massen gäbe und dass das Unwahrscheinliche das Auffallendste ist. Auch heute noch regt das Unwahrscheinliche viele Menschen zum Träumen, Spekulieren und Nachdenken an.

Von Stefanie Bauer, Joachim Allgaier | TELEPOLIS

Dass aus Überlegungen und Träumereien die kuriosesten Dinge entstehen können, sei einmal dahingestellt. Ein bedenkliches Kuriosum unserer Zeit stellt jedoch das TV-Format Ancient Aliens dar, erstmals ausgestrahlt im Jahre 2010 auf dem History Channel. Auf der Webseite des Senders wird die Serie folgender Maßen beschrieben: „[…] each episode in this hit HISTORY series gives historic depth to the questions, speculations, provocative controversies, first-hand accounts and grounded theories surrounding this age old debate. Did intelligent beings from outer space visit Earth thousands of years ago?“

Die Serie selbst basiert auf den Büchern und Ideen des Präastronautikers, des so genannten UFO- und Alienexperten, Erich von Däniken. Es wäre unklug Ancient Aliens als reine Unterhaltungssendung von ein paar „Träumerinnen und Träumern“ zu betrachten, da sich hier Pseudowissenschaft, Halbwissen und Wissenschaft begegnen und zu einer Sendung vermischt werden. Besonders auffällig ist jedoch der Missbrauch von Wissenschaft, um Theorien und Ansichten der Präsastronautik zu legitimieren, was sich auch im englischen Titel „Ancient Aliens – Science and Mythology“ widerspiegelt.

Noch deutlicher wird die Vermischung von beidem in der Selbstbeschreibung in der International Movie Database: „Science and mythology – and how they are the same thing“. Durch den großen Erfolg der Serie – zur Zeit gibt es 12 Staffeln – entstand zudem eine große Linie an Merchandiseprodukten, die unter anderem zahlreiche Bücher, DVDs, T-Shirts mit Abbildungen von Aliens oder dem Gesicht des bekannten Präsastronautikers und Ancient Aliens-Koproduzenten Giorgio A. Tsoukalos, hervorbrachte und noch immer hervorbringt.

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Experte vermutet hohe Dunkelziffer bei antisemitischen Vorfällen

Der Berliner Antisemitismus-Forscher Uffa Jensen vermutet bei antisemitischen Vorfällen in Deutschland eine hohe Dunkelziffer. Juden berichteten verstärkt davon, dass sie Schmähungen oder Beleidigungen ausgesetzt seien, sagte Jensen, der am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin forscht, am Dienstag dem MDR. Antisemitismus greife besonders im Internet um sich. Das spiegele sich aber bislang nicht in der Zahl der Anzeigen wider.

evangelisch.de

Dem Forscher zufolge nehmen antisemitische Aktivitäten vor allem dann zu, „wenn der Nahostkonflikt hochkocht“. Die meisten Täter seien Rechtsextremisten, häufig seien es aber auch Muslime. „Wenn man Juden in Deutschland heute fragt, von wem sie am meisten Antisemitismus erleben – also von wem sie angepöbelt oder beleidigt werden -, dann kommt häufig die Aussage, das sei von Muslimen“, sagte Jensen.

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Von hasenfüßigen Landschweinen und biodynamischen Stadtschweinen

Schweinehauptstadt. In Berlin leben schätzungsweise mehrere Tausend Wildschweine, die Menschen viel näher an sich heranlassen als…Foto: Gregor Fischer/dpa
Brandenburger Wildschweine benehmen sich deutlich anders als ihre Großstadtgenossen. Auf Naturkost stehen aber beide.

Von Roland Knauer | DER TAGESSPIEGEL

Dass Berlin für allerlei Landbewohner geradezu magnetische Anziehungskraft hat, ist bekannt. Dass dazu auch immer mehr Wildschweine gehören, lässt sich anhand durchwühlter Vorgärten, Parks und Grünanlagen leicht nachvollziehen. Wie nah die Stadtschweine dem Menschen dabei mittlerweile kommen, hat nun die Biologin Milena Stillfried vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) untersucht. 13 Schweine aus Stadt und Land hat die Biologin mit Sendern ausgerüstet, die sie den in Fallen gefangenen Tieren vor dem Freilassen um den Hals gehängt hat. Nähert sich in Brandenburg ein Mensch einem im Dickicht versteckten Wildschwein, kommt er im Durchschnitt gerade einmal 90 Meter an das Tier heran, bevor es aufspringt und flieht. In Berlin dagegen liegt diese Fluchtdistanz bei nur 30 Metern.

Allerdings scheren sich einige Tiere recht wenig um diesen Durchschnittswert. Sie lassen Menschen noch viel näher an sich heran. Die inzwischen dauerhaft in der Stadt lebenden Schweine haben gelernt, dass ein Radfahrer ihnen zwar mitunter sehr nahe kommt, aber normalerweise auf der Straße bleibt. Im Gebüsch gleich neben der Fahrbahn, können sie sich also sicher fühlen. „Auch im hohen Gras eines verwilderten Gartens verstecken die Wildschweine sich gern“, sagt Stillfried.

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Saudis spielen Schach ohne Israelis

foto: apa/epa/schmitt Weltmeister Magnus Carlsen (rechts) tritt in Riad an, Israels Großmeister Boris Gelfand nicht. Letzterer wäre aber auch bei Visa-Erteilung aus Protest nicht nach Saudi-Arabien gereist.
Erstmals werden die Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach in Saudi-Arabien ausgetragen. Für Frauen wurden Kleidungsvorschriften gelockert, Israelis bleiben aber ausgesperrt

derStandard.at

Es müssen schwarze Tage für den saudischen Großmufti Abdulaziz Al Sheikh sein: Riad ist seit Dienstag Austragungsort der Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach – und die Fatwa des gestrengen Muftis, in der er das Schachspiel für islamisch unerwünscht erklärte, ist noch keine zwei Jahre alt. Schachspielen sei Zeitverschwendung und fördere die Rivalität, erklärte der direkte Nachkomme von Mohammed Ibn Abdul Wahhab. Das war jener fundamentalistische Islamprediger aus dem 18. Jahrhundert, nach dem der „Wahhabismus“ benannt ist.

Da nun aber in Saudi-Arabien unter der treibenden Kraft des jungen Kronprinzen Mohammed bin Salman alles anders werden soll, wird das Königreich gleich drei Mal hintereinander Gastgeber dieser Weltmeisterschaften sein. Dafür erging eine stattliche Spende an den Schachweltverband Fide (Fédération Internationale des Échecs)

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Berliner Kultursenator Lederer sieht Umbau der Hedwigs-Kathedrale kritisch

St.-Hedwigs-Kathedrale Die katholische Kirche sollte den Umbau selbst finanzieren. Steuergelder keine. Bild: wikipedia/CC BY 2.0lostajy
Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sieht den geplanten Umbau der katholischen St.-Hedwigs-Kathedrale mit gemischten Gefühlen. Bei der Entscheidung über die Genehmigung der Umbaupläne müssten neben denkmalschützerischen Aspekten auch die Belange des Erzbistums und der Kirchengemeinde berücksichtigt werden, sagte Lederer als oberster Denkmalschützer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es stehe der Denkmalschutz gegen das grundgesetzlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Kirchen.

evangelisch.de

Die Hedwigs-Kathedrale ist die Bischofskirche der Erzdiözese Berlin. Äußerlich ist die Kathedrale dem Pantheon in Rom nachempfunden.

„Ich persönlich finde die Innenausgestaltung ganz hervorragend, ein tolles Kunstwerk“, sagte Lederer über den Anfang der 1960er Jahre von Hans Schwippert gestalteten Innenraum. Er würde sich deshalb freuen, „wenn die Kirche es schaffen würde, ihre sakralen Bedürfnisse mit der derzeitigen Gestalt des Innenraums in Übereinstimmung zu bringen“.

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Ein Großteil des Protestantismus ist im Eimer

WELT-Chefredakteur kritisiert Predigten in deutschen Kirchen: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“

kath.net

Ulf Poschardt, der Chefredakteur der „WeltN24“-Gruppe, hat mit einer Twitternachricht Kritik an den den Weihnachtspredigten in deutschen Kirchen geübt. „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“, twitterte Poschardt . Sein Tweet wurde von vielen geteilt und heiß diskutiert. Später legte Poschardt nochmals nach und kritisierte ganz konkret die Protestanten in Deutschland: „Wie im Eimer ein Großteil des Protestantismus ist, merkt man, wenn diese Konfession nicht mehr zwischen Glaube und Politik trennen kann oder will.“