Nobelpreisträger Walker: „Kein Raum für Gegenargumente zur Evolution“


Nobel-Laureat John E. Walker ärgert sich in Zeiten von Fake-News über den Begriff „Evolutionstheorie“

Von Tanja Traxler | derStandard.de

STANDARD: Herr Walker, Sie haben 1997 den Chemienobelpreis für ihre Arbeiten zum Adenosintriphosphat (ATP), dem Energieträger in Zellen, bekommen. Welche Rolle spielt ATP bei der Energieproduktion in der Zelle?

Walker: Ich werde oft gefragt, woher die Energie in der Zelle kommt. Die gesamte Energie in der Biologie wird von der Sonne erzeugt. Durch die Photosynthese wird die Sonnenenergie von den grünen Pflanzen aufgenommen und umgewandelt. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt. Wenn wir ein Stück Holz verbrennen, setzen wir es in Flammen. Beinahe aller Sauerstoff, den wir atmen, wird in so einem Prozess konsumiert: Wir haben also lauter molekulare Maschinen, die von einer Turbine angetrieben werden. Ohne diese komplexen Maschinen gebe es kein Leben. Wir brauchen ATP für alles – um Muskeln aufzubauen und zu reproduzieren, für die Zellteilung und -erneuerung. Die Leute nennen ATP daher die universelle Währung für Energie in der Biologie: Sie ist dieselbe für alle Spezies auf der Erde – von Menschen zu den niedrigsten Bakterien, selbst Viren brauchen ATP, um leben zu können.

STANDARD: Worin bestanden die Schwierigkeiten, herauszufinden, wie dieser Prozess funktioniert?

Walker: In den späten 1970er-Jahren arbeitete ich mit Frederick Sanger, der damals schon einen Nobelpreis gewonnen hatte und später noch einen bekam. Damals entwickelte er gerade seine Methode zur Sequenzierung von DNA. Seine Methode wurde verwendet, um die menschliche DNA zu sequenzieren, aber er testete sie damals noch bei der Sequenzierung von kleinen DNA-Molekülen und zog dafür die mitochondriale DNA heran. Fast all unsere DNA befindet sich im Zellkern, nur ein kleiner Teil ist in den Mitochondrien. Durch meine Zusammenarbeit mit Sanger lernte ich mehr über die Mitochondrien und erkannte, dass nicht viel über den Prozess der Energieproduktion in der Zelle bekannt war. Ich hatte großes Glück, da wir an unserem Institut dazu ermutigt wurden, schwierige Langzeit-Projekte in Angriff zu nehmen – daher passte meine Idee sehr gut hinein. Viele meiner Kollegen waren aber recht skeptisch. Am Anfang dauerte es ziemlich lange, bis wir vorankamen – so wenig war über den Prozess bekannt. Bei der Sequenzierung der Proteine stieß ich schließlich auf alle drei ATP-Basen. Dann wollte ich verstehen, wie es funktionierte und das bedeutete, festzustellen, wie das auf atomarer Ebene aussieht. Die Leute sagten, dass es unmöglich sei, das herauszufinden. Manche meinten sogar, dass ich mir mit dieser Arbeit meine Karriere zerstörte.

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