Die Bertelsmann-GLS-Bank-Connection


Wilhelm von Humboldt (Lithographie von Franz Krüger). Bild: HU Berlin / gemeinfrei
Über fragwürdige Verflechtungen einer Öko-Bank mit einer Privatuniversität und einer Lobby-Organisation

Von Christopher Stark | TELEPOLIS

Die Universität Witten-Herdecke wurde 1983 als erste private Hochschule in Deutschland gegründet. Und zwar maßgeblich von Anthroposophen und Elite-Sprösslingen wie Gerhard Kienle und Konrad Schily (FDP), Bruder des Ex-Ministers Otto Schily. Mit Geldern und ideeller Unterstützung der Deutschen Bank, der Krupp-, der Zeit- sowie der Bertelsmann Stiftung. In anderen Worten mit freundlicher Unterstützung von Spekulanten, Waffen- und Wirtschaftslobbyisten.

Bei diesen Finanzgebern braucht man sich keine Illusionen über die gesamtgesellschaftlichen Motive der Hochschule zu machen: Es geht darum, Bildung als Ware zu handeln und darum aufzuzeigen, dass Bildung eben nicht nur staatlich, sondern auch privat finanziert funktioniert. Funktioniert im Sinne der Wirtschaft.

Diese Bildungseinrichtung stellt, wie gezeigt werden soll, ein Labor für neoliberale Möglichkeitsräume und damit eine Gefahr für das staatliche Bildungssystem dar, das zunehmend ins Fadenkreuz von Wirtschaftslobbys und transnationalen Konzernen wie Bertelsmann gerät. Gerade der Bertelsmann-Konzern arbeitet systematisch daran, mit privaten Dienstleistungen in den Bildungsbereich vorzurücken.

Elitenbildung und Exzellenzstreben liegen im Trend, wie man an der hohen medialen Aufmerksamkeit für vermeintliche Innovationen in Schule und Universität und Bildungs-Rankings erkennen kann. Neoliberale Vordenker finden regelmäßig Gehör etwa in Bildungs-Magazinen wie Campus & Karriere auf Deutschlandfunk oder in Zeitungen wie Die Zeit, die mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zusammenarbeitet und ein Mal im Jahr dessen Hochschulranking veröffentlicht und bewirbt.

Die Universität Witten-Herdecke ist durchsetzt vom Bertelsmann-Konzern, auch aufgrund des direkten Zugriffs durch die konzerneigene Stiftung. So hat die Bertelsmann-Stiftung seit 2010 ein eigenes Institut als integralen Bestandteil der Hochschule eingesetzt und finanziert es seither. Es trägt den Namen „Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance (RMI)“ und hat inzwischen zwei Honorarprofessoren und insgesamt 12 Mitarbeiter.

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