Polen: Scharfe Kritik an Staat und Kirche


Der Pfarrer Andrzej Luter kritisiert, dass die polnische Regierung beabsichtigt, „eine Art Diktatur“ zu errichten. Im Bild: Demonstration in Krakau gegen die umstrittene Justizreform der PiS-Partei (imago / ZUMA Press)
Die PiS-Partei kann auf die Unterstützung der katholischen Kirche Polens zählen – eigentlich. Doch es gibt Geistliche, die sich gegen den konservativ-nationalistischen Mainstream stellen. Einer heißt – ausgerechnet – Luter und ist Pfarrer in Warschau.

Von Florian Kellermann | Deutschlandfunk

Andrzej Luter sitzt in seinem Stammlokal, er lächelt zufrieden. Denn er ist dem Pfarrhaus entkommen, das heißt: dem fetten Essen der Köchin. So dick schwimmen bei ihr die Fettaugen da auf der Suppe, zeigt er mit Daumen und Zeigefinger.

Der 61-Jährige hat einen Teller Müsli bestellt – zum Mittagessen:

„Früher habe ich das gegessen, was ich wollte. Aber die Gesundheit! Na, und es stellt sich heraus: Ich kann verzichten, wenn ich muss, das ist gar nicht so schwer!“

Der Pfarrer kommt schnell auf Politik zu sprechen. Er macht kein Hehl daraus, dass er nicht viel hält von der Regierungspartei PiS. Sie strebe eine Art von Diktatur an, sagt er – und sie fälsche die polnische Geschichte:

„Also, ich habe während der Solidarnosc-Zeit in den 1980er Jahren wenig gehört über den Pis-Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski. Dafür aber von Lech Walesa, Adam Michnik – Personen, die von der Regierung heute bekämpft werden, weil sie sich ihr entgegen stellen. Bald werden sie uns erzählen, dass Kaczynski damals der Anführer war.“

Der Pfarrer schlägt immer wieder mit der Faust auf den Tisch. Wegen solcher Aussagen ist er einer jener Geistlichen, die von Nationalkatholiken als „anti-polnisch“ gebrandmarkt werden.

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