Zahl der Asylbewerber in der EU zurückgegangen

Die Zahl der Asylbewerber in der EU ist in diesem Jahr laut Medienberichten deutlich gesunken. Von Januar bis September hätten die EU-Staaten mit insgesamt 479.650 erstmaligen Asylanträgen nur noch halb so viele wie im Vergleichszeitraum 2016 registriert, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag) unter Berufung auf die EU-Statistikbehörde Eurostat.

evangelisch.de

Im gesamten Jahr 2016 hatten demnach in der EU 1,2 Millionen Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt. Im Jahr 2015 habe die Zahl bei etwa 1,25 Millionen gelegen.

Deutschland bleibe den neuen Daten zufolge in der EU weiter das wichtigste Zielland für Asylbewerber, hieß es weiter. Fast ein Drittel der Flüchtlinge habe hier einen Antrag auf Asyl gestellt.

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Russischer Geheimdienst nimmt mutmaßlichen Attentäter fest

Rettungskräfte vor dem Supermarkt in St. Petersburg.Foto: Anton Vaganov/Reuters
Der Urheber des Anschlags in St. Petersburg ist festgenommen worden. Wie der russische Inlandsgeheimdienst FSB mitteilte, wurde der Täter bei einem Einsatz am Samstag gefasst.

DER TAGESSPIEGEL

Der russische Geheimdienst FSB hat den mutmaßlichen Attentäter des Terroranschlags in einem Supermarkt in St. Petersburg festgenommen. Der Verdächtige sei am Samstag gefasst worden und werde nun vernommen, teilte der FSB der staatlichen Agentur Tass zufolge mit. Details zur Festnahme waren zunächst nicht bekannt.

Am Mittwoch war in einem Supermarkt in Russlands zweitgrößter Stadt eine selbstgebaute Nagelbombe mit einer Sprengkraft von etwa 200 Gramm Dynamit explodiert. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden in ein Krankenhaus gebracht, zudem gab es zahlreiche Leichtverletzte. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Tat für sich reklamiert.

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Richtungsstreit in der katholischen Kirche: Die Kardinalfrage – Frauen?

REUTERS/Yves Herman
Sollen Frauen den Papst wählen dürfen? Wieso nicht, sagt ein US-Kardinal und bringt damit konservative Katholiken gegen sich auf. Sie wittern einen neuen Streich des bösen Papst Franziskus.

Von Hans-Jürgen Schlamp | SpON

Ausgerechnet zu Weihnachten machte US-Kardinal Joseph Tobin wieder einmal von sich reden. Gerade 65 Jahre alt ist er, mithin ein Jungspund im Kreis der 216 Kardinals-Eminenzen, von denen knapp hundert über 80 Jahre alt sind. Gerade ein Jahr gehört er nun diesem Kreis der höchsten Würdenträger der römisch-katholischen Weltkirche an. Doch statt demütiger Zurückhaltung liebt Tobin eine klare Sprache.

Vielleicht sei seine Theologie ja nicht allzu ausgefeilt, offenbarte der Nachwuchskardinal der „New York Times“. Aber er „sehe keinen zwingenden theologischen Grund, warum der Papst keine Frau zum Kardinal ernennen könnte“. Und es vielleicht auch demnächst tue, habe er doch mehr wichtige Rollen für Frauen in der Kirche versprochen.

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Raus aus der Kirche, rein in die Esoterik

Die indische Weltenlehrerin Amma auf ihrer Tournee in Winterthur. Bild: KEYSTONE
Da nach dem Kirchenaustritt das religiöse Bedürfnis nicht nachlässt, rutschen viele in die Esoterik ab.

Von Hugo Stamm | watson.ch

Es ist eine Binsenwahrheit: Die traditionellen Glaubensgemeinschaften krebsen, die Pfarrer predigen immer häufiger vor leeren Kirchenbänken. Die Zahl der Austritte nimmt zu, und viele Christen, die noch Kirchensteuer zahlen, praktizieren den Glauben nicht mehr aktiv.

Einzig an Weihnachten besuchen viele noch den Gottesdienst. Tradition und feierliche Atmosphäre locken sie in die Kirche.

Die vielen Kirchenaustritte und die Gleichgültigkeit gegenüber dem christlichen Glauben bedeuten aber nicht, dass die Leute areligiös oder atheistisch werden. Dieser Schritt erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen des Glaubens und der Transzendenz. Diesen geistigen Kraftakt wollen oder können viele nicht stemmen.

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NRA und Countrymusik: Gefährliche Waffenbrüder

Die jährlichen Treffen der NRA sind Höhepunkte für die Waffenliebhaber des Landes (Foto: Getty Images)
Die US-Waffenlobbygruppe NRA und die Country-Szene haben seit vielen Jahren eine fragwürdige Verbindung. Es geht um viel Geld, viele Tote und, natürlich, die Liebe zu Schusswaffen.

Von Beate Wild | Süddeutsche Zeitung

„Sie dürfen uns nicht unseren Gott und unsere Waffen wegnehmen. Gott und Waffen, yeah, machen uns stärker.“ („God And Guns“ – Hank Williams Jr.)

Hank Williams Jr. ist der Traum der amerikanischen Waffenlobby. Der Country-Star singt gerne über Patriotismus, übers in der Natur sein, über Gott und oft auch über Waffen. Sein Song „God And Guns“ etwa handelt davon, dass der „kleine Mann“ es nicht zulassen dürfe, dass ihm die Politiker, die keine Ahnung haben, seine Waffen wegnehmen. „Das ist es schließlich, worauf unser Land gegründet wurde“, geht der Songtext weiter.

Hank Williams Jr. ist einer der eifrigsten Waffenverfechter in der Country- Szene. Ein „true believer“, einer, der das, was er verbreitet, mit voller Überzeugung in die Welt schickt. Er ist Mitglied der republikanischen Partei. 2012 spielte er mit dem Gedanken, für den US-Senat für Tennessee zu kandidieren, ließ es dann aber – vorerst.

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Frankreich: Gericht bestätigt Sexverbot für schwule Blutspender

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Homosexuelle Männer dürfen in Frankreich weiterhin kein Blut spenden, wenn sie in den zwölf Monaten zuvor Sex hatten.

kath.net

Homosexuelle Männer dürfen in Frankreich weiterhin kein Blut spenden, wenn sie in den zwölf Monaten zuvor Sex hatten. Dies berichtet der „Kurier“. Kurz nach Weihnachten wurde eine Beschwerde gegen diese Regelung zurückgewiesen. Der oberste Verwaltunsgerichtshof des Landes hat die Entscheidung damit begründet, dass bei Männern, die Sex mit Männern haben, HIV-Neuinfektionen deutlich häufiger vorkämen. Auch in Österreich wird vom Rote Kreuz „Männer, die Sex mit Männern hatten“ von der Blutspende ausgeschlossen.

Tansanias Regierung droht Kirchen wegen politischer Predigten

Tansanias Regierung hat Geistliche davor gewarnt, sich politisch zu äußern. Kirchen, die sich in politische Debatte einmischten, habe das Innenministerium mit der Auflösung gedroht, berichtete die Zeitung „The Citizen“ am Freitag.

evangelisch.de

Religiöse Organisationen seien nicht zu politischen Aktivitäten befugt, hieß es demnach in der Ministeriumserklärung. Kritiker werfen der Regierung von Präsident John Magufuli vor, oppositionelle Stimmen immer stärker zu unterdrücken.

Staatssekretär Projest Rwegasira erklärte seine Besorgnis über Geistliche, die sich in ihren Predigten zunehmend politisch äußerten. Der Prediger einer Freikirche in der Wirtschaftsmetropole Daressalam hatte vor wenigen Tagen der Regierung vorgeworfen, das ostafrikanische Land in einen Ein-Parteien-Staat zu verwandeln.

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Erzbistum Hamburg erwägt Schließungen katholischer Schulen

Bild: tilly
Das Erzbistum Hamburg muss aus finanziellen Gründen bis zu acht katholische Schulen zusperren.

kath.net

Das Erzbistum Hamburg möchte bis zu acht katholische Schulen zusperren. Grund ist der immense Schuldenberg des Erzbistums. Dies berichtet die „Welt“. Bis Ende Januar soll die Öffentlichkeit darüber informiert werden. Spätestens bis zur nächsten Anmelderunde für das neue Schuljahr soll Klarheit herrschen, welche Schulen zugesperrt werden.

Das Erzbistum ist dereit mit 79 Millionen Euro überschuldet. Ohne Maßnahmen würde bis 2021 der Schuldenberg auf 353 Millionen Euro ansteigen. Fünf Schulen werden derzeit von externen Experten als „nicht tragfähig“, weitere drei als „bedingt tragfähig“ eingestuft. Somit sind bis zu acht Schulen von der Schließung bedroht.

Israel kündigt formell Austritt aus Unesco an

Archivbild: Das Unesco-Hauptquartier in Paris – APA/AFP/JACQUES DEMARTHON
Die USA und Israel hatten bereits im Oktober ihren Austritt aus der UNO-Kulturorganisation angekündigt. Nun hat Israel die Unesco offiziell informiert. Wirksam wird der Austritt zum 31. Dezember 2018.

Die Presse.com

Israel hat am Freitag der UNO-Kulturorganisation Unesco formell seinen Austritt angekündigt. Unesco-Chefin Audrey Azoulay teilte in Paris in einer Erklärung mit, sie sei offiziell über den israelischen Austritt zum 31. Dezember 2018 informiert worden. Dies bedaure sie „zutiefst“.

Die USA und Israel hatten im Oktober ihren Austritt aus der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur angekündigt.

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Verschleierter Frauenmord: Das unwerte Leben der Mia aus Kandel

Foto: pixabay.com / CC0
Der ihr das Leben nahm, ist ein Flüchtling. Als solcher genießt er den Schutz der linksliberalen Öffentlichkeit – während sie der Trauer offenbar nicht wert ist

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Am vergangenen Mittwoch ereignete sich im rheinland-pfälzischen Kandel eine furchtbare Bluttat: Ein 15-jähriges Mädchen wurde von einem Jungen in einem Drogeriemarkt niedergestochen und erlag ihren Verletzungen. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Beschuldigten um den Ex-Freund des Mädchens handelt. Laut Polizeijargon eine „Beziehungstat“.

Mit dem Begriff „Beziehungstat“ werden diese Frauenmorde verschleiert. Das suggeriert, dass es um etwas Persönliches ging, ein Streit, wie er in Beziehungen halt mal vorkommt, den sie leider nicht überlebt. Leider. Leider.

Frauenmord ist aber nichts Beziehungstechnisches – oder was für Beziehungen führen Polizeibeamte? -, sondern Frauenmorde sind ein gesellschaftliches Problem. 2016 versuchte nahezu jeden Tag ein Mann, seine (Ex)-Frau oder seine (Ex)-Partnerin zu ermorden, bzw. verletzte sie lebensgefährlich. Zwei Drittel dieser Frauen überlebten den Angriff nicht. Mit anderen Worten: Fast jeden zweiten Tag starb 2016 eine Frau an den Folgen männlicher Gewalt (siehe Häusliche Gewalt: Alarmierende Fakten).

Der Begriff „Beziehungstat“ macht diesen Femizid zum persönlichen Problem der Opfer. Mia, so ist der Name des ermordeten Mädchens, hat aber gleich zweifach Pech: Sie war mit dem Beschuldigten nicht nur bis wenige Wochen vor der Tat liiert, er hatte zudem eine falsche Nationalität: Bei dem Verhafteten handelt es sich um einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus Afghanistan. Da setzen bei der Refugee-Welcome-Community sämtliche Schutzreflexe ein.

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Wie die Kirchen die Wehrmachtsseelsorge bis heute verklären

Verbunden. Hitler 1934 mit Kirchenvertretern. Die Nazis förderten lange die militärische Seelsorge: Weil der Glaube ans Leben nach…Foto: ullstein bild
Kriegspfarrer unterstützten im Zweiten Weltkrieg den Vernichtungsfeldzug in der Sowjetunion. Dennoch wird die Wehrmachtsseelsorge von den Kirchen bis heute teilweise verklärt.

Von Christoph David Piorkowski | DER TAGESSPIEGEL

Der Krieg, den Nazideutschland ab 1941 gegen das sowjetische Russland führte, war ein Vernichtungskrieg von unvergleichlicher Grausamkeit. Spätestens seit August desselben Jahres wusste das deutsche Offizierskorps um dessen verbrecherische Form. So war den Akteuren von Beginn an klar, dass der „Ostfeldzug“ nicht als „normaler Krieg“ gelten konnte. Umso infamer ist, dass es innerhalb des Offizierskorps eine Personengruppe gab, die die Massenerschießungen von Juden und den forcierten Hungertod von Zivilisten und russischen Kriegsgefangenen in dem Bewusstsein begleitete, ein hochchristliches Werk zu verrichten.

In ihrem jüngst erschienenen Buch „Kriegspfarrer an der Ostfront“ untersucht die Historikerin Dagmar Pöpping die evangelische und katholische Wehrmachtsseelsorge im Zweiten Weltkrieg. Mit Blick auf acht Feldtagebücher und zahlreiche kleinere persönliche Dokumente widmet sich Pöpping unter anderem den Apologien, die die Pfarrer ins Feld führten, um den Krieg gegen die Sowjets theologisch zu legitimieren. In einer erstmals beide Konfessionen vergleichenden Perspektive wirft die Historikerin erhellende Schlaglichter auf ein Geschehen, das noch bis heute zuweilen verklärt wird.

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Kirchen horten Geld

In diesem für acht Millionen Euro generalsanierten Rokokopalais stellt der Freistaat Bayern dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx kostenlos eine 90 Quadratmeter-Wohnung zur Verfügung (vgl. Marx predigt Wasser und säuft Wein – Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz fordert höhere Steuern).
Das Handelsblatt hat katholische Bistümer gefragt, wie sie ihr Vermögen von zusammengerechnet über 26 Milliarden Euro angelegt haben. Dabei zeigte sich, dass die nach dem Skandal um den „Protz-Bischof“ Tebartz van Elst (vgl. Verstoß gegen das Achte Gebot) versprochene Transparenz bislang weitgehend ausgeblieben ist.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

So verweigerte beispielsweise der Finanzdirektor des Erzbistums Köln eine Antwort auf die Frage danach, wie seine Diözese ihr Geld investiert, mit dem Hinweis auf eine „globale Ausrichtung“ und eine „Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten“, wegen denen es „wenig sinnvoll“ sei, „Ihnen nun den ein oder anderen Titel zu nennen“.

Beim Bistum Paderborn hieß es, einfach, „Einzeltitel“ würden nicht „veröffentlicht“. In Limburg, wo Tebartz van Elst sich für 15.000 Euro eine bischöfliche Badewanne mit Nackenstütze und Fußgestell anfertigen ließ (vgl. Skandalbischof Tebartz van Elst fliegt nach Rom) und in Trier gaben die Bistümer immerhin Auskunft darüber, in welche Bereiche man nicht investiert. In Trier sind das wegen „grundsätzlicher ethischer Erwägungen“, die man nicht genauer erklärt, Edelmetalle und „Rohwaren“.

Das Vermögen der katholischen Kirche in Deutschland stammt nicht nur aus dem Mittelalter, sondern auch aus der Kirchensteuer, die ihr 2016 etwa 6,15 Milliarden Euro einbrachte. Die Steuereinnahmen der evangelischen Kirche in Deutschland beliefen sich in diesem Jahr auf 5,45 Milliarden Euro. 2017 werden diese Einnahmen den Schätzungen des Focus nach weiter ansteigen, obwohl die beiden Kirchen jedes Jahr Austritte in mittlerer sechsstelliger Höhe verzeichnen.

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Vertreter der Muslimbruderschaft nahm an Gedenkfeier für Opfer des Breitscheidplatz-Attentats teil

Die Neuköllner Dar-as-Salam Moschee steht im Fokus des Berliner Verfassungsschutzes. Foto: dpa
Gegen den Imam, der die Gedenkfeier für die Opfer des Terroranschlags am Berliner Breitscheidplatz mitgestaltete, gibt es schwere Vorwürfe: Der Mann hat sich an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) zum Kriminalkommissar ausbilden lassen, wurde aber laut Polizei wegen „möglicher Kontakte in den islamistischen Bereich“ nicht in den Dienst übernommen.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

„Wir hatten Hinweise, die uns daran zweifeln ließen, dass er die freiheitliche demokratische Grundordnung vertritt“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Freitag.

Wegen der Teilnahme des Imams an der multi-religiösen Gedenkfeier am Jahrestag des Anschlages am 19. Dezember wird seit Tagen kontrovers diskutiert. Er gehört der Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) an. Die auch als Dar as-Salam Moschee bekannte Einrichtung ist in den Berliner Verfassungsschutzberichten 2015/2016 genannt, weil sie Verbindungen zu Anhängern der islamistischen Muslimbruderschaft pflegen soll. Da die NBS derzeit gegen die Nennung in den Berichten klagt, wollte sich der Verfassungsschutz jetzt nicht zu dem Imam äußern.

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Céline-Neuauflage: Sein Gift war echt

Der französische Schrifsteller und Arzt Louis-Ferdinand Celine. ©Picture-Alliance
Nach über siebzig Jahren sollen Louis-Ferdinand Célines antisemitische Pamphlete in einer neuen Ausgabe beim Pariser Verlagshaus Gallimard erscheinen. Es regt sich Widerstand.#

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine

Louis-Ferdinand Céline, eigentlich Louis Destouches, Ambulanzarzt in einem Arbeiterviertel von Paris, betrat 1932 mit einem fulminanten pazifistischen Roman die literarische Bühne. Einen solchen Ton hatte man noch nicht gehört, da zerlegte ein Autor kunstvoll kunstlos die guten sprachlichen Sitten, mischte das wohlgesetzte Französisch mit unreinen Anteilen des mündlichen Gebrauchs auf und kümmerte sich kaum um Dezenz in seinen Beschreibungen einer durch den Ersten Weltkrieg ihrer Heillosigkeit überführten bürgerlichen Gesellschaft. Der Erfolg der „Reise ans Ende der Nacht“ war durchschlagend, bei Kritikern links wie rechts: Ein Unbekannter war mit einem Sprung literarisch in der ersten Reihe angekommen.

Abzusehen war da noch nicht, worauf Céline einige Jahre später und nach einem etwas kühler aufgenommenen zweiten Roman verfiel, nämlich für den Krieg, den vergangenen wie den erwarteten, und den kommentierten Verfall der französischen Gesellschaft vor allem einen Verantwortlichen anzuprangern: die Juden. Die „Bagatelles pour un massacre“ machten 1937 den Anfang mit wüstem Antisemitismus, gefolgt von „L’école des cadavres“ (1938) und nach der französischen Niederlage „Les Beaux draps“ (1941), auch sie durchsetzt von antijüdischen Parolen.

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„Ein Gotteskind braucht kein Geschlecht“

Wie geht die Kirche in Deutschland mit Intersexualität um? (imago / Ikon Images)
Im Geburtenregister soll neben „männlich“ oder „weiblich“ eine dritte Angabe möglich sein: inter oder divers. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts beschäftigt nicht nur den Gesetzgeber, sondern auch die Theologie. Der Blick auf die Schöpfungsgeschichte verändert sich.

Von Michael Hollenbach | Deutschlandfunk

Petra Krämer ist Religionslehrerin. Die 43-Jährige, die äußerlich wie eine Frau aussieht, ist intersexuell. Erst in der Pubertät erfuhr sie von ihrer Zwischengeschlechtlichkeit. Für ihre Eltern ein Schock:

„Es wurde über mich gesprochen, aber es wurde nicht mit mir gesprochen, und das ist leider etwas, was ich in Gesprächen mit anderen Betroffenen immer wieder bestätigt bekomme.“

Petra Krämer, die sich heute im Bundesverband intersexuelle Menschen engagiert, litt damals unter der „Diagnose: Intersexuell“.

„Ich hatte den Eindruck, ich kann damit nicht kommen, ich hatte ein schlechtes Gewissen und dachte, ich würde meine Eltern belasten. Das war ein großes Thema, ich würde meinen Eltern weh tun. Ich wollte keine Belastung darstellen.“

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Warum ein Gefängnisausbruch nicht strafbar ist

Vier Männer sind aus der JVA Plötzensee in Berlin geflohen, werden noch immer gesucht. Für den Ausbruch sieht das Gesetzbuch keine Strafe vor. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

Von Marcel Reich | DIE WELT

Es war 8:49 Uhr am Donnerstagmorgen, als vier Häftlinge der JVA Plötzensee scheinbar seelenruhig durch eine etwa 70 mal 30 Zentimeter große Öffnung nach draußen kletterten. Die Männer, zwischen 28 und 38 Jahre alt, sind weiter auf der Flucht. „Es gibt noch keine Festnahmen und keinen neuen Stand“, sagte eine Sprecherin der Polizei in Berlin am Freitag. Selbst wenn sie gefasst werden, haben die Männer wenig zu befürchten. Denn ein Gefängnisausbruch ist in Deutschland nicht strafbar.

Bereits den 1880er-Jahren legten die Gesetzgeber des Kaiserreichs für Deutschland fest, dass die „Selbstbefreiung“ nicht bestraft wird. Das hat sich bis heute nicht geändert. Der Grund: „Gefangene haben kein Recht auf Freiheit, das haben sie ja gerade verwirkt. Der Gesetzgeber hat sich aber gesagt, dass er den ‚Drang nach Freiheit‘ nicht bestrafen will“, erklärt Michael Stoewer, Rechtsanwalt für Strafrecht.

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Aufenthaltsverbot in Rom für Nackt-Aktivistin vom Petersplatz

Themenbild
Ukrainische „Femen“-Aktivistin, die zu Weihnachten mit Aktion vor dem Segen „Urbi et orbi“ für Aufsehen gesorgt hatte, des Landes verwiesen – Prozess am 24. Jänner.

kath.net

Eine halbnackte Aktivistin, die zu Weihnachten auf dem Petersplatz für Aufsehen sorgte, hat laut italienischen Medienberichten ein Aufenthaltsverbot für Rom erhalten. Nach zwei Tagen in Haft wurde sie am Mittwoch des Landes verwiesen, wie die Tageszeitung „La Repubblica“ am Donnerstag berichtete. Der Prozess soll demnach am 24. Jänner stattfinden.

Die 25-jährige Ukrainerin, die am Christtag oberkörperfrei die Jesuskind-Figur aus der Krippe auf dem Petersplatz holen wollte und dazu „Gott is woman“ (dt. Gott ist weiblich) rief, muss sich den Angaben zufolge wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Verletzung religiöser Gefühle sowie Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten.

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Limburger Apostel Bätzing im Visier radikaler Abtreibungsgegner

© Bild: KNA/Harald Oppitz
Diffamierende Berichte, eine Onlinepetition und Banner vor der Wohnung: Limburgs Bischof Georg Bätzing ist ins Visier radikaler Abtreibungsgegner geraten. Das Bistum erwägt nun rechtliche Schritte.

katholisch.de

Nach einer Postkartenaktion und Onlinepetition radikaler Abtreibungsgegner gegen den Limburger Bischof Georg Bätzing erwägt das Bistum rechtliche Schritte. „Das ist schon Rufmord“, sagte Sprecher Stephan Schnelle am Mittwoch über Flyer, die den Bischof als einen „Komplizen der Abtreibungsindustrie“ verunglimpften. Vor dem Privathaus des Bischofs sei zudem ein Banner errichtet worden. Es müsse noch geprüft werden, wer die rechtliche Verantwortung dafür trage. Zu behaupten, der Bischof oder das Bistum förderten Abtreibung, sei „großer Quatsch“, so Schnelle weiter.

Die Aktion überschattet auch einen Gottesdienst für Familien an diesem Donnerstag. „Morgen ist das Fest der unschuldigen Kinder“, sagte Schnelle. Es sei eine „Belastung“, wenn vor einem für alle gedachten Gottesdienst Türsteher einen störungsfreien Ablauf sichern müssten. Auch für den bundesweit übertragenen Weihnachtsgottesdienst im Dom hatte es Sicherheitsvorkehrungen gegeben.

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Grün-regressiv: Berliner Senator will Lehrerinnen Kopftuch erlauben

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Berlins Justizsenator Dirk Behrendt plädiert dafür, muslimischen Lehrerinnen das Tragen eines Hijab zu erlauben. „Ich bin der Meinung, dass wir es in einer multireligiösen Stadt wie Berlin aushalten sollten, wenn an den Schulen junge Frauen mit Kopftuch unterrichten“, sagte Grünen-Politiker Behrendt der „Berliner Zeitung“.

stern.de

Bisher verbietet es das Berliner Neutralitätsgesetz Lehrern, Polizisten und Justizbediensteten, sichtbare religiöse Symbole zu tragen. Das gilt für ein Kopftuch ebenso wie für ein Kreuz oder die jüdische Kippa. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auch in Berlin umgesetzt wird“, betonte der Grünen-Politiker. Deutschlands höchstes Gericht hatte pauschale Kopftuchverbote für verfassungswidrig erklärt. Behrendt betonte, derzeit könne jede Muslima, die an einer Berliner Schule abgelehnt werde, erfolgreich eine Entschädigung wegen Diskriminierung einklagen. „Es stellt sich schon die Frage, ob wir mit Steuergeld dauerhaft diese Entschädigungen zahlen wollen – oder ob man nicht besser die Diskriminierung abschafft“, sagte er.

Argumente gegen Gott und Götter

Ich lade dich ein, einige Argumente der weltanschaulichen Gegenposition zu lesen, die Gott als höchst unwahrscheinlich darstellen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Das Theodizee-Problem

Theodizee bedeutet übersetzt „Rechtfertigung Gottes“. In der Theologie versucht man seit Jahrhunderten verzweifelt das Leid auf der Welt in Einklang zu bringen mit einem allmächtigen, allgütigen und allwissenden Gott.

In Erklärungsnot gerät man als Theist vor allem dann, wenn man nicht durch den Menschen verursachtes Leid, also z.B. Krankheiten und Umweltkatastrophen, mit einem gütigen und allmächtigen Gott erklären muss. Wenn Gott das Leid auf der Welt toleriert und tatenlos dabei zusieht, wenn u.a. tausende kleine Kinder an unheilbaren Krankheiten sterben, ist er nicht allgütig. Wenn er es nicht verhindern kann, ist er nicht allmächtig. Wenn Gott keine bessere Welt als diese hat erschaffen können, ist außerdem die Heilserwartung falsch, es gäbe folglich kein Paradies und keine Erlösung.

Oft versuchen Theisten Gott dadurch moralisch zu retten, indem sie seine Allmacht bedingt beschränken wollen. Ein Argument, das mit „Gott ist allmächtig, aber…“ anfängt, muss aber schon deshalb scheitern, weil das Präfix „all“ einen universalen Anspruch impliziert. Wenn Gott allmächtig ist, kann es kein „aber“ geben.

Wenn man Gott mit dem Leid auf der Welt in Einklang bringen will, muss entweder seine Allmacht oder seine Allgüte aufgegeben werden. Oder aber man kommt zur Einsicht Nietzsches:

„Gott ist tot.“

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